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„Extreme Konservative“

Einen Monat vor der Parlamentswahl in Russland hat Staatschef Wladimir Putin den umstrittenen Bildungsminister Dimitri Liwanow durch eine Konservative ersetzt. Der seit 2012 amtierende Liwanow werde von der Historikerin Olga Wassiliewa abgelöst, entschied Putin vergangene Woche bei einem Treffen mit Regierungschef Dimitri Medwedew.

Das Bildungsministerium brauche „neue Ansätze“, sagte Medwedew. Liwanows Absetzung erfolgte zehn Tage vor dem Ende der russischen Schulferien. Wassiliewa, Spezialistin für die Orthodoxe Kirche, arbeitet derzeit im Kreml und gilt als glühende Patriotin.

Am 18. September wird in Russland ein neues Parlament gewählt. Liwanow war nach Angaben des kremlnahen Umfrageinstituts Wziom der unbeliebteste Minister im russischen Kabinett. Bei seiner Hochschulreform hatte er sich mit vielen Dozenten und mit der einflussreichen Akademie der Wissenschaften angelegt. Er soll sich künftig - pikanterweise - um Russlands Handelsbeziehungen zur Ukraine kümmern.

Lob für Stalin

Die russische Zeitung „Wedomosti“ zitierte eine Quelle aus dem Umfeld des Bildungsministeriums, die Wassiliewa als „extreme Konservative“ einstufte, die sich für eine „religiöse Erziehung“ einsetze. Russische Medien zitierten mehrere Äußerungen der neuen Ministerin, in der sie sich selbst als Patriotin bezeichnete. Sie soll laut Medienberichten auch mehrfach den sowjetischen Machthaber Josef Stalin gelobt haben.

Putin stellt sich selbst als Schützer traditioneller Werte dar. In den vergangenen Wochen hatte er offenbar in Vorbereitung auf die Wahlen bereits mehrere Personalwechsel verfügt. So entließ der Staatschef vor einer Woche Kreml-Stabschef Sergej Iwanow und ersetzte ihn durch Anton Waino.

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