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Alexander Wrabetz im Porträt

Alexander Wrabetz wollte es wieder wissen - und hat es für eine dritte Amtszeit hintereineinander geschafft. Einen soliden ORF fit machen für die Zukunft - das war seine Ansage vor Publikum und Stiftungsrat. 2017 wird er erneut Generaldirektor des ORF.

Als Amtsinhaber kann Wrabetz auf eine solide Bilanz verweisen und tat das auch in seiner Bewerbung. Seit 2007 fährt der ORF ein Spar- und Restrukturierungsprogramm, mit dem kräftig Personal eingespart wurde. 2015 schloss man deutlich über Plan ab. Die wirtschaftlichen Erfolge konnte sich freilich genauso gut der unterlegene Bewerber Richard Grasl auf die Fahnen schreiben, seit 2010 Finanzdirektor.

ORF-Chef Alexander Wrabetz

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Alexander Wrabetz mit den Masterminds seiner Bewerbung

Jüngste Errungenschaft des Wrabetz-ORF im Programmbereich ist die Frühstücksschiene „Guten Morgen Österreich“. Der ORF meisterte eine österreichische Song-Contest-Austragung samt Kosten, baute die TVthek aus und lancierte ORF III und ORF Sport +. Publikumsrenner wie „Dancing Stars“ funktionierten weiterhin, mit „Vorstadtweiber“, Skurrilem wie „Braunschlag“ und auch den „Landkrimis“ setzte man österreichische Produktionsakzente. Diese möchte er in den kommenden Jahren ausbauen - und auch die Regionalaspekte stärken.

Standortentscheidung für Küniglberg

In Wrabetz’ Amtszeit fiel überdies nach langem Hin und Her die Entscheidung, das ORF-Zentrum auf dem Küniglberg in Wien-Hietzing zu renovieren (anstatt neu zu bauen) und (fast) alle Standorte dort zusammenzuziehen. Auch den - nicht zuletzt daraus resultierenden - Verkauf des Funkhauses zog Wrabetz durch.

ORF-Chef Alexander Wrabetz

APA/Georg Hochmuth

Demonstrative Zuversicht vor dem Hearing

Wie bei jedem ORF-General steht stets eine Frage im Raum: Wie hält es Wrabetz mit der Politik? Dass er SPÖ-nahe ist, hielt zwar schon 2011 auch die ÖVP-nahen Stiftungsräte nicht davon ab, ihn zu wählen. Dass sich der promovierte Jurist und Opernliebhaber aus freiheitlichem Elternhaus über die Jahre der ungebrochenen Unterstützung der SPÖ gewiss sein konnte, traf indes nicht immer zu.

Alexander Wrabetz im Jahr 1999 als Kaufmännischer Direktor des ORF

APA/Harald Schneider

Alexander Wrabetz 1999, damals Kaufmännischer Direktor des ORF

Es gab eine Zeit, da zeigten Kanzler Werner Faymann und sein Staatssekretär Josef Ostermayer recht unverhohlen Lust, ihn abzusägen. Wrabetz „überlebte“ schließlich beide - was ihm jedenfalls einen Platz in den inoffiziellen Annalen des ORF sichert. In die offiziellen Geschichtsbücher des Küniglbergs geht er ebenfalls ein, denn er ist der erste Generaldirektor, der eine dritte Amtszeit ohne Unterbrechung vor sich hat.

Studierter Jurist mit Managementqualitäten

Geboren wurde Wrabetz am 21. März 1960 in Wien, wo er Jus studierte und mit der Promotion abschloss. In seiner Studienzeit war es Bundesvorsitzender des Verbands Sozialistischer Studierende (VSStÖ); seine SPÖ-Mitgliedschaft stellte er mit dem Antritt als Generaldirektor 2007 ruhend.

Seine berufliche Karriere startete Wrabetz im Bankenbereich. Von 1987 bis 1992 war er für die Österreichische Industrieholding AG tätig, ab 1992 Geschäftsführer der Intertrading, dannach im Vorstand der VAMED. 1998 kam Wrabetz als Kaufmännischer Direktor in den ORF und wurde 2009 erstmals ORF-Generaldirektor. Wrabetz ist geschieden und hat drei Kinder. Sein Bruder Bernd arbeitet als außenpolitischer Berater im Kabinett von Bundeskanzler und SPÖ-Chef Christian Kern.