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Gericht sah einvernehmlichen Sex

Das deutsche Model Gina-Lisa Lohfink wurde am Montag in Berlin wegen falscher Verdächtigung zu einer Geldstrafe von 20.000 Euro verurteilt. Der 29-Jährigen wurde vorgeworfen, zwei Männer wider besseres Wissen der Vergewaltigung bezichtigt zu haben.

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Lohfink musste sich seit Anfang Juni vor Gericht verantworten. Sie hatte zwei Männern nach einer zu dritt verbrachten Nacht Vergewaltigung und die Verwendung von K.-o.-Tropfen vorgeworfen. Vom Sex in der Nacht im Jahr 2012 wurden auch Handyvideoaufnahmen angefertigt, die vielfach im Internet verbreitet wurden und auf denen zu hören ist, wie Lohfink „Nein“ und „Hört auf“ sagt.

Ermittlungen wurden eingestellt

Die damaligen Ermittlungen gegen die beiden Männer wegen der Vergewaltigungsanzeige waren von der Staatsanwaltschaft eingestellt worden. Lohfink, die 2008 Kandidatin bei der Sendung „Germany’s Next Topmodel“ war, erhielt daraufhin einen Strafbefehl wegen Falschaussage. Dagegen legte sie Widerspruch ein, es kam zum Prozess.

Model Gina-Lisa Lohfink

APA/dpa/Jörg Carstensen

Lohfink am Amtsgericht Berlin-Tiergarten

Die Anklage hatte am Montag 24.000 Euro Geldstrafe für die 29-Jährige gefordert. Lohfink habe „gelogen und die Ermittler bewusst in die Irre geführt“ und sei „nicht Opfer einer Sexualstraftat geworden“, so Staatsanwältin Corinna Gögge. Lohfink habe die Geschichte „konstruiert“.

Das Gericht entschied auf 80 Tagessätze je 250 Euro als Strafe. Der Vorwurf gegen Lohfink habe sich bestätigt. Sie habe bewusst wahrheitswidrige Angaben gemacht. Der Sex sei einvernehmlich gewesen. Lohfink habe allerdings den Männern signalisiert und gesagt, dass sie das Filmen nicht wollte. Die Verteidigung hatte einen Freispruch für ihre Mandantin gefordert.

Berufung angekündigt

Als Motiv für den Vorwurf vermutete Richterin Antje Ebner Scham über die im Internet verbreiteten Sexvideos. Lohfink habe es verpasst, einmal in die Öffentlichkeit gelangte Vorwürfe zurückzunehmen und stattdessen die Aufmerksamkeit für sich genutzt. Das hatte Lohfink in ihren letzten Worten noch bestritten. Sie sei nicht hier, um berühmt zu werden, so Lohfink.

Lohfinks Anwalt wird voraussichtlich in Berufung gehen. Das kündigte der Verteidiger Burkhard Benecken am Montag an. „Das Urteil ist ein Skandal“, sagte Benecken. Er werde mit Lohfink besprechen, ob sie die Kraft für die Berufung habe. Er mache sich jetzt Sorgen um alle Frauen, die eine Vergewaltigung anzeigen wollten.

Gutachter schloss K.-o.-Tropfen aus

Ein Gutachter hatte zuvor den Einsatz sogenannter K.-o.-Tropfen mit hoher Wahrscheinlichkeit ausgeschlossen. Das ergebe sich aus den Videofilmen, die in der Nacht gemacht wurden, sagte der Medikamenten- und Drogenexperte. Lohfink sei damals wach, ansprechbar und orientiert gewesen. Es gebe keine Anhaltspunkte für K.-o.-Tropfen.

Die beiden Männer hatten im Verlauf des Prozesses ausgesagt, sowohl der Sex als auch das Filmen dessen seien einvernehmlich gewesen. Das Gericht fand in den Videofilmen keinen Hinweis auf eine Vergewaltigung. Einer der beiden Männer hatte einen Strafbefehl wegen Verbreitung der Sexvideos akzeptiert, der andere will noch dagegen vorgehen.

Prozess stieß Grundsatzdebatte an

Lohfink sagte in ihrer letzten Stellungnahme unter Tränen, was die beiden Männer ihr angetan hätten, sei pervers und gemein gewesen. Sie habe den Sex nicht gewollt und auch nicht gefilmt werden wollen. Nach dem Urteilsspruch, der vom Publikum mit Buhrufen quittiert wurde, verließ Lohfink weinend den Gerichtssaal.

Die Debatte über diese Aufnahmen und Lohfinks darin zu hörende Worte „Nein“ und „Hör auf“ standen am Anfang einer öffentlichen Diskussion in Deutschland, die im Frühsommer in eine Verschärfung des deutschen Sexualstrafrechts mündete. Der Prozess ist zu einem viel beachteten Grundsatzstreit über die Rechte von Missbrauchsopfern avanciert. Dabei fühlen sich die Streitparteien - die Angeklagte und die Berliner Justiz - von der jeweiligen Gegenseite öffentlich diffamiert.

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