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Fast hundert Verletzte

Dutzende Tote und Verletzte, das ist die traurige Bilanz bei einem Anschlag auf eine Hochzeitsfeier in der Türkei. Bei der mutmaßlich von einem Selbstmordattentäter herbeigeführten Explosion in der südöstlichen Millionenstadt Gaziantep wurden am Samstagabend nach Behördenangaben mindestens 30 Menschen getötet und fast 100 verletzt. Sonntagvormittag hieß es, die Zahl der Toten sei auf 50 gestiegen.

Auch am Sonntag war weiter unklar, wer den Anschlag verübt hat. Präsident Recep Tayyip Erdogan verurteilte den „Terroranschlag“ vom Samstagabend und sprach von einer möglichen Urheberschaft der Dschihadistenmiliz Islamischer Staat (IS). Zuvor war von Politikern der Regierungspartei AKP auch die verbotene Kurdenpartei PKK der Tat verdächtigt worden.

Rettungswagen am Aschlagsort

APA/AFP

Rettungswägen in der Nähe des Tatortes

Kinder unter Todesopfern

Laut der staatlichen Nachrichtenagentur Anadolu explodierte der Sprengsatz inmitten einer Hochzeitsgesellschaft, die auf offener Straße im Beybahce-Viertel von Gaziantep feierte. Nach Angaben der prokurdischen Oppositionspartei HDP handelte es sich um eine kurdische Hochzeit, unter den Todesopfern seien mehrere Kinder. In dem Stadtviertel leben dem Vernehmen nach vor allem Kurden.

Trauernde Menschen

APA/AFP/Ahmed Deeb

Die Trauer ist groß

Zahlreiche Krankenwagen rasten zum Anschlagsort. In Sozialen Medien kursierten Videos, die chaotische Szenen zeigten. Menschen schalteten die Taschenlampenfunktion ihres Smartphones ein und irrten auf der Suche nach verletzten Freunden und Angehörigen umher. Am Boden lagen viele blutende Menschen.

Medien: Selbstmordattentäter

Der stellvertretende türkische Ministerpräsident Mehmet Simsek sprach von einem mutmaßlichen Selbstmordattentat. Auch der Sender NTV berichtete, die Attacke gehe wohl auf das Konto eines Selbstmordattentäters.

Karte der Türkei

APA/ORF.at

Ein Abgeordneter der Regierungspartei AKP, Samil Tayyar, äußerte laut der Nachrichtenagentur Dogan die Vermutung, dass hinter dem Anschlag in Gaziantep am ehesten der IS stecken dürfte, der jenseits der nahen Grenze in Syrien weite Gebiete beherrscht. Der IS hat sich bisher noch zu keinem der ihm zugeschriebenen Anschläge in der Türkei bekannt.

Nachrichtenverbot verhängt

Kurz nach dem Anschlag verhängte die Rundfunkbehörde ein teilweises Nachrichtenverbot, wie das bei anderen Attentaten in der Vergangenheit auch schon der Fall gewesen war. Anadolu verbreitete indes eine Stellungnahme Erdogans, wonach die Täter das türkische Volk zu „provozieren versuchen“, indem sie „ethnische und religiöse Empfindlichkeiten“ für ihre Zwecke nutzten. Er mache dabei keinen Unterschied zwischen der kurdischen Untergrundorganisation PKK, der Bewegung des Islam-Predigers Fethullah Gülen und dem IS.

Auch die prokurdische HDP, die drittgrößte Partei im türkischen Parlament, reagierte entsetzt. „Wir verurteilen und verdammen diejenigen, die diese Attacke verübt haben, und die Kräfte und Ideologien hinter ihrem Handeln“, hieß es in einer Stellungnahme.

Zusammenhang mit Syrien unklar

Die rund 1,5 Millionen Einwohner zählende Stadt Gaziantep liegt unweit der Grenze zum Bürgerkriegsland Syrien. Neben der PKK operiert im Südosten der Türkei auch die IS-Miliz, die dort schon mehrfach Anschläge verübt hat. Unklar ist, ob zwischen dem Anschlag in Gaziantep und dem Bürgerkrieg in Syrien ein direkter Zusammenhang besteht. Die kurdischen Volksschutzeinheiten (YPG) sind in Syrien der wichtigste Partner des Westens im Kampf gegen den IS und beherrschen Teile der Grenze zur Türkei.

Verheerender Anschlag auf Flughafen

Erdogan hatte IS-Extremisten auch für den Anschlag auf den Istanbuler Flughafen im Juni verantwortlich gemacht, bei dem 45 Menschen ums Leben kamen. Die türkische Polizei hatte Anfang August 20 mutmaßliche IS-Mitglieder festgenommen. Die Behörden gingen damals davon aus, dass der IS Anschläge in der Türkei plane.

Andererseits wird die Türkei verdächtigt, in den vergangenen Jahren logistisches Hinterland für den IS und andere dschihadistische Terrorgruppen gewesen zu sein. Für Aufregung sorgte in diesem Zusammenhang in den vergangenen Tagen ein interner Bericht der deutschen Regierung, der die Türkei als „zentrale Aktionsplattform“ für Islamisten im Nahen Osten einstufte. Das Papier war an sich nicht für die Öffentlichkeit bestimmt, jedoch deutschen Medien zugespielt worden.

Warnung des Außenministeriums

Am Donnerstag waren bei einer Anschlagsserie auf türkische Sicherheitskräfte insgesamt 14 Menschen getötet und rund 300 weitere verletzt worden. Zu einem der Anschläge bekannte sich die PKK.

Das Außenministerium in Wien rät von Reisen in das türkische Grenzgebiet zu Syrien und zum Irak ab und nennt auf seiner Website dabei auch Gaziantep. Im Osten und Südosten kam es in den vergangenen Jahren und Monaten immer wieder zu bewaffneten Zusammenstößen mit zahlreichen Todesopfern und Verletzten.

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