Historischer Bücherschatz aus Bayern sorgt für Streit

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Ein großer Bestand an historischen kirchlichen Handschriften, auf den Forscher in einem Kloster im oberbayrischen Altomünster gestoßen sind, befindet sich vorerst unter Verschluss. Wie Projektleiter Volker Schier gestern sagte, hatten er und ein internationales Team geplant, die Bücher, die bis ins 15. Jahrhundert zurückreichen, zu digitalisieren.

Seitdem das Kloster aufgelöst wird, hält der Vatikan die Bestände jedoch zurück. Über das Thema hatte zuerst die „Süddeutsche Zeitung“ berichtet.

Interna sollen diskret behandelt werden

Der Heilige Stuhl hatte im Dezember 2015 die Auflösung des Klosters verfügt, nachdem nur noch eine Nonne im Konvent verblieben war. Die verbliebene Priorin habe zum Zeitpunkt des Fundes im Oktober 2015 den Forschern ihre Zustimmung erteilt, sagte Schier. Die päpstliche Kommissarin für die Auflösung verweigere aber nun den Zugriff und jegliche Kommunikation.

Der deutsche Mittelalterforscher Schier, der das internationale Forscherteam an der US-amerikanischen Arizona State University leitet, befürchtet, dass Bücher verkauft werden oder anderweitig verschwinden könnten. Die päpstliche Kommissarin, Schwester Gabriele Konrad, sagte zur Begründung, in der Bibliothek seien liturgische Schriften mit den Archiven des Klosters vermischt.

Diese Interna seien nicht für die Öffentlichkeit bestimmt. „Das soll diskret behandelt werden“, sagte Konrad. Sobald die Bestände getrennt seien, könne sie sich eine Zusammenarbeit mit den Forschern vorstellen.