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Wetter „wahlfreundlich“ gestimmt

Wie viele der knapp 6,4 Millionen Österreicherinnen und Österreicher, die am Sonntag dazu aufgerufen sind, einen neuen Bundespräsidenten bzw. eine neue Bundespräsidentin zu wählen, von ihrem Wahlrecht Gebrauch machen, wird sich am Abend weisen. Zumindest aus Meteorologensicht ist das Wetter für eine rege Beteiligung günstig. Aber auch die vielen Bewerber und der bis zuletzt relativ offene Wahlausgang sprechen dafür.

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Weniger für Ausflugswillige, dafür aber für die Wahlbeteiligung günstig ist das Wetter am Wahlsonntag. Teilweise Niederschlagsgefahr, frischer Wind und niedrige Temperaturen sollten eigentlich laut Statistik dafür sorgen, dass mehr Menschen zu den Urnen gehen als bei Sonnenschein und die Beteiligung gegenüber der vorigen Bundespräsidentenwahl ansteigen lassen.

Fischer erwartet hohe Beteiligung

2010 war sie auf niedrige 53,57 Prozent gefallen, so wenig wie bei keiner anderen Hofburg-, Nationalrats- oder Landtagswahl je zuvor in Österreich. Damals ging es allerdings „nur“ um die von vornherein sichere Wiederwahl Heinz Fischers - ohne ÖVP-Gegenkandidaten. Für heuer rechnen Meinungsforscher mit rund 70 Prozent Beteiligung. Wahlpflicht besteht bei der Bundespräsidentenwahl nicht mehr.

Bundespräsident Fischer gibt seine Stimme ab

APA/Bundesheer/Peter Lechner

Der amtierende Bundespräsident Heinz Fischer bei seiner Stimmabgabe

Fischer gab bereits am Sonntagvormittag seine Stimme gemeinsam mit seiner Frau Margit in Wien ab. Er rechne angesichts der großen Anzahl von sechs zur Wahl stehenden Kandidaten mit einer hohen Wahlbeteiligung, sagte Fischer vor Journalisten. Zu seinem bevorstehenden Abschied aus der Hofburg meinte er, bis zum 8. Juli „sicher locker“ zu sein. Am 8. Juli werde er vielleicht melancholisch sein, so Fischer.

Hundstorfer „durchaus emotional“

Bereits am Vormittag wählten auch die sechs zur Wahl stehenden Hofburg-Bewerber. SPÖ-Kandidat Rudolf Hundstorfer schritt mit gutem Gefühl in Wien zur Wahl. Aus seinem Wahlverhalten machte er kein Geheimnis: „Man wählt sich selbst.“ Er schilderte den Wahltag als „durchaus emotional“. Man blicke auf ein langes politisches Leben zurück und sei auch „ein bisschen stolz“. Mit einem Scheitern im ersten Durchgang wollte sich Hundstorfer nicht befassen: „Ich habe keinen Plan B.“

Khol: „Überraschung ist mein Geschäft“

Auch ÖVP-Kandidat Andreas Khol gab sich bei seiner Stimmabgabe in Wien trotz der für ihn bescheidenen Umfragen zuversichtlich. Es gehe ihm „hervorragend“, sagte er. „Überraschung ist mein Geschäft“, sagte Khol. Beim Verlassen des Wiener Wahllokals kündigte er ein weiteres Treffen bei der Stichwahl an: „Auf Wiedersehen - ich meine das wörtlich.“

Der Wahltag im ORF

Der ORF begleitet den Wahltag in Internet, Radio, Teletext und TV mit laufender Berichterstattung - mehr dazu in tv.ORF.at. ORF.at bietet ab 17.00 Uhr zudem eine Vielzahl von interaktiven Datengrafiken an.

