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Nach David Attenborough benannt

Mit einer salomonischen Entscheidung hat der britische Forschungsminister Jo Johnson das Dilemma um den Schiffsnamen „Boaty McBoatface“ gelöst. Nachdem die als Scherz gedachte Einreichung bei einem Onlinevoting zum Namen eines Forschungsschiffes gewählt wurde, wird der Polarkreuzer nun nach Tierfilmer und Naturforscher David Attenborough benannt. Ein kleines U-Boot hingegen soll „Boaty McBoatface“ heißen.

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Nur wenige Tage vor seinem 90. Geburtstag wurde auf diese Weise BBC-Legende Attenborough die Ehre zuteil, als Namenspatron für ein Forschungsschiff des britischen Umweltforschungsrates (NERC) zu fungieren. Es wird nun „RRS Sir David Attenborough“ heißen. Die Abkürzung RRS steht für Royal Research Ship (Königliches Forschungsschiff). Der BBC gegenüber zeigte sich Attenborough „wahrlich geehrt“. Johnson wiederum sprach von einer „schwierigen Entscheidung“.

„Boaty“ unterstützt Forscher an Meeresoberfläche

Nun stehe fest, dass das „brandneue Polarforschungsschiff nach einem der berühmtesten Naturwissenschaftler“ benannt werden solle. Der Namenswettbewerb habe „einige wirklich inspirierende Vorschläge“ gebracht, fügte der Minister hinzu. Daher solle nunmehr „der Boaty-Name in einem Unterseeboot weiterleben“, das die Forscher bei ihrer Arbeit unterstütze. NERC präsentierte auf Twitter ein erstes Bild des kleinen ferngesteuerten U-Bootes.

Dabei sah es ursprünglich ganz so aus, als würde sich die PR-Aktion von NERC als Bumerang für die altehrwürdige staatliche Organisation erweisen: Das neueste Polarschiff der Gesellschaft sollte seinen Namen per Onlinevoting erhalten, um Interesse für die Forschungstätigkeit zu schüren - die Teilnehmer überboten sich aber in lustigen Vorschlägen.

Das mit den Dynamiken des Internets wohl nicht wirklich vertraute Führungsgremium von NERC sagte, man sei davon ausgegangen, nur „Meeresforschungsfans“ würden sich an dem Voting beteiligen. Doch letzten Endes hatte der Vorschlag des ehemaligen BBC-Radiomoderators James Hand 124.109 Stimmen, während der nächstplatzierte Vorschlag nicht einmal ein Drittel der Stimmen auf sich vereinte.

Ungewöhnliche Vorschläge

Hand hatte seinen Namensvorschlag eingereicht, weil ihm 90 Prozent der anderen Ideen nicht gefielen. Zu den anderen ungewöhnlichen Vorschlägen zählten „RRS Onion Knight“, „RRS Pingu“ „RRS Usain Boat“, „RRS I Like Big Boats And I Cannot Lie“ (zu Deutsch: Ich liebe große Schiffe und ich kann nicht lügen) sowie „RRS Kanye West“.

Ungeachtet dessen tauchte auch Attenboroughs Name in dieser Liste auf, immerhin auf dem vierten Platz. Johnson reichte das, machte er doch im Vorfeld deutlich, dass es weit „treffendere Namen“ als „Boaty McBoatface“ für ein Schiff mit einem Forschungsauftrag geben müsse. „Boaty McBoatface“-Erfinder Hand begrüßte diese Entscheidung und bezeichnete als „passende und exzellente Wahl“.

Tierfilmer und Naturforscher David Attenborough

APA/AP/Smithsonian Channel/Colossus Productions

David Attenborough ist Namenspatron des neuen Polarporschungsschiffs

Das umgerechnet 255 Millionen Euro teure, 15.000 Tonnen schwere und 129 Meter lange Forschungsschiff soll im Auftrag von NERC ab 2019 die Polarregion erforschen. NERC-Sprecherin Alison Robinson sagte, das Institut hatte nach einem „inspirierenden Namen“ gesucht, der die Arbeit des Schiffes „in einer der herausforderndsten Weltgegenden“ veranschauliche. „Wir haben viel Freude an den Vorschlägen der Leute“, sagte sie.

Onlinevoting nicht bindend

Großbritannien werde mit der Forschungsmission laut dem früheren britischen Marinechef und NERC-Vorstand Lord Alan West möglicherweise „führend in der Welt“ sein und „sollte stolz darauf sein“, sagte er der BBC bereits kurz nachdem das Onlinevoting seine Wendung in Richtung „Boaty McBoatface“ nahm. In der Vergangenheit trugen die Schiffe der NERC jedenfalls seriöse Namen, nämlich jene von legendären Polarforschern, etwa Ernest Shackleton. Aber das Onlinevoting war für NERC den Regeln zufolge ohnehin nicht bindend.

Fans des Namens „Boaty McBoatface“ wollen sich damit freilich nicht zufriedengeben. Sie starteten eine Petition an Attenborough selbst: Der sei ein „wirklich wunderbarer Kerl“ und könne damit vielleicht dazu bewegt werden, sich „im Namen der Demokratie und des Humors“ umtaufen zu lassen - mit dem neuen Namen Boaty McBoatface.

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