Istanbuls Ex-Gouverneur nach Putschversuch in U-Haft

In Zusammenhang mit dem Putschversuch in der Türkei ist der während der Gezi-Proteste amtierende Gouverneur von Istanbul, Hüseyin Avni Mutlu, in U-Haft genommen worden. Ein Gericht in Istanbul habe in der Nacht auf heute gegen den Ex-Gouverneur sowie sieben Provinzgouverneure, einen Vizegouverneur und drei Distriktsgouverneure Haftbefehle erlassen, meldete die staatliche Nachrichtenagentur Anadolu.

Den Verdächtigen werde vorgeworfen, der Bewegung des Predigers Fethullah Gülen anzugehören. Mutlu wies die Vorwürfe entschieden zurück. „Ich weigere mich, an der Seite von Putschisten vor Gericht gestellt zu werden“, sagte er. Mutlu war bis 2014 Gouverneur von Istanbul und wurde dann ins Innenministerium in Ankara versetzt.

60.000 Staatsbedienstete suspendiert

Er gehörte zu den rund 60.000 Staatsbediensteten, die seit dem Putschversuch suspendiert wurden. Die Regierung macht den in den USA lebenden Prediger Gülen für den Putschversuch verantwortlich und fordert dessen Auslieferung.

Gouverneure werden in der Türkei von der Regierung in Ankara ernannt. Mutlu wurde während der brutalen Niederschlagung der Gezi-Proteste weit über die Grenzen Istanbuls hinaus bekannt.

Die Demonstrationen entzündeten sich Ende Mai 2013 an der geplanten Bebauung des Gezi-Parks, weiteten sich dann aber zu landesweiten Protesten gegen die islamisch-konservative Regierung aus. Drei Jahre nach den Protesten kündigte Präsident Recep Tayyip Erdogan im Juni an, das Bauvorhaben im Gezi-Park nun doch noch verwirklichen zu wollen.