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Italienische Marine im Dauereinsatz

Einen Tag nach dem Großeinsatz vor der libyschen Küste sind erneut Tausende Flüchtlinge im Mittelmeer aus Seenot gerettet worden. Etwa 3.000 Menschen seien am Dienstag in Sicherheit gebracht worden, teilten die italienischen Behörden mit. An den 30 Rettungseinsätzen unter Federführung der Küstenwache waren mehrere Schiffe beteiligt.

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Am Montag waren vor der Küste Libyens etwa 6.500 Flüchtlinge aus Seenot gerettet worden. Damit war es einer der intensivsten Rettungstage der vergangenen Jahre. Derzeit wagen wegen des Sommerