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Ohne Crew und Fernsteuerung

Das US-Militär testet seit Wochenbeginn vor der Küste Kaliforniens das bisher größte unbemannte Kriegsschiff. Die „Sea Hunter“ soll ihren Weg nach Koordinatenvorgabe selbstständig finden und auf See manövrieren.

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Das Roboterschiff war am 7. April getauft worden. Am Montag legte es in San Diego (Kalifornien) an der US-Pazifikküste ab. Das Schiff ist 40 Meter lang und als U-Boot-Jäger konzipiert. In US-Medien wurde die „Sea Hunter“ als ein Meilenstein in der automatisierten Kriegsführung und Antwort auf russisches und chinesisches Hochrüsten auf See beschrieben.

Drohnenschiff ‚‚Sea Hunter‘‘

Reuters/Steve Dipaola

Tests auf zwei Jahre angesetzt - 19.000 Kilometer Reichweite laut Plan

Der Prototyp sei das Äquivalent eines selbstfahrenden Autos auf dem Wasser, hieß es in ersten Berichten. Es soll in der Lage sein, zwei, drei Monate ohne Kapitän, Crew und Fernsteuerung unterwegs zu sein. Anlässlich seiner Taufe vor knapp einem Monat in Portland (Oregon) zitierte die Nachrichtenagentur Reuters den stellvertretenden US-Verteidigungsminister Robert Work mit den Worten, die „Sea Hunter“ markiere einen „Wendepunkt“. In vielleicht fünf Jahren könnten derartige Schiffe im Westpazifik und im Persischen Golf regulär unterwegs sein.

Menschen außerhalb der Gefahrenzone

Work verwies auf den mittlerweile gängigen Einsatz von Drohnen in der Luft. „Für unsere Militärmanöver brauchen wir unbemannte Schiffe, um die Missionen zu unterstützen, ohne dabei Menschen in Gefahr zu bringen“, zitierte der deutsche „Spiegel“ am Dienstag einen Sprecher der US-Armee. Bei den ersten Tests gehe es vor allem um die Fähigkeit des Schiffs, mittels Kameras und Radar Kollisionen zu vermeiden. Insgesamt soll der Testlauf mit dem Prototyp zwei Jahre dauern. Die „Sea Hunter“ soll laut Reuters „nur“ 20 Mio. Dollar (rund 17,4 Mio. Euro) gekostet haben, die täglichen Betriebskosten beliefen sich auf 15.000 bis 20.000 Dollar - „relativ günstig“ für militärische Hochtechnologie.

Bedenken in der zivilen Schifffahrt

Das „Autonomous Unmanned Surface Vehicle“ (USV) erreicht eine Geschwindigkeit von 27 Knoten. Angetrieben wird es von zwei Dieselmotoren, die maximale Reichweite soll 70 Tage oder 19.000 Kilometer betragen. Der Treibstoffvorrat an Bord beträgt 40 Tonnen. Sollte der Testlauf erfolgreich verlaufen, könnte die „Sea Hunter“ auch zum Vorbild für die zivile Frachtschifffahrt werden, schrieb der „Spiegel“, und sogar „die komplette Schifffahrt verändern“.

Es gebe aber Sicherheitsbedenken. Das deutsche Nachrichtenmagazin verwies auf Kritik der Internationalen Transportarbeiter-Föderation (ITF), wonach Technologie menschliche Vorahnung und Reaktionsfähigkeit bei Gefahr im Verzug kaum ersetzen könne.

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