Hofer: „Es schaut ganz gut aus“

Gut gelaunt gab FPÖ-Präsidentschaftskandidat Norbert Hofer seine Stimme im burgenländischen Pinkafeld ab. Sein Ziel sei weiterhin die Stichwahl, sagte er den wartenden Journalisten. „Ich kann nur vom Gefühl her sagen, dass es ganz gut ausschaut.“ In der Stichwahl würde er sich den von den Grünen unterstützten Kandidaten Alexander Van der Bellen wünschen, sagte Hofer. Er glaube, dass dann „ein inhaltlich interessanter Wahlkampf“ bevorstünde.

Van der Bellen „mit Demut“

Van der Bellen sagte auf die Frage, wen er am liebsten als Gegner in der zweiten Runde sehen würde: „Mir ist jeder und jede recht.“ Er empfinde Dankbarkeit gegenüber seinen Unterstützern und Hochachtung gegenüber seinen Mitbewerbern. Nach außen hin gab sich Van der Bellen bei der Stimmabgabe in Wien gelassen. „Ich versuche, entspannt zu wirken.“ Dass er siegessicher sei, verneinte er: „Nein, bin ich nicht, ich sehe dem mit Demut entgegen.“

Griss: „Getan, was in unserer Macht stand“

Auch die parteiunabhängige Kandidatin, Ex-Richterin und politische Newcomerin Irmgard Griss zeigte sich „völlig entspannt“. Für den Ausgang der Wahl sah sie sich angesichts der erfolgreichen Spendenkampagne schon als Siegerin. „Mein Team und ich haben getan, was in unserer Macht stand“, sagte Griss - die bei ihrer Stimmabgabe ihren Ausweis vergessen hatte, aber in ihrem Wiener Wahllokal dennoch identifiziert werden konnte.

Lugner: „Eine Stimme habe ich fix“

Der Unternehmer und parteiunabhängige Kandidat Richard Lugner machte in seinem Wiener Wahllokal kein Geheimnis daraus, dass er für sich stimmen wird: „Eine Stimme habe ich fix, leider darf meine Frau nicht wählen“, verwies Lugner auf die deutsche Staatsbürgerschaft seiner Ehefrau Cathy.

Jeder Zehnte wählt mit Wahlkarte

Wie stark die Wahlbeteiligung am Sonntag ist, war vorerst nicht abzuschätzen. In so mancher Kleingemeinde indes hatten die Wahllokale zu Mittag bereits wieder zu. Um 13.00 Uhr war Wahlschluss in Vorarlberg. Lediglich Wien und Innsbruck schöpfen den gesamten Zeitraum bis zum amtlichen Wahlschluss um 17.00 Uhr aus. Ab diesem Zeitpunkt werden die ersten Hochrechnungen veröffentlicht.

Das vorläufige Endergebnis - ohne Briefwahlstimmen - sollte laut Bundeswahlbehörde zwischen 19.00 und 20.00 Uhr feststehen. Überraschend wäre, wenn einer der sechs Bewerber auf mehr als 50 Prozent käme. Das ist aber nötig, um Bundespräsident zu werden, womit davon auszugehen ist, dass es am 22. Mai zur Stichwahl kommt.

Knapp 6,4 Millionen Wahlberechtigte

Die sechs Hofburg-Kandidaten hoffen am Sonntag auf möglichst viele Stimmen der knapp 6,4 Millionen wahlberechtigten Österreicherinnen und Österreicher.

Sollte es am Sonntagabend keine definitive Entscheidung geben, weil die Bewerber auf dem zweiten und dritten Platz sehr eng beieinander liegen, wird auch der Montag noch spannend. Erst dann werden die Briefwahlstimmen ausgezählt. Und das werden nicht wenige sein: 641.975 Wahlkarten (fast 40.000 davon aus dem Ausland) wurden angefordert - das entspricht zehn Prozent der Wahlberechtigten. Auch das ist ein Indiz dafür, dass die Wahlbeteiligung am Sonntag ansteigen wird.

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