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Jede Menge Kandidatinnen

Die britische Innenministerin Theresa May löst am Mittwochnachmittag den seit 2010 regierenden Premierminister David Cameron. Ihr wird die historische Aufgabe zufallen, das Land aus der EU zu führen. Und die will sie Medienberichten zufolge mit Frauen an wichtigen Positionen in der Regierung bewältigen.

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Als zweite Premierministerin nach Margaret Thatcher will die neue Regierungschefin auch ihr Kabinett weiblicher machen. May habe sich schon dafür eingesetzt, dass mehr Frauen ins Parlament gewählt werden, und sie habe auch immer gefordert, dass Frauen auch prominente Rollen in der Regierung spielen, sagte ein Sprecher Mays.

Erste Finanzministerin?

Beste Chancen haben laut britischen Medien die bisherige Energie-Staatssekretärin Amber Rudd und die Staatssekretärin für Entwicklungshilfe, Justine Greening. Ebenfalls Chancen auf ein Ministeramt dürfen sich Bildungsministerin Nicky Morgan und die Abgeordneten Harriett Baldwin, Margot James und Karen Bradley ausrechnen.

Spekuliert wird, ob erstmals auch das Finanzministerium an eine Frau gehen könnte - hier lauert allerdings harte Konkurrenz. Der bisherige Außenminister Philip Hammond gilt als Favorit für den Chefposten im Finanzministerium. Auch der Fraktionschef der Konservativen im Parlament, Chris Grayling, „Brexit“-Befürworter im Parlament und enger Vertrauter Mays, könnte Schatzkanzler werden.

„Brexit“-Befürworter dabei?

May hatte erklärt, die Partei versöhnen zu wollen, insofern wird angenommen, dass sie schon allein aus strategischen und symbolischen Gründen auch einige Politiker aus der Riege der „Brexit“-Befürworter ins Team holen wird. Hoffnungen auf einen Kabinettsposten machen dürfe sich laut „Guardian“ auch Andrea Leadsom, die bis zu ihrem Rückzug am Montag Mays schärfste Rivalin im Kampf um Camerons Nachfolge war.

Ob Justizminister Michael Gove, der einen gehörigen Anteil am Intrigendrama im Vorfeld der Vorsitzwahl hat, noch einen Platz findet, ist unklar. Als spektakulären Schritt könnte May auch den ehemaligen Londoner Bürgermeister Boris Johnson ins Boot holen. Die Galionsfigur der „Brexit“-Befürworter hatte ja bei der Cameron-Nachfolge überraschend abgewinkt.

Absage an Neuwahlforderung

Zugleich wurden aus dem Umkreis Mays Forderungen der Opposition nach raschen Neuwahlen zurückgewiesen. Das stehe nicht zur Debatte, hieß es. May hatte erst kürzlich gesagt, sie plane keine Wahlen vor dem turnusmäßigen Datum 2020. Labour und Liberaldemokraten werfen May vor, gegen die eigenen Prinzipien zu handeln. Als Gordon Brown im Jahr 2007 seinen Labour-Parteikollegen Tony Blair als Premier abgelöst hatte, hatte die damalige Oppositionspolitikerin lautstark Neuwahlen gefordert.

Ein Umzugswagen vor der Downing Street 10

AP/Philip Toscano

Umzugswagen in der Downing Street

Gelöst wirkender Cameron

Die Weichen für die Amtsübergabe sind jedenfalls gestellt: Am Dienstagvormittag streute May ihrem Vorgänger bei dessen letzter Kabinettssitzung nach sechs Jahren Rosen. Teilnehmer beschrieben ihre Dankesrede als „emotional“. In seiner letzten Parlamentsrede am Mittwoch empfahl er seiner Nachfolgerin eine enge Anbindung an die EU nach dem „Brexit“. Großbritannien solle in den EU-Austrittsverhandlungen versuchen, „so nah wie möglich“ bei der EU zu bleiben. Eine enge Beziehung zur EU sei gut für den Handel, für die künftige Zusammenarbeit mit den EU-Staaten und für die Sicherheit Großbritanniens.

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Abschied aus der Downing Street

Großbritanniens Premierminister David Cameron verlässt an seinem letzten Tag als Premierminister Downing Street 10, um zur letzten Sitzung des Unterhauses zu fahren.

Cameron wirkte schon am Montag befreit. Nachdem er seinen Rücktritt verkündet hatte, summte er aufgekratzt - und wusste wohl nicht, dass das Mikrofon am Anzugsrevers noch an war. Der kleine Videomitschnitt vom Montagabend erheiterte die Briten. Nur Sekunden dauerte das Summen. „Doo doo, doo doo“, ist zu hören, dann fallen noch zwei Worte: „right“ (richtig) und „good“ (gut).

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