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Hochblüte unter den Habsburgern

Um 153 n. Chr. ist der Ort erstmals in römischen Aufzeichnungen aufgetaucht. Bald darauf wurde er von den kurversessenen Römern als Ort für Heilbäder verwendet. Sie gaben der Stadt auch ihren heutigen Namen: Herkulesbad. Zu Glanz verhalfen dem Ort aber die Habsburger.

Das Heilwasser, das hier aus 14 Quellen in Badewannentemperatur an die Oberfläche kommt, riecht streng nach Schwefel. Es fließt direkt in den Fluss Cerna, das ganze Tal wird von Schwefelgeruch umweht. Schon beim Abbiegen von der Straße in Richtung Bukarest sticht er in die Nase.

Eindrücke aus Herkulesbad

ORF.at/David Tiefenthaler

Die Eingangshalle der Kaiserbäder mit einem kunstvoll gestalteten Brunnen. Seit Jahren schon plätschert hier kein Wasser mehr.

Erste Kurgäste im 18. Jahrhundert

Nach dem Untergang des römischen Reiches blieben die Quellen jahrhundertelang sich selbst überlassen. Auch die Türken ließen die heilenden Bäder links liegen. Erst nach der Übernahme der Region durch die Habsburger 1718 kamen wieder erste Kurgäste in den Ort. Bald begann man, im großen Stile zu renovieren und neu zu bauen, bereits 1772 besuchte Kaiser Joseph II. Herkulesbad.

Als zu Beginn des 19. Jahrhunderts prunkvolle Pavillons im spätbarocken Stil errichtet wurden, wagte sich auch Franz Joseph I. in das heilende Wasser. In höchsten Tönen soll er den Ort gelobt haben. Eine Gedenktafel befindet sich noch heute über der Badekabine in den Österreichischen Kaiserbädern (baile imperiale austriece), in welcher der Regent die schwefligen Quellen genossen haben soll.

Begeisterte Sisi

Auch Kaiserin Elisabeth (Sisi) fuhr mehrmals auf Kur nach Herkulesbad. In ihrem Tagebuch erwähnte sie die Umgebung in Gedichtform: „Ich steh’ auf hohem Domogled/Auf steiler Felsenschanze/Von frischer Maienluft umweht/Umstrahlt vom Sonnenglanze.“ Heinrich Heine lesend soll sie durch die Stadt spaziert sein und über Religion philosophiert haben.

Vom einstigen imperialen Glanz und der höfischen Dekadenz sind heute nur noch Ruinen übrig. Die prunkvollen Gebäude, die in der Habsburgerzeit vor allem unter der Leitung von Carl Wilhelm Christian von Doderer und Ignac Alpar entstanden, verfallen seit Jahrzehnten.

Links liegen gelassen

Wenige hundert Meter entfernt, hat sich im 20. Jahrhundert ein neues Stadtzentrum herausgebildet, mit Hotelanlagen, Minimarkets, Fast-Food-Läden und Souvenirständen. Das vor sich hin rottende alte Zentrum wird heute vor allem von ausländischen Touristen frequentiert, die sich mit Hilfe von kleinen Gedenktafeln über die historische Bausubstanz informieren.

Eindrücke aus Herkulesbad

ORF.at/David Tiefenthaler

Eingang zum historischen Zentrum

Die Fenster der Gebäude aus dem 19. Jahrhundert sind vergittert, hier und da schmückt ein Baugerüst die zerfallenden Fassaden. Ab dem Ende der kommunistischen Ära wurden einige Versuche unternommen, die historischen Bäder zu renovieren.

Renovierungsversuch versandet

Nachdem ein Investor die meisten Gebäude zum Schleuderpreis erwarb und die Bauten ausschlachtete, wagen heute die Gemeinde sowie ein rumänischer Millionär zaghafte Schritte in Richtung Erneuerung der Bausubstanz. Erfolgreich revitalisiert wurde bisher jedoch nur das ehemalige Casino.

Zwischen den verfallenden Prachtbauten sieht man rumänische Frauen und Männer in bunten Badelatschen und mit Handtuch über der Schulter, die ihren Weg zu den schmucklosen Becken finden, in denen das heilende Wasser heute sprudelt. Das Desinteresse an den spätbarocken Ruinen ließe sich auch als Pragmatismus auslegen: Warum die alten Bäder teuer renovieren, wenn das wohltuende Bad gratis in einer Betonwanne genommen werden kann?

Nina Temann, David Tiefenthaler, ORF.at

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