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Eagle fordert Corbyn heraus

Die britische Labour-Abgeordnete Angela Eagle will dem umstrittenen Parteivorsitzenden Jeremy Corbyn den Chefposten entringen. Die 55-jährige Ex-Gewerkschafterin reichte am Montag offiziell ihre Bewerbung um den Parteivorsitz ein. Corbyn reagierte betont gelassen und sagte, er sei „keinem Druck“ ausgesetzt.

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Eagle zählte zu Corbyns Schattenkabinett, bevor eine parteiinterne Revolte gegen ihn losbrach. Nach dem Votum für den EU-Austritt des Landes beim Referendum am 23. Juni geriet der Parteichef unter Druck. Ende Juni stimmten nur 40 Labour-Abgeordnete in einer Vertrauensabstimmung für ihn, 172 aber gegen ihn. Corbyn blieb dennoch im Amt und verwies darauf, dass er von den Parteimitgliedern mit großer Mehrheit gewählt worden sei.

Schwere Vorwürfe an Parteichef

Falls sich Eagle sich im Führungskampf in der Labour-Partei durchsetzt, wäre es das erste Mal, dass eine bekennende homosexuelle Persönlichkeit an die Spitze einer großen britischen Partei tritt. Eagle gehört zum linken Labour-Flügel und hielt zu den früheren Parteichefs Tony Blair und Gordon Brown Distanz.

Eagle warf Corbyn in der Debatte über den EU-Verbleib „Halbherzigkeit“ vor. In derart „turbulenten Zeiten“ werde als Parteichef jemand gebraucht, der „eher einen als spalten“ könne. Corbyn sagte bei der Durham Miners’ Gala, einem traditionellen Gewerkschaftsfest, es gebe „keinen Druck“ auf ihn. „Echter Druck ist, wenn man nicht genug Geld hat, um seine Kinder zu ernähren, wenn man kein Dach über dem Kopf hat“, sagte der Labour-Vorsitzende.

Eskalierender Streit

Am Dienstag rief Corbyn die Parteimitglieder zur Ruhe auf. Zuvor war das Büro seiner Herausforderin Angela Eagle angegriffen worden - Unbekannte warfen dort einen Ziegelstein durchs Fenster. Auch wenn es starke Differenzen gebe, müssten die Mitglieder einander „mit Respekt und Würde“ behandeln, erklärte Corbyn. Er selbst habe Morddrohungen erhalten, teilte der 67-jährige Parteilinke in einer Erklärung mit.

Zweiter Gegenkandidat

Im Rennen um die Führung der britischen Labour-Partei verkündete indes ein zweiter Kandidat seine Bewerbung. Der Abgeordnete Owen Smith kündigte am Mittwoch im britischen Rundfunk BBC an, auch er werde gegen Corbyn antreten. Smith hatte im Schattenkabinett Corbyns den Posten des Arbeits-und Pensionsministers inne, bevor er Ende Juni im Streit über die Haltung Corbyns zum EU-Referendum zurücktrat.

Warnung vor Spaltung der Partei

Corbyn hatte im vergangenen September bei einer Urwahl für den Parteivorsitz 59,5 Prozent der Stimmen bekommen. Der Chef der größten britischen Gewerkschaft Unite, Len McCluskey, warnte, es werde eine „dauerhafte Spaltung“ der Partei geben, wenn Corbyn zehn Monate nach seiner Wahl daran gehindert werden sollte, seinen Parteivorsitz zu verteidigen.

In den Führungsstreit bei Labour könnte sich auch der walisische Abgeordnete Owen Smith einschalten. Smith teilte mit, er wolle „so schnell wie möglich“ mit Corbyn zusammentreffen, um alle Mittel zur „Rettung der Partei“ auszuloten.

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