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Verkehr brach streckenweise zusammen

Der plötzliche Wintereinbruch am Mittwoch hat in der Landwirtschaft schwere Schäden verursacht. In Kärnten brach ab dem späten Nachmittag der öffentliche Verkehr zusammen. Auf den Straßen ging auch sonst vielerorts „gar nichts mehr“, wie es hieß.

Wie sonst maximal im tiefsten Winter, riet die Polizei dazu, zu Hause zu bleiben, und warnte vor lebensgefährlichen Situationen durch die Schneefälle. „Verkehrsmäßig geht überhaupt nichts mehr“, sagte Kärntens Polizeisprecher Rainer Dionisio. Ständig seien Äste von Bäumen gebrochen und auf Gehsteige und Fahrbahnen gestürzt, daher herrsche akute Gefahr.

Stromausfälle und eingestellte Buslinien

Am Faaker See, wo derzeit noch zahlreiche GTI-Fans urlauben, stürzte ein Veranstaltungszelt auf einem Campingplatz in sich zusammen. Zehntausende Haushalte waren immer wieder ohne Strom, die Monteure des Kärntner Energieversorgers KELAG im Dauereinsatz. Auch der Zugsverkehr war massiv betroffen. Auf Teilen der Strecke war der Strom ausgefallen, meldeten die ÖBB. In Unterkärnten brach auch der Postbusverkehr zusammen - mehr dazu in kaernten.ORF.at.

Abgebrochener Ast auf Straße

APA/Gert Eggenberger

Straßen von Ästen blockiert

Nichts geht mehr auf der A2

Weitgehend Stillstand herrschte in Kärnten auch auf der Südautobahn (A2) zwischen Klagenfurt und Villach, außerdem musste die Kärntner Bundesstraße zwischen Villach und Wernberg komplett gesperrt werden. Im Pack-Abschnitt musste der Herzogbergtunnel nach einem Unfall vorübergehend geschlossen werden. Es kam zu Unfällen und Staus. Für Lkws wurde streckenweise Schneekettenpflicht verfügt. Praktisch alle höher gelegenen Bergstraßen in Kärnten waren nur mit Winterausrüstung bzw. Ketten befahrbar.

Schwere Schäden in der Landwirtschaft

In der Steiermark hatte Frost zuvor schon in der Nacht auf Dienstag den Obstbauern schwere Schäden beschert. Das gesamte Obstbaugebiet - Oststeiermark, Südoststeiermark und Weststeiermark - sei arg betroffen, berichtete die Landwirtschaftskammer Steiermark. Bei Äpfeln, Birnen, Kirschen, Marillen und Zwetschken seien „massive Ausfälle“ zu erwarten.

Ast im Schnee

APA/Franz Fink

Im Jänner romantisch - Ende April eine Katastrophe für die Weinbauern

Ausmaß noch nicht abschätzbar

Das gesamte Ausmaß der Schäden sei noch nicht abschätzbar, konkrete Zahlen zu den betroffenen Flächen und der Schadenssumme werde es erst in den nächsten Tagen geben, und sie könnten in dieser Zeit auch noch größer werden: Weitere Frostereignisse werden erwartet. Am Mittwoch schätzte Titschenberger die Summe der Schäden bereits auf 100 Millionen Euro - mehr dazu in steiermark.ORF.at.

Feuerwehr

APA

Der schwere Schnee droht, die Netze, die die Obstbäume vor Hagel schützen sollen, einzudrücken

Vor allem nach der abgeschlossenen Blüte seien die jungen Früchte äußerst temperaturempfindlich. Um zu retten, was zu retten ist, versuchten Obstbauern in der Nacht, durch Paraffinölkerzen die Temperaturen zu erhöhen.

Winterreifen und Schneeketten

Wie in Kärnten kam es auch in der Steiermark zu Verkehrsbehinderungen. Im Südwesten und Südosten des Bundeslandes stürzten am Mittwoch außerdem Bäume auf Stromleitungen. Als Folge fiel in Tausenden Haushalten der Strom aus.

Umgestürzter Baum

APA/Michael Walcher

Schneetreiben, winterliche Fahrverhältnisse und geknickte Bäume

Dass die meisten Autos - die Frist für die Winterreifenpflicht lief bereits aus - mittlerweile mit Sommerreifen unterwegs sind, verschärfte die Situation auf den Straßen. Auf höheren steirischen Bergstraßen konnten Pkws nur mit Winterreifen und Lkws nur mit Schneeketten weiterfahren. Auf dem weststeirischen Pack-Abschnitt der A2 ab Steinberg bis zum Pack-Sattel an der Kärntner Grenze waren Schneepflüge im Einsatz. In Graz hatte es in der Früh einen etwa halbstündigen Eisregen gegeben. Das „City-Radeln“ am späten Nachmittag, das als offizielles Eröffnen der Radfahrsaison in der Landeshauptstadt gilt, wurde abgesagt.

Auch in der Stadt Salzburg blieb am Vormittag kurz Schnee liegen. Im übrigen Bundesland herrschte auf dem Katschberg und über den Radstädter Tauern Schneekettenpflicht für Autos sowie auf dem Felbertauern für Lkws.

Für Meteorologen nicht ganz ungewöhnlich

Der Frühlingsbeginn ist zwar schon mehr als einen Monat her, ganz ungewöhnlich ist Schneefall um diese Jahreszeit dennoch nicht. Verantwortlich für den ungewöhnlich heftigen Wintereinbruch waren laut ORF-Wetterredaktion eine Kaltfront und ein Tief über Oberitalien.

Erstere brachte von Norden her die kalte Luft, das Tief aus dem Süden die Feuchtigkeit - von Meteorologen „Aufgleiten“ genannt. Die Wetterlage sei ganz typisch für starke Niederschläge in Kärnten, aber untypisch für Ende April. Zusätzlich zu Schnee und Kälte gab es in Kärnten und der Steiermark Schneegewitter.

Mehr Schnee als im Winter

Stellenweise wurde in Kärnten mehr Schnee gemessen als im ganzen letzten Winter, der allerdings warm und schneearm war. Auf der Gerlitzen und dem Loiblpass gab es 50 Zentimeter Neuschnee, in Bad Eisenkappel auf 600 Metern Seehöhe für Ende April rekordverdächtige 40 Zentimeter, in Klagenfurt lag mit 16 Zentimetern mehr Neuschnee als im Winter (zehn Zentimeter). In den Karawanken fiel verbreitet mehr als ein halber Meter Neuschnee, stellenweise in höheren Lagen sogar ein Meter.

Abgesehen von den Schäden seien die Niederschläge wichtig gewesen, da die letzten Wochen im Süden und Südosten Österreichs viel zu trocken gewesen seien, so die Meteorologen. Seit Anfang März hatte es in Graz nur rund 15 Liter pro Quadratmeter geregnet, am Mittwoch waren es 22, ähnlich in Klagenfurt. Nach 22 Litern seit Anfang des Vormonats fielen dort am Mittwoch 51 Liter Niederschlag. Damit gab es in der Kärntner Landeshauptstadt an nur einem Tag fast so viel Niederschlag wie normalerweise im gesamten April.

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