Themenüberblick

Welt „immer komplexer“

Die Jubilarin hat sich mehrere Tage Zeit gelassen - Tage, in denen es nicht nur innenpolitisch hoch herging, sondern auch die Bevölkerung ungewöhnlich aufgewühlt war, im Gefolge des EU-Referendum, das vor mehr als einer Woche mit einem klaren Votum für den „Brexit“ endete.

Dieser Artikel ist älter als ein Jahr.

Doch nun nahm Queen Elizabeth, die nach dem Regierungsrekord im Vorjahr heuer ihren 90. Geburtstag feierte, Stellung zur britischen und europäischen Causa prima. Ihr royaler Tipp: Die Briten sollten sich nicht zu sehr aufregen.

In der Hauptstadt Schottlands, das klar für „Remain“ stimmte, rief die Queen ihre Untertanen zu Besonnenheit und ruhigem Nachdenken in bewegten Zeiten auf. Ohne das Thema „Brexit“ oder andere politischen Themen beim Namen zu nennen, betonte sie am Samstag in Edinburgh die Notwendigkeit, „ruhig und gefasst zu bleiben“.

„Grundsätzliches Nachdenken“

Die Welt werde „immer komplexer und fordernder“, und Veränderungen könnten „in bemerkenswerter Geschwindigkeit vor sich gehen“, sagte die Queen zur feierlichen Eröffnung des neu gewählten schottischen Parlaments.

„Die Fähigkeit, sich zu sammeln und ruhig zu bleiben, kann manchmal schwierig sein“, so die Queen und weiter: „Wie dieses Parlament immer wieder erfolgreich gezeigt hat, ist es ein Merkmal von Führung in solch einer schnelllebigen Zeit, genügend Raum für grundsätzlicheres Nachdenken darüber zu lassen, wie man am besten mit Herausforderungen und Möglichkeiten umgeht.“

Kunst der indirekten Rede

Das Staatsoberhaupt des Vereinigten Königreichs steht traditionell über den Parteien und äußert sich nicht zur aktuellen Tagespolitik. Doch für britische Medien, darunter die BBC, war klar, dass diese Aussagen der Versuch der Königin waren, in dieser sensiblen Übergangsphase nach dem Referendum die Fäden zusammenzuhalten, ohne sich aktiv in die Regierungsgeschäfte einzumengen.

Große Anti-„Brexit“-Demo in London

Unterdessen protestierten am Samstag Zehntausende Demonstranten in London gegen das britische „Brexit“-Votum. Die zumeist jungen Leute trugen bei ihrem Marsch durch die Innenstadt am Samstag Europaflaggen mit sich und riefen „Ich liebe die EU“. Der Sender BBC sprach von schätzungsweise 40.000 Teilnehmern.

Die Veranstalter fordern unter anderem, das britische Parlament solle das Votum des EU-Referendums aus der vergangenen Woche aufheben. Die Zukunft Großbritanniens liege in der Europäischen Union. Zugleich beschäftigten sich Konservative und die Labour-Partei weiterhin mit Personalfragen.

Politik sieht sich durch Votum gebunden

Inzwischen haben rund vier Millionen Briten eine Onlinepetition für ein zweites Referendum unterschrieben. Allerdings äußerte das zuständige Komitee im Unterhaus Zweifel, ob alle Unterschriften gültig seien. Die derzeit entscheidenden Politiker in London betonen, es gebe kein Zurück. Das Votum von 17 Millionen Briten (rund 52 Prozent) für einen Austritt aus der EU müsse umgesetzt werden.

Die Konservativen suchen unterdessen weiter einen Nachfolger für Premierminister David Cameron, der nach seiner Niederlage beim Referendum für die nächsten Monate seinen Rückzug angekündigt hatte. Innenministerin Theresa May gilt weiter als Favoritin.

Corbyn immer mehr unter Druck

Derweil steigt der Druck auf Labour-Oppositionschef Jeremy Corbyn zurückzutreten. Laut BBC sind Parteigranden dabei, dem 67-Jährigen einen ehrenvollen Abgang ohne Gesichtsverlust zu ermöglichen. Trotz eines Misstrauensvotums der Labour-Abgeordneten will Corbyn im Amt bleiben. Sein Argument: Die Parteibasis habe ihn erst im September mit rund 60 Prozent gewählt, er wolle sie nicht enttäuschen. Kritiker fürchten, mit Corbyn an der Spitze künftige Wahlen zu verlieren.

Links: