Almodovar nimmt zu Panama-Papers-Vorwurf Stellung

In Cannes hat der spanische Regisseur Pedro Almodovar seinen neuen Film „Julieta“ vor versammelter Presse präsentiert. Noch zum spanischen Kinostart Anfang April hatte er alle öffentlichen Auftritte abgesagt, nachdem bekanntgeworden war, dass sein Name und der seines Bruders in den Panama-Papers aufscheinen.

Bei der Pressekonferenz darauf angesprochen, sagte Almodovar: „Mein Name und der meines Bruders sind nur zwei von zahllosen Namen, die in den Panama-Papers aufscheinen. Wäre das der Nachspann eines Films, würden wir nicht einmal aufgeführt, so unwichtig sind wir in dieser ganzen Sache.“

Der Regisseur betonte außerdem, dass es noch viele Unklarheiten zu den Panama-Papers gebe. „Wir wissen noch immer nicht richtig, um was es bei all dem genau geht.“ Er und sein Bruder Agustin sollen in eine Offshore-Firma involviert gewesen sein.

Telenovela mit großen Themen

Sein neuer Film jedenfalls wurde inspiriert von drei Kurzgeschichten aus dem Buch „Runaway“ von Alice Munro. Almodovar stellt in „Julieta“ eine Mutter vor, die versucht, ihre Tochter wiederzufinden, die sich Jahre nach dem Tod ihres Vaters allmählich abgewandt hatte und schließlich ihr eigenes Leben führte, ohne jemals wieder etwas von sich hören zu lassen.

Kontemplativ und unaufgeregt, allerdings in schreienden Farben – die Geschichte spielt zum Teil in den 1980er Jahren – erzählt Almodovar gleich einer Telenovela im großen Stil von Elternschaft und Verlust, Loslassen und Versöhnung.

„Ich bin nicht nostalgisch, aber ich vermisse die 1980er Jahre. Und ich bin ein großer Fan von Technicolor“, sagte er in Cannes. „Die ersten Filme, die ich als Kind gesehen habe, waren in Technicolor, mit starkem Farbkontrast, das ist mir geblieben: die Pop-Art, der übertriebene Gebrauch von satten, starken Farben.“

Hass auf Schwarz

Vor allem aber liebe er Farben, weil seine Mutter nie welche getragen habe: „Sie war fast immer schwarz angezogen, selbst an dem Tag, als mit mir schwanger wurde. Ich glaube, daraus ist für mich eine Art Hassbeziehung zu dieser Farbe entstanden. Verstehen Sie mich nicht falsch, Schwarz ist eine elegante, klassische Farbe, aber mich persönlich macht sie wütend.“

Mit „Julieta“ bewegt sich Almodovar in seinem charakteristischen Universum markanter Frauen, „doch Julieta wird in dieser Geschichte von einer starken, strahlenden Frau zu einem kraftlosen Zombie. Auch das wollte ich einmal erforschen.“ Parallen zu sich selbst sieht er dabei nicht: „Ich fühle mich noch nicht alt, aber ich merke, dass es stimmt, was man sagt: Alter ist keine Krankheit, es ist ein Massaker. An einem gewissen Punkt musste ich mich für meine Gesundheit entscheiden, wenn ich weiterarbeiten wollte. Ich weiß, das klingt langweilig, aber vor dieser Entscheidung steht wohl jeder einmal.“

Einen Appell an die Nachwelt hat Almodovar jetzt schon: „Ich möchte niemals ein Biopic über mich machen geschweige denn eines gemacht sehen. Bitte sagt das weiter. Ich habe 20 Filme gemacht, und alles, was ich bin, ist in diesen Filmen.“ (azaw, ORF.at)