Schultes appelliert an Bauern, weniger Milch zu produzieren

Landwirtschaftskammer-Präsident Hermann Schultes appelliert an die Milchbauern, angesichts des dramatischen Preisverfalls weniger zu produzieren. „Es wird nur funktionieren, wenn wir weniger anbieten“, sagte Schultes gestern in der ORF-„Pressestunde“. Vor allem produktionsstarke Länder wie Dänemark, Niederlande und Irland in Europa müssten deutlich weniger Milch produzieren.

Bauern, die nicht Bio- oder Heumilch produzieren, hätten in Österreich aktuell „sehr schlechte Preise“, so Schultes. Wenn der Milchpreis für die Bauern um einen Cent sinke, dann würden in der heimischen Landwirtschaft rund 30 Mio. Euro fehlen. Der Preis für konventionelle Milch stürzte in den vergangenen eineinhalb Jahren um 15 Cent ab.

Liberalisierung, Russland-Embargo und China

Die Milchpreise haben in den vergangenen Jahren eine Berg- und Talfahrt erlebt. Das aktuelle Tief rührt einerseits vom Überangebot an Milch im Gefolge der Liberalisierung des EU-Milchmarkts - im März 2015 wurden die Milchproduktionsquoten abgeschafft. Andererseits machen den heimischen Molkereien das Russland-Embargo und der schwächelnde Absatz in China zu schaffen.

Seit März bekommen die heimischen Milchbauern von den großen Molkereien nur mehr 27 bis 29 Cent für ein Kilo konventionelle Milch, für Biomilch rund 48 Cent. In einigen Ländern, etwa Deutschland und Spanien, liegt der Bauern-Milchpreis bereits teilweise unter 20 Cent.

Schultes nahm die österreichischen Milchbauern in Schutz, dass sie viel zu viel Milch produzieren würden. „Österreich hat bei der Menge nicht gesündigt“, betonte der Landwirtschaftskammer-Präsident. Die Bauern würden die Aufrufe der Molkereigenossenschaften verstehen, kein Kraftfutter zu verwenden und weniger Milch zu produzieren.

Die EU-Kommission erlaubte angesichts der Milchkrise, dass Molkereien die Mengenproduktion miteinander koordinieren und senken. An den Lebensmitteleinzelhandel appellierte Schultes, mit der „Aktionitis“ und der „Verramschung“ bei Milchprodukten aufzuhören. Molkereien und Händler müssten „miteinander vernünftig“ reden. Im Hinblick auf die Russland-Sanktionen meinte Schultes, dass „irgendwann eine Phase der Beruhigung“ kommen müsse und beide Seiten wieder aufeinander zugehen müssten.

TTIP: Nicht hohe Standards lockern

Zum geplanten Freihandelsabkommen TTIP zwischen der EU und USA wiederholte der Landwirtschaftskammer-Präsident die bekannten Standpunkte der Bauernvertreter. Es dürfe durch das Abkommen nicht zu einer Lockerung der „hohen Standards“ in Europa kommen. Sollte das TTIP-Abkommen nicht im Interesse der österreichischen Landwirte sein, dann würden die bäuerlichen Abgeordneten im Parlament „sicher nicht zustimmen“. Als positiv bewertete Schultes die Agrarsonderregelungen im EU-Kanada-Freihandelsabkommen CETA. „Bei CETA hat man verstanden, worauf es ankommt.“

„Die Zeiten sind wirklich schwer“

Bei der Diskussion über das umstrittene Pflanzenschutzmittel Glyphosat plädierte Schultes für eine Versachlichung. Es sei „unwahrscheinlich“, dass Glyphosat bei der Nahrungsaufnahme für Menschen ein Krebsrisiko darstelle oder Erbgutveränderungen auslöse, stellten Experten der Welternährungsorganisation (FAO) und der Weltgesundheitsorganisation (WHO) kürzlich fest. Glyphosat habe für Bauern „viele Vorteile“, betonte Schultes.

Von der Politik erhofft sich der Bauernvertreter, „öfters ein Wort der Anerkennung“ über die Arbeit der heimischen Landwirte zu sprechen. „Die Zeiten sind wirklich schwer.“ Zum Beispiel würde durch den Kälteeinbruch Ende April heuer die halbe Apfelernte fehlen und es deutliche Einbußen bei Wein geben. Den Bauern sei dadurch ein Schaden von rund 200 bis 300 Mio. Euro entstanden.