Themenüberblick

Auf Gesuch der libyschen Regierung

Das US-Militär hat die libysche Einheitsregierung erstmals mit offiziell koordinierten Militärschlägen gegen Stellungen der Terrormiliz Islamischer Staat (IS) unterstützt. Das teilte Pentagon-Sprecher Peter Cook am Montag mit. Die Luftangriffe auf Ziele in Sirte seien auf Bitten der libyschen Einheitsregierung erfolgt. US-Präsident Barack Obama habe diese genehmigt.

Cook zufolge halten sich in Sirte noch bis zu 1.000 Kämpfer der Terrormiliz auf. Ob die Präzisionsschläge am Montag mit Drohnen oder mit Kampfjets ausgeführt wurden, wollte er nicht sagen. Ziel waren unter anderem ein Panzer sowie Fahrzeuge des IS. Cook machte deutlich, dass es keine einzelne Aktion war. „Wir sind darauf vorbereitet, in Abstimmung mit der Einheitsregierung weitere Angriffe auszuführen“, sagte er.

Bodentruppen würden aber nicht entsandt, sagte der Ministerpräsident der von den Vereinten Nationen vermittelten Einheitsregierung, Fajis al-Sarradsch, am Montag in einer im TV verlesenen Erklärung. Bei den Angriffen gab es seinen Worten zufolge „größere Verluste“, Einzelheiten nannte er aber nicht.

Ziel ist die Rückeroberung

Sirte gilt als wichtigste Basis der IS-Miliz in Libyen. Die Kräfte der Einheitsregierung hatten im Mai eine Offensive zur Rückeroberung von Sirte gestartet, nachdem das IS-Einflussgebiet in Zentrallibyen auf mehr als 300 Kilometer Länge angewachsen war. Innerhalb weniger Wochen rückten Truppen von allen Seiten auf das Zentrum Sirtes vor, in dem die restlichen Extremisten nun eingekesselt sind. Bei den Kämpfen gab es auf beiden Seiten große Verluste.

Kämpfer der libyschen Regierungstruppen

Reuters/Goran Tomasevic

Ein Kämpfer der regierungstreuen Armee bei Kämpfen in Sirte

USA sollen seit Längerem auf Angriff gedrängt haben

Eine Eroberung der Stadt wäre ein wichtiger Erfolg für die im März gebildete Regierung der Nationalen Einheit, die weiter darum ringt, ihre Autorität im Land zu etablieren. Diplomaten zufolge hatten die USA schon seit Monaten darauf gedrängt, den IS aus der Luft angreifen zu können. Doch eine formelle Bitte von der Einheitsregierung hatte bisher gefehlt. Die Regierung in Tripolis zögerte wohl auch deshalb, weil sie durch eine US-Intervention interne Kritik auf sich ziehen und vom Westen abhängig wirken könnte.

Dabei hatten die USA schon vorher vereinzelt Luftangriffe auf den IS in anderen Landesteilen geflogen. So kamen bei einem Luftangriff auf ein mutmaßliches Terrorcamp der Dschihadisten im Februar Dutzende Menschen ums Leben. In Sirte unterstützen libyschen Militärangaben zufolge US-amerikanische und britische Spezialkräfte die Kämpfer am Boden mit Koordinaten von IS-Stellungen.

Karte von Libyen

APA/ORF.at

Von Chaos profitiert

Für die Dschihadisten wäre der Verlust von Sirte ein harter Rückschlag. Sie hatten sich 2014 in der Heimatstadt des langjährigen Machthabers Muammar al-Gaddafi festgesetzt und die Stadt vor einem Jahr vollständig unter ihre Kontrolle gebracht. Der IS hatte dabei vom allgemeinen Chaos profitiert, das seit dem Sturz Gaddafis im Herbst 2011 in Libyen herrscht.

So bot etwa die politische Lage (vor der Bildung der Einheitsregierung gab es zwei rivalisierende Regierungen und Parlamente) den Dschihadisten ein ideales Umfeld für eine unkontrollierte Ausbreitung. Der IS nutzte die Lage, um in Libyen an Einfluss zu gewinnen.

Nach einer längeren Phase der Ausbreitung der Terrormiliz vermeldeten Truppen der Regierung zuletzt aber immer wieder Erfolge im Kampf gegen IS: Vor wenigen Tagen wurde etwa die Eroberung einer Bombenwerkstatt vermeldet. Das Gebäude im Südosten der Stadt sei zur Herstellung von Sprengstoff genutzt worden. Auf der Facebook-Seite der Milizen veröffentlichte Fotos zeigten Sprengsätze, Kabel und Mobiltelefone.

Protest gegen französischen Militäreinsatz

Erst zuletzt gab es Protest der Einheitsregierung an Frankreich infolge eines tödlich verlaufenen Einsatzes französischer Soldaten. Mit der nicht abgesprochenen Militärmission habe Frankreich die libysche Souveränität verletzt, kritisierte die Regierung in Tripolis Mitte der Vorwoche. Zwar seien Unterstützungseinsätze befreundeter Nationen gegen IS in Libyen willkommen, hieß es in einer Erklärung. „Die Unterstützung sollte aber auf Bitten oder in Abstimmung mit der Regierung erfolgen.“

Link: