Hunderte bei Gedenkfeier für ermordeten Priester bei Rouen

Knapp 2.000 Menschen haben an der Gedenkfeier für den ermordeten Priester Jacques Hamel in der Kathedrale von Rouen teilgenommen. Rund hundert Muslime folgten heute dem Appell des Französischen Rats der Muslime (CFCM), aus „Solidarität und Mitgefühl“ an dem Trauergottesdienst für den 85-jährigen katholischen Priester teilzunehmen, der am Dienstag während der Morgenmesse von zwei 19-jährigen Islamisten ermordet worden war.

Am Eingang der Kathedrale überwachten einige Soldaten und Polizisten die Ankunft der Gottesdienstteilnehmer, doch gab es keine Durchsuchungen. Bereits am Samstag hatte es Gedenkfeiern für Hamel gegeben. In einer Kirche von Saint-Etienne-de-Rouvray, wo der Mord geschehen war, nahmen Christen und Muslime an einer Trauerfeier teil. Auch in Bordeaux versammelten sich 400 Menschen in einer Kirche.

Freund von Attentäter in Genf verhaftet

Ein Minderjähriger, der mit einem der Angreifer auf eine Kirche in Nordfrankreich befreundet sein soll, ist in der Schweiz festgenommen worden. Der 17-Jährige wurde in Genf verhaftet und an Frankreich ausgeliefert, wie die Genfer Staatsanwaltschaft heute mitteilte.

Der junge Mann sei am 20. Juli im Genfer Hauptbahnhof zusammen mit einer weiteren Person festgenommen worden, sagte der Sprecher der Staatsanwaltschaft, Henri Della Casa. Er bestätigte damit einen Bericht der Westschweizer Zeitung „Tribune de Geneve“.

Wollte nach Syrien reisen

Frankreich hatte für den Jugendlichen einen internationalen Haftbefehl ausgestellt. Der Genfer Staatsanwalt verhörte den Jugendlichen, bevor dieser zusammen mit der anderen festgenommenen Person an Frankreich ausgeliefert wurde.

Der junge Mann habe erneut nach Syrien reisen wollen, berichtete die Nachrichtenagentur AFP unter Berufung auf Personen, die mit der Untersuchung in Frankreich befasst sind. Er hatte laut Informationen bereits 2015 versucht, von Genf nach Syrien zu reisen, damals gemeinsam mit Adel Kermiche, einem der Kirchenattentäter aus Nordfrankreich. Damals war der heute 17-Jährige in der Türkei festgenommen und zu seiner Familie zurückgebracht worden.

Cousin soll von Tat gewusst haben

Zudem soll ein Cousin eines der islamistischen Angreifer auf eine französische Kirche von einer bevorstehenden Gewalttat seines Verwandten gewusst haben. Die Pariser Staatsanwaltschaft beantragte am Sonntag Untersuchungshaft für den 30-Jährigen, wie die Behörde mitteilte. Sie wirft ihm Beteiligung an einer terroristischen Vereinigung vor.

Der Mann habe nach dem derzeitigen Ermittlungsstand Kenntnis vom Vorhaben seines Cousins Abdel-Malik Petitjean zu einer unmittelbar bevorstehenden Gewalttat gehabt. Der in Nancy geborene 30-Jährige sollte im Laufe des Tages einem Ermittlungsrichter vorgeführt werden, um über die Eröffnung eines Anklageverfahrens zu entscheiden.