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Großbaustelle bei Touristenattraktion

Die Bilder sind kurios - doch für die Stadt Florenz ist das ein durchaus dramatisches Ereignis: In unmittelbarer Nähe einiger der wichtigsten Baudenkmäler der Stadt ist ein längeres Straßenstück am Fluss Arno eingebrochen.

Ein 200 Meter langes und sieben Meter breites Loch bildete sich am Mittwoch auf der Straße entlang des Arno im Zentrum der toskanischen Metropole. Die Straße sackte vermutlich wegen eines Lecks in einer unterirdischen Wasserröhre ab und riss circa 20 Autos mit. Niemand wurde verletzt.

Autos in Bach

APA/AFP/Claudio Giovannini

Der ungewöhnliche Anblick zog auch Schaulustige an

Der Abgrund öffnete sich um 6.30 Uhr zwischen den Brücken Ponte Vecchio und Ponte alle Grazie, einer bei Touristen beliebten Gegend der Stadt, berichteten italienische Medien. Auf der anderen Seite des Arno befinden sich die weltberühmten Uffizien. Feuerwehrmannschaften waren damit beschäftigt, weitere Einstürze zu verhindern. Ein Teil der Strecke entlang des Arno wurde abgeriegelt. Die Gebäude müssen nun auf mögliche Folgemängel überprüft werden. Der Bürgermeister von Florenz, Dario Nardella, sprach von erheblichen Schäden. Und er betonte: „Es handelt sich um ein sehr großes Erdloch.“

Autos in Bach

APA/AP/Vigili del Fuoco

Diese Autos sind selbst für italienischen Gusto zu tief gelegt

Palazzo Pitti geschlossen

Die Museen des Palazzo Pitti blieben aus Sicherheitsgründen den ganzen Mittwoch geschlossen. Viele Schaulustige und Touristen nutzten die Gelegenheit, die im Schlamm feststeckenden Autos und den Asphaltkrater von der anderen Seite des Arno fotografisch festzuhalten. Einige der Autos mussten mit einem Kran aus dem Schlamm gezogen werden, andere wurden mit Abschleppwagen herausgeholt.

Die Straße sackte vermutlich wegen eines Lecks in einem unterirdischen Wasserrohr ab, in der ganzen Stadt kam es zu Problemen mit der Wasserversorgung. Bereits um kurz nach Mitternacht sollen Hilfskräfte wegen eines Rohrbruchs alarmiert worden sein. Kurz darauf sei das Leck bereits 70 Zentimeter groß gewesen.

Weitere Bruchstellen

Bis Mittag gab es weitere Einbrüche auf der Straße, dabei sei unter anderem ein weiteres zehn Meter langes Loch entstanden, hieß es. Im Palazzo Vecchio wurde ein Krisenstab eingerichtet, um über das weitere Vorgehen zu beraten. Die Einwohner von Florenz wurden dazu aufgerufen, vorerst die Straßen auf der linken Seite des Arno zu meiden. Außerdem wurden mehrere Bewohner in der Nähe des Unglücksortes aufgefordert, ihre Häuser aus Sicherheitsgründen zu verlassen. Nardella betonte aber, dass „keine Gefahr“ für die Gebäude bestehe. Die Menschen im Zentrum seien in „absoluter Sicherheit“, versicherte der Bürgermeister.

Rom bittet um Millionenspenden

Möglicherweise muss sich Florenz nun Rom zum Vorbild nehmen: Die allerdings hoch verschuldete italienische Hauptstadt startete einen Spendenaufruf über 500 Millionen Euro für den Erhalt ihrer Kulturgüter. Firmen und Bürger sollten dazu beitragen, das Forum Romanum, den Circus Maximus und andere weltberühmte Stätten zu erhalten, sagte der Beauftragte für Roms Kulturerbe, Claudio Parisi Presicce, am Dienstagabend.

Das mit rund zwölf Milliarden Euro verschuldete Rom sieht sich selbst nicht in der Lage, für den Erhalt all seiner Kulturgüter aufzukommen. Wie groß die Spendenbereitschaft sein werde, sei nach dem Korruptionsskandal in der Stadtverwaltung allerdings nicht sicher, musste Übergangsbürgermeister Francesco Paolo Tronca einräumen.

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