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Die SPÖ-Landesparteien in der Steiermark und Kärnten haben sich am Dienstag einstimmig für ÖBB-Chef Christian Kern als Nachfolger von Werner Faymann ausgesprochen. Auch die SPÖ-Gremien in Niederösterreich und Tirols SPÖ-Chef Ingo Mayr sprachen sich für den Manager aus. Der burgenländische Landeschef Hans Niessl wollte sich hingegen noch nicht festlegen.

SPÖ-Kärnten-Chef und Landeshauptmann Peter Kaiser hatte sich in den Tagen zuvor mehrfach für den 50-jährigen Kern ausgesprochen. Nach der kurzfristig anberaumten Sitzung des Parteivorstandes sagte Kaiser am Dienstag vor Journalisten, dass sich die Vorstandsmitglieder der SPÖ Kärnten einem entsprechenden Antrag Kaisers einstimmig angeschlossen hätten.

Holding-Chef Christian Kernund Ex-Bundeskanzler Werner Faymann

APA/Herbert Neubauer

Kern war schon vor dem Rücktritt Faymanns immer wieder als nächster SPÖ-Chef im Gespräch

Er sei sehr froh über diese Einstimmigkeit, so Kaiser, diese stärke sowohl ihn und die anderen Kärntner Mitglieder des Bundesparteivorstandes als auch Kern selbst. Kern sei „fähig zu neuen Ansätzen“, grundsatzgefestigt und habe ein Auftreten, das ihn sowohl auf nationaler Ebene als auch auf dem internationalen Parkett eine gute Figur machen lasse - mehr dazu in kaernten.ORF.at.

Steiermark „leidenschaftlich“ für Kern

Zuvor hatte sich bereits der Landesparteivorstand der SPÖ Steiermark einstimmig für Kern ausgesprochen. Die SPÖ Steiermark unterstütze Kern „leidenschaftlich“, so der steirische Parteichef Michael Schickhofer. Er habe dem intermistischen SPÖ-Chef, dem Wiener Bürgermeister Michael Häupl, bereits mitgeteilt, dass die Steiermark Kern vorschlägt - mehr dazu in steiermark.ORF.at.

Auch das SPÖ-Präsidium und der Landesparteivorstand in Niederösterreich sprachen sich einstimmig für Kern als neuen Bundesparteichef aus. Es habe eine klare Präferenz für den ÖBB-Manager und letztlich einstimmige Beschlüsse der Gremien gegeben, sagte der SPÖ-Landesparteivorsitzende in Niederösterreich, Matthias Stadler: „Wir werden eine Empfehlung für Kern abgeben“ - mehr dazu in noe.ORF.at.

Mayr kann „mit Kern gut leben“

Zustimmung für Kern kam auch von Tirols SPÖ-Chef Mayr: „Ich kann mit Kern gut leben und wäre für ihn“, sagte Mayr der APA. In der Tiroler Landespartei sei die Sympathie für Kern „sehr groß“. An dem Treffen der SPÖ-Landesvorsitzenden am Freitag in Wien würden auch Kern und Medienmanager Gerhard Zeiler teilnehmen, so Mayr. Von baldigen Neuwahlen hält er nichts, ebenso wenig von einer Koalition mit der „Strache-FPÖ“ - mehr dazu in tirol.ORF.at.

Klug für Kern

Verkehrsminister Gerald Klug (SPÖ) sprach sich am Mittwoch bei einer Pressekonferenz in Wien ebenfalls für Kern aus. Das habe er schon am Dienstag bei der Sitzung des erweiterten Landesparteivorstands der SPÖ Steiermark erklärt, sagte Klug vor Journalisten.

