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Innenpolitik gratuliert mit Wunschlisten

Die Erwartungen an Alexander Van der Bellen als neuen Bundespräsidenten sind von Anfang an hoch. Einhellig schlossen Vertreter aller politischen und gesellschaftlichen Lager ihren Gratulationen zum Wahlsieg den Wunsch an, Van der Bellen möge als Bundespräsident „Gräben“ zuschütten, einer Polarisierung entgegenwirken und auf die Wähler seines Konkurrenten Norbert Hofer (FPÖ) zugehen.

Bundeskanzler Christian Kern (SPÖ) erklärte in einer ersten Reaktion gegenüber dem ORF, er sehe in Van der Bellen einen „Partner, der für eine proeuropäische weltoffene Politik stehe und keine Politik, die Ängste bedient“. Man werde jedoch „gemeinsam dafür sorgen, dass kein Wähler sich heute als Wahlverlierer sieht“. An Hofers Wähler gerichtet meinte Kern, man habe den damit geäußerten Protest verstanden.

Zuversichtliche Reaktion der Regierungsspitze

Kern sieht Van der Bellen als Garanten einer proeuropäischen Politik. Mitterlehner ist überzeugt, dass Van der Bellen ein Bundespräsident für alle Österreicher sein werde.

Vizekanzler Reinhold Mitterlehner (ÖVP) bekundete ebenfalls seinen „Respekt vor Norbert Hofer“ und dessen Wählern. Angesichts des „polarisierenden Wahlkampfes“ solle Van der Bellen „das Einende über das Trennende stellen“, hoffte Mitterlehner. Wie Kern meinte auch er, man habe die „Stimmung und die Botschaft aus dieser Wahl verstanden“.

Bures hofft auf Besonnenheit

Nationalratspräsidentin Doris Bures (SPÖ) wünschte Van der Bellen in einer Aussendung Glückwünsche und viel Erfolg, unterstrich aber zugleich ihre Hoffnung, dass Van der Bellen durch eine besonnene Amtsführung eine einende und versöhnliche Kraft für das Land sein werde. Gerade nach einer polarisierenden Wahlauseinandersetzung brauche es an allen Stellen der Republik das Bemühen, die Gesellschaft zusammenzuhalten und das Vertrauen in die Demokratie und ihre Institutionen zu festigen.

SPÖ baut auf „ausgleichende Art“

Für SPÖ-Klubobmann Andreas Schieder ist Van der Bellen der richtige Nachfolger von Heinz Fischer in der Hofburg. Dessen „positive Amtsführung“ werde „im Geiste ähnlich fortgeführt“, ist Schieder überzeugt. Van der Bellen werde auch die positive Regierungszusammenarbeit und den Neustart unter Bundeskanzler Christian Kern (SPÖ) unterstützen.

Schieder geht davon aus, dass Van der Bellen Österreich im Ausland gut vertreten wird und im Inland für den notwendigen Zusammenhalt sorgen kann. Er habe eine „sehr ausgleichende Art“. Neben weiteren SPÖ-Vertretern gratulierte Parteigeschäftsführer Gerhard Schmid und attestierte Van der Bellen die „notwendige Würde, Besonnenheit und Verantwortung“ für das Amt. Die Herausforderung sei es, ein Präsident für alle zu sein.

ÖVP will Van der Bellen beim Wort nehmen

Für ÖVP-Klubobmann Reinhold Lopatka wird die große Herausforderung für Van der Bellen sein, das Gemeinsame vor das Trennende zu stellen. Der neue Bundespräsident habe „immer hervorgehoben, dass er sich als Verbinder sieht - innerhalb Österreichs und auch in die Welt“. In absoluten Zahlen sei Van der Bellen wegen der hohen Wahlbeteiligung von mehr Wählern gewählt worden als Fischer im Jahr 2004, erinnerte Lopatka außerdem.

ÖVP-Generalsekretär Peter McDonald freut sich „auf eine konstruktive Zusammenarbeit mit dem neuen Bundespräsidenten“. Die Wählerinnen und Wähler hätten ihre Wahl getroffen und „in einer Demokratie immer recht“. Der Wahlkampf sei polarisierend gewesen, so auch McDonald. Vom neuen Bundespräsidenten wünschten sich die Österreicher „eine europäische, internationale und weltoffene Amtsführung“ sowie dass dieser unabhängig und überparteilich agiere.

Schönborn hofft auf „Zusammenführung“

Kardinal Christoph Schönborn appellierte an Van der Bellen, nach der Wahl „das Land zusammenzuführen“. „Angesichts des sehr knappen Wahlergebnisses ist es besonders wichtig, dass der Bundespräsident das Einende vor das Trennende stellt“, sagte der Wiener Erzbischof am Montag, als er via „Kathpress“ Van der Bellen gratulierte. Der Wahlkampf habe auch in der Kirche stark polarisiert, räumte Schönborn ein - mehr dazu in religion.ORF.at.

Glawischnig sieht „historischen Moment“

Grünen-Chefin Eva Glawischnig zeigte sich naturgemäß erfreut über die Wahl ihres Vorgängers als Parteichef. „Es ist ein guter Tag für Österreich“, sagte Glawischnig. Van der Bellen werde Österreich „in seiner besonnen Art, mit seiner Erfahrung und Zuversicht gut voranbringen“, zeigte sich Glawischnig überzeugt. Die Wahl eines Ex-Grünen-Politikers zum Bundespräsidenten sei „ein historischer Moment“, betonte Glawischnig. „Es gibt auf der ganzen Welt keinen Grünen, der einen Staat anführt.“

Sie wolle den Sieg Van der Bellens aber keinesfalls vereinnahmen, so Glawischnig. Vielmehr gebe es erstmals in der zweiten Republik einen neuen Stil, bei dem nicht SPÖ und ÖVP im Vordergrund stünden. Für sie selbst und die Grünen sei der Wahlkampf Vorbild, offen zu sein und das Gemeinsame zu suchen.

„Ich bin mir sehr sicher, dass Alexander Van der Bellen ein Präsident für alle in Österreich sein wird“, sagte Glawischnig. Die größte Herausforderung für den neuen Bundespräsidenten sei es nun auch, „nach innen verbindend zu wirken“. Nach außen hin sei es für Österreich besonders wichtig zu zeigen, dass es in Europa und international eine Rolle spiele. Van der Bellen werde international eine Führungs- und eine Vertrauensfigur darstellen. „Das wäre mit Hofer anders gewesen“, so Glawischnig.

Strolz sieht Wahl „positiv“

NEOS-Chef Matthias Strolz freut sich über die Wahl der Österreicher, die sich damit mehrheitlich „für einen weltoffenen und europaorientierten Präsidenten entschieden“ hätten: „Das ist positiv.“ Nun sei er gefordert, „auch jene Hälfte Österreichs zu überzeugen, die ihn nicht gewählt hat“. Das Ergebnis sei weniger von einem Rechts-links-Konflikt geprägt als vom Wunsch nach „Veränderung und einem neuen Stil“, so Strolz.

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