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Noch keine Regelung in Österreich

Eine Drohne, bepackt mit Sprengstoff, auf dem Weg in ein vollbesetztes Stadion - das ist wohl ein Alptraum für Sicherheitsbehörden. Selbst für den Privatgebrauch konzipierte Drohnen sind mittlerweile leistungsfähig genug, um für Angriffe genutzt zu werden.

Das Gefahrenpotenzial durch bösartig genutzte Drohnen ist laut Sicherheitsfirmen beachtlich: Der Bogen reicht von Industriespionage über den Schmuggel von Waffen, Drogen oder anderen verbotenen Gegenständen in Gefängnisse bis hin zu Terrorangriffen etwa mit Giftgas oder mit einer Bombe. Dabei könnten kommerziell erhältliche Drohnen, entsprechend modifiziert, auch in größeren Gruppen zusammengefasst werden und etwa als kleine Armee autonom agieren, sagt Friederike Nielsen von Dedrone, einem Anbieter von Drohnenabwehrsystemen.

Ein Terrorangriff mittels Drohnen sei bisher noch nicht offiziell bekannt, so Nielsen gegenüber ORF.at. Dass Gegenstände in Gefängnisse geschmuggelt werden, sei aber mittlerweile fast alltäglich. Ebenso würden Drohnen immer öfter als fliegende Paparazzi in höher gelegenen Stockwerken von Hotels eingesetzt werden, ebenso zum Auskundschaften von Grundstücken oder für Betriebsspionage, zum Beispiel bei Autoherstellern, die gerade ihre Prototypen präsentieren.

Drohnen als WLAN-Knotenpunkt

Dabei beschränkt sich das Ausspionieren nicht auf Bilder oder Videos. Drohnen könnten auch direkt Daten und E-Mails abziehen, skizziert Nielsen weitere Möglichkeiten. So könnte eine entsprechend modifizierte Drohne sich in ein Firmennetzwerk einklinken, etwa als WLAN-Zugangspunkt, über den dann die diversen Daten von Mitarbeitern geleitet werden und vom Angreifer entsprechend abgegriffen werden können.

Drohne

APA/AFP/MARYLAND DEPARTMENT OF SAFETY AND CORRECTINAL SERVICES

Diese Drohne wurde bei einem Gefängnis im US-Bundesstaat Maryland abgefangen

Zwar sind einige dieser Szenarien etwa auch mit Autos möglich, und auch hier können die Hersteller nur wenig gegen eine böswillige Nutzung unternehmen. Allerdings seien halbwegs leistungsfähige Drohnen, die ein paar Kilo transportieren können, bereits relativ günstig zu haben, so Nielsen. Die Reichweite bzw. Einsatzmöglichkeit etwa in den obersten Stockwerken eines Hochhauses oder direkt über einem Stadion erhöhen das Gefahrenpotenzial noch zusätzlich.

Fangnetze bis hin zu Jammern und Abschuss

Die Gegenmaßnahmen sind zahlreich. Dedrone etwa bietet Erkennungssysteme an, die mit Hilfe verschiedener Sensoren Drohnen möglichst frühzeitig erkennen sollen. Der Anbieter hat auch Kunden in Österreich, Namen will das Unternehmen aber keine nennen. Die Kunden würden lieber anonym bleiben, so Nielsen.

Tatsächlich abgewehrt werden können Drohnen dann unter anderem mit Fangnetzen, die entweder von Bodenstationen oder von Abfangdrohnen abgeschossen werden. Will man den Ursprung der Drohne kennen, ist es allerdings kontraproduktiv, die Drohne vom Himmel zu holen, stattdessen muss sie verfolgt werden. In einem Hotel etwa reicht es mitunter auch, die Jalousien herunterzulassen, damit eine Paparazzi-Drohne wirkungslos wird. Zudem können Gebiete mittels Geofencing per Software für Drohnen nicht überfliegbar gemacht werden.

