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Von Gratulation bis „vertaner Chance“

Die Wiederwahl von Alexander Wrabetz zum ORF-Generaldirektor hat bei den Nationalratsparteien die zu erwartenden Reaktionen ausgelöst - sie reichen von Freude und Erleichterung über Forderungen bis hin zu klarer Ablehnung.

SPÖ-Mediensprecher Josef Cap begrüßte das 18:15-Votum des Stiftungsrats für Wrabetz: Die Wahl sei „positiv für die Zukunft des ORF“ und damit ein Erfolg für die Zuseher und Hörer. Cap verwies auf die gute Entwicklung sowohl bei den Finanzen wie den Programminhalten. Der „unabhängige öffentlich-rechtliche Charakter des ORF“ werde durch das Votum gestärkt.

ÖVP-Aufforderung an Wrabetz

Deutlich kühler fiel die Reaktion von ÖVP-Generalsekretär und -Mediensprecher Peter McDonald aus. Der von den ÖVP-nahen Stiftungsräten unterstützte ORF-Finanzdirektor Richard Grasl habe für sein Konzept großen Zuspruch erhalten. Und für ihn habe auch die Mehrheit der Kapitalvertreter gestimmt.

Die „hauchdünne Mehrheit“ für Wrabetz sei aber als „demokratisch herbeigeführte Entscheidung des Stiftungsrates“ zu akzeptieren. McDonald forderte Wrabetz zugleich auf, Grasls Reformvorschläge aufzugreifen.

FPÖ sieht „Postenpackelei“

Scharfe Ablehnung kam hingegen von FPÖ-Generalsekretär und -Mediensprecher Herbert Kickl. Er sprach von einer „rot-grün-rosa Postenpackelei“ und einer „vertanen Chance“. Wrabetz habe seine Mehrheit mit einem „Bauchladen an parteipolitisch motivierten Versprechen“ erreicht.

Kickl warnte, damit werde sich der „finanzielle und inhaltliche Abstieg des ORF weiter fortsetzen“ und der Vertrauensverlust beim Publikum. In den Augen Kickls ist dafür vor allem Kanzler Christian Kern (SPÖ) verantwortlich.

NEOS kritisiert Wahlverfahren

NEOS-Chef Matthias Strolz übte einmal mehr grundsätzliche Kritik am Bestellungsverfahren. Dieses sei „ein letzter Rest großkoalitionärer Allmachtsphantasien“. Strolz forderte daher „dringend“ eine „Entpolitisierung“ des ORF. Es sei „bezeichnend“, dass sich kein „wirklich unabhängiger Medienmanager“ für den Posten beworben habe.

Grüne wünschen Wrabetz „Kraft“

Der grüne Mediensprecher Dieter Brosz gratulierte Wrabetz und wünschte diesem gleich die „notwendige Kraft“ für die Bewältigung der bevorstehenden Aufgaben. Denn unter schwierigen wirtschaftlichen Bedingungen müsse der ORF „Antworten auf den Medienwandel und das geänderte Mediennutzungsverhalten gerade bei einer jüngeren Altersgruppe“ finden.

Lugar: Versprochene Reformen angehen

Auch Team-Stronach-Klubchef Robert Lugar beglückwünschte Wrabetz. Seine Wiederwahl sei eine „Entscheidung für Kontinuität“. Wrabetz müsse nun die von ihm versprochenen Reformen angehen.

Drozda verwundert über Steger

Medienminister Thomas Drozda (SPÖ) sprach sich nach dem monatelangen Wahlkampf um den ORF und nach geschlagener ORF-Wahl am Dienstag dafür aus, dass sich der öffentlich-rechtliche Sender nun wieder rasch um Markt und Wettbewerb kümmere.

Verwundert zeigte sich der Medienminister, dass FPÖ-Stiftungsrat Norbert Steger am Dienstag anklingen ließ, dass die aktuelle Wahl ohnehin nur für ein Jahr sei, weil es bald Neuwahlen und danach Blau-Schwarz und einen entsprechenden Machtwechsel im ORF geben werde. „Ich muss sagen, das hat mich doch einigermaßen überrascht und befremdet, dass Schwarz-Blau ante portas wäre. Das beschäftigt mich vor dem Hintergrund unseres aktuellen Koalitionspartners. Aber ich weiß nicht, wie der das sieht.“

ORF-Gesetz Thema für nächste Periode

Für das ORF-Gesetz sei jedenfalls er als Minister zuständig. „Ich werde die Schritte setzen, die zu setzen sind.“ Er werde „unbeeindruckt von den Ereignissen des heutigen Tages“ die Vorarbeiten für neues ORF-Gesetz in einem neuen Regierungsübereinkommen leisten, erklärte Drozda. „Das ORF-Gesetz ist Thema für die nächste Legislaturperiode. Das ist eine komplexe Materie, die seriös vorbereitet gehört. Wenn manche der Meinung sind, dass Schwarz-Blau ante portas ist, sollen die auch am Gesetz schreiben. Dann schauen wir, wer die Wahl gewinnt. Ich bin da sehr gelassen.“

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