Er persönlich mache seine Aufgabe als Verkehrsminister gerne und würde auch gerne unter einem Kanzler Kern weiterarbeiten, sagte Klug: „Wenn er mich braucht, dann stehe ich zur Verfügung.“ Angesprochen auf die Forderung von ÖVP-Wien-Obmann Gernot Blümel, der gemeint hatte, unter einem Kanzler Kern müsse das Verkehrsministerium wegen Befangenheit in ÖBB-Angelegenheiten an die ÖVP gehen, sagte Klug, es fehle ihm der Esprit, so etwas ernsthaft zu kommentieren. In der derzeitigen Lage gehe wohl bei dem einen oder anderen die Fantasie durch.

Bundeskanzler bereits am Mittwoch angelobt?

Am Freitag soll laut Kaiser beim Treffen der Landesparteichefs und von Vertretern der Teilorganisationen in Wien die weitere Vorgangsweise besprochen werden. Am Dienstag soll Parteipräsidium und Vorstand ein entsprechender Vorschlag gemacht machen. Kaiser deutete an, dass angestrebt werde, sich bereits im Vorfeld auf nur einen Kandidaten festzulegen. Auf die Frage, wann er damit rechne, dass der Neue als Bundeskanzler angelobt werde, sagte er: „Wenn die ÖVP sich so verhält, wie es wir ihr gegenüber tun, dann wäre das am kommenden Mittwoch.“

TV-Manager Gerhard Zeiler

APA/Georg Hochmuth

Medienmanager Zeiler gilt ebenfalls als Favorit für den SPÖ-Chefposten

Die SPÖ will bis spätestens nach Pfingsten einen neuen Kandidaten gefunden haben und ihn - oder sie - nach den Sitzungen von Präsidium und Vorstand der Öffentlichkeit offiziell vorstellen. Das wurde im Parteivorstand Montagabend festgelegt. Bis auf Weiteres führt Häupl die Partei, ihm obliegt auch die Suche nach dem nächsten SPÖ-Chef und die Organisation des außerordentlichen Parteitags am 25. Juni, an dem der nächste SPÖ-Chef offiziell gekürt werden soll.

Niessl: Kandidat soll „Partei einen“

Trotz dieser ersten Vorentscheidungen ist das Rennen offenbar noch nicht entschieden. Der burgenländische Landeshauptmann Hans Niessl geht etwa davon aus, dass am Freitag der Kreis der Anwärter zumindest eingeengt wird. Er wolle noch nicht von Favoriten sprechen, so Niessl - mehr dazu in burgenland.ORF.at.

Kein Kommentar von Kern und Zeiler

Kern und Medienmanager Gerhard Zeiler, der unter anderen von Häupl favorisiert wird, äußerten sich bis jetzt nicht zu den Spekulationen. Kern etwa postete Montagabend Fotos inklusive Selfie aus der Wiener Stadthalle von einem Konzert der englischen Rockband Muse. „MUSE im Sweatshop Wiener Stadthalle - 35 Grad im Schatten. Ganz cooler Auftritt heute Abend“, so Kerns Text dazu. Zeiler soll bereits am Montag in die USA geflogen sein, berichtete der „Kurier“, ein Interview soll er abgelehnt haben.

Rote Minister winken ab

Andere mögliche Kandidaten für die Faymann-Nachfolge sagten bereits ab, darunter Verteidigungsminister Hans Peter Doskozil: „Ich glaube, diese Frage stellt sich nicht.“ Gesundheitsministerin Sabine Oberhauser sieht sich ebenfalls nicht an der Parteispitze, alleine, weil sie niemand darum gebeten habe.

Klubobmann Andreas Schieder sagte am Dienstag im ORF-„Report“, wer an der Spitze stehen soll, solle weniger nach Namen, mehr nach Inhalten entschieden werden. Dass sein Name genannt wird, finde er ehrenvoll. Aber auch als Klubobmann weiterzumachen sei gut. Es gebe mehrere gute Kandidaten, der beste werde es dann. Im Zeitalter der Gleichberechtigung sei es schade, dass keine Frau als Kandidatin genannt wird. Schieder geht jedenfalls davon aus, dass die SPÖ Mittwochfrüh wieder einen Bundeskanzler hat.

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