Mit einem Jammer, der Funksignale stört, können schließlich die Systeme der Drohne derart gestört werden, dass sie nicht mehr weiterfliegen kann. Dabei steigt allerdings das Risiko, dass eine Drohne etwa mangels integrierter Sicherheitssysteme abstürzt. Im Extremfall kann eine Drohne auch abgeschossen werden, was etwa im Fall einer mitgeführten Bombe je nach Lage allerdings kontraproduktiv sein kann. Selbst ohne Bombe können zudem Teile von abgeschossenen Drohnen Menschen auf dem Boden erst recht gefährden.

Innenministerium lässt zu Drohnen forschen

Eine offizielle Regelung, wie mit derartigen Gefahrenlagen umgegangen wird, gibt es in Österreich derzeit nicht. Im Innenministerium beschäftigt sich laut Sprecher Karl-Heinz Grundböck im Moment ein Forschungsprojekt mit der Materie. Das Justizministerium wollte unter Verweis auf die Sicherheit gegenüber ORF.at nicht sagen, ob und wenn ja welche Systeme zur Abwehr von Drohnen im Justizbereich eingesetzt werden.

Vonseiten des Verteidigungsministeriums hieß es gegenüber ORF.at, dass das Bundesheer über ein Fliegerabwehrsystem verfügt, mit dem das Abfangen von militärischen Drohnen geübt werde. Diese Fähigkeiten der Fliegerabwehr sollen laut Heer auch auf zivile Drohnen ausgeweitet werden. Dazu seien einige Projekte in Planung. Im Falle einer terroristischen Bedrohung könne das Bundesheer auf Basis entsprechender Anforderungen durch das Innenministerium tätig werden. Wie genau das aussehen kann und wie weit man dabei gehen würde, etwa bis zum Abschuss, wollte kein Ministerium gegenüber ORF.at darlegen.

In der Ukraine seien im Bürgerkrieg bereits Drohnen mit Sprengstoff eingesetzt worden, erzählt Nielsen, um 500 Euro gebe es schon halbwegs leistungsfähige Geräte. Mit Drohnen um rund 1.000 Euro könne man bereits eine kleine Armee starten. Derzeit sei der europäische Luftraum „noch ein wenig wie der Wilde Westen“. Derzeit habe jedes Land seine eigene Regelung für Drohnen, so die Austro Control gegenüber ORF.at.

Ausarbeitung von EU-weiten Regularien

Die Europäische Agentur für Flugsicherheit (EASA) arbeitet an Regularien für Drohnen, etwa ein verpflichtendes System, damit diese festgelegte Flugverbotszonen nicht überfliegen können. Doch diese Systeme könnten von Angreifern auch überlistet werden, abhängig von der Komplexität der Drohnen. Es sei alleine eine Frage des technischen Aufwands, so der Geschäftsführer des österreichischen Drohnenherstellers Schiebel, Hannes Hecher, gegenüber ORF.at.

Für seinen unbemannten Helikopter hat Schiebel laut Hecher zahlreiche Sicherheitsschranken eingezogen. So können die Geräte nur mit einer ganz dezidierten Bodenstation betrieben werden, die Kommunikation ist verschlüsselt, wobei die Codes ständig gewechselt werden. Auch Funkstörungen sollen die Geräte nicht beirren können, deren Systeme zudem redundant ausgelegt sind.

Die Schiebel-Geräte, die in der Ukraine zur Überwachung des Waffenstillstands eingesetzt sind, würden fast täglich mit Jammern angegriffen, so Hecher. Der Hersteller habe der Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE) vor deren Einsatz beweisen müssen, dass derartige Angriffe die Geräte nicht stören können, sagt Hecher. Schiebel hat Hard- und Software für seine Geräte komplett selbst entwickelt. Im Gegensatz zu den vielen mittlerweile erhältlichen Drohnen mit Bauteilen von der Stange hält Schiebel seine Geräte für nicht hackbar.

Nadja Igler, ORF.at

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