„Deckname Holec“: Zilk in den Fängen der Geheimdienste

Dicke Autos, Sexszenen, zwielichtige Gestalten, viel Alkohol und Zigarettenrauch: Regisseur Franz Novotny („Exit - Nur keine Panik“) hat die Affäre um den ehemaligen ORF-Fernsehdirektor und Wiener Bürgermeister Helmut Zilk zu einem Agentenfilm im Stile der 1960er Jahre verarbeitet.

Die Grundlage für „Deckname Holec“ bilden die Enthüllungen des „profil“-Journalisten Herbert Lackner. 2009 förderte er Akten ans Licht, die belegen, dass Zilk ab Mitte der 1960er als Informant für den tschechoslowakischen Geheimdienst tätig war - geführt unter dem Tarnnamen „Holec“.

„Küss die Hand. Zilk, Helmut Zilk“

Novotny lässt seinen Film mit einer Affäre beginnen. 1964 lernt Zilk (Johannes Zeiler) im Rahmen der vom ORF und dem Tschechischen Rundfunk veranstalteten „Stadtgespräche“ in Prag die aufstrebende Schauspielerin und Sängerin Eva (Vica Kerekes) kennen.

Filmszene aus "Deckname Holec"

Thimfilm

Er stellt sich mit den Worten „Küss die Hand. Zilk, Helmut Zilk“ vor, was beim Zuseher für einen James-Bond-Moment sorgen soll. Eva ist eigentlich mit Honza Nemec zusammen, einem rebellischen Avantgarde-Regisseur, der im Dauerkonflikt mit dem Regime steht.

Zwischen Integrität und Erpressung

Am Rande der „Stadtgespräche“ lernt Zilk auch den Geheimdienstmann Nahodil (David Novotny) kennen. So entspinnt sich nach einer Liebes- auch eine Spionageaffäre um Zilk. Getrieben von einer Mischung aus Eitelkeit und Neugierde gerät er immer tiefer in die Fänge des Geheimdienstes.

Prall gefüllte Geldkuverts und exquisite Geschenke wie ein Kristallluster machen ihn erpressbar, die Affäre mit Eva bedroht seine Ehe. Als im Jahr 1968 sowjetische Truppen in die Tschechoslowakei einmarschieren und den Reformer Alexander Dubcek stürzen, fordert der Geheimdienst schließlich einen ultimativen Gefallen von Zilk.

Schmäh führen in der Sauna

Novotny bemüht sich, die Atmosphäre der 1960er authentisch wiederzugeben. Er zeigt eine von Männern dominierte Welt, lässt Zilk und seine einflussreichen Freunde (vom Polizeipräsidenten abwärts) in der Herrensauna, im Boxclub und bei der Tarockrunde Schmäh führen und nebenbei Staatsgeheimnisse austauschen.

Dass sich sein Film nur lose an den historischen Fakten orientiert, brachte Novotny auch Kritik ein. „Bei einem Spielfilm steht die künstlerische Deutung im Vordergrund und nicht die sklavische Nacherzählung“, begründet er seinen Schritt. Die sei einem Dokumentarfilm überlassen, sagte der Regisseur gegenüber Ö1 - mehr dazu in oe1.ORF.at. (cppp, ORF.at)