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Hohn und Spott über „Faragexit“

Nach dem britischen Votum für einen EU-Austritt hat sich rasch herausgestellt, dass die „Brexit“-Befürworter keinen konkreten Plan für die Zeit danach haben - und nach dem Tory Boris Johnson ist nun auch jener Mann zurückgetreten, dem die Briten den „Brexit“, egal ob positiv oder negativ, verdanken: Nigel Farage.

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Der Rechtspopulist kündigte Montagvormittag völlig überraschend an, als UKIP-Chef zurückzutreten. Er habe seine „Mission erfüllt“ und wolle nun sein „Leben zurück“, proklamierte Farage. Die Kritik daran ließ nicht lange auf sich warten.

In Sozialen Netzwerken verbreitete sich rasch der Hashtag „Faragexit“ - mit hämischen und wütenden Kommentaren: „Zuerst lügen und aufwiegeln, dann Chaos schaffen und jetzt davonlaufen“, twitterte etwa der deutsche SPD-Abgeordnete Axel Schäfer.

Rauer Ton auf Twitter

In mehreren Kommentaren war gar von Ratten, die das sinkende Schiffe verlassen, die Rede. So schrieb die Nutzerin Anastaia Stoyanova: „Heutige Lektion: Wenn dir rechtsgerichtete Fanatiker einfache Lösungen versprechen, sind sie entweder inkompetent oder sie lügen. Nigel schaffte beides.“

„SZ“: Was von Populisten zu halten ist

Bei der „Süddeutschen Zeitung“ hieß es in einem Onlinekommentar unter der Überschrift „Farage drückt sich vor der Verantwortung“: „Glas zertrümmern, das können sie. Aber den Scherbenhaufen zusammenfegen, das sollen andere machen. Nigel Farage zeigt mit seinem Rücktritt, was von Populisten zu halten ist.“ Freilich gab es in den Sozialen Netzwerken auch positive Reaktionen von Anhängern, die Farage für seinen Kampf für den EU-Austritt dankten.

Mann mit Schild bei Anti-Brexit-Demo

AFP/Niklas Halle'n

Britische EU-Befürworter sehen in den „Brexit“-Proponenten vor allem eines: Lügner

Karas: „Zündler schleichen sich“

Auf europapolitischer Ebene sorgte der Rücktritt Farages aber ebenfalls für Empörung. Luxemburgs Außenminister Jean Asselborn bezeichnete den Schritt als „sehr feige“. Auch der Fraktionsvorsitzende der konservativen EVP-Fraktion im EU-Parlament, der deutsche CSU-Politiker Manfred Weber, übte Kritik: „Farage sagt, dass er sein Leben zurück wolle. Er sollte lieber über das Leben all jener Briten nachdenken, die er von Europa abgeschnitten hat.“ In das gleiche Horn stieß der EU-Delegationsleiter der ÖVP, Othmar Karas: „Die Zündler schleichen sich davon.“

„Politische Ziele erfüllt“

Farage war einer der entschiedensten Verfechter des „Brexit“, für den sich bei dem Referendum vor eineinhalb Wochen knapp 52 Prozent der Briten aussprachen. „Der Sieg des ‚Leave‘-Lagers bei dem Referendum bedeutet, dass sich meine politischen Ziele erfüllt haben“, so der Politiker, der seit 17 Jahren im Europaparlament sitzt und es nicht nur mit EU-, sondern auch fremdenfeindlichen Parolen zu Bekanntheit schaffte.

In der Kampagne für den britischen EU-Austritt habe er mit dem Slogan „Wir wollen unser Land zurück“ geworben. Und heute sage er, „Ich will mein Leben zurück“. Sein Privatleben habe unter der Funktion als Parteichef gelitten, so Farage, der sich zu der Frage, wer ihm nachfolgen solle, bei der Pressekonferenz nicht äußern wollte.

Fordert „Leave“-Regierungschef

Farage, der seit der Gründung von UKIP 1993 bei der Partei war, sagte, er werde diese weiter unterstützen und Brüssel während der Verhandlungen über einen britischen EU-Austritt „wie ein Falke“ beobachten. Einmal mehr forderte Farage, dass der künftige Regierungschef aus dem „Leave“-Lager kommt. Theresa May, die derzeitige Favoritin, kommt für ihn damit nicht infrage.

Nigel Farage

Reuters/Neil Hall

Farage, der seit 17 Jahren Europaabgeordneter ist, wollte laut eigenen Aussagen nie Berufspolitiker sein

Bereits zweiter Rücktritt

Farage war nach der britischen Unterhauswahl im Vorjahr bereits einmal zurückgetreten - UKIP konnte nur einen Sitz erobern, er selbst scheiterte in seinem eigenen Wahlkreis. Nach nur drei Tagen war er aber an die Spitze der Partei zurückgekehrt. Ein BBC-Reporter betonte jedoch, diesmal vermittle Farage den Eindruck, dass er es ernst meine.

Farage sagte, er erwarte weitere innenpolitische Umbrüche nach dem Referendum - etwa dass ein Teil von Labour sich mit den Liberaldemokraten zusammenschließen werde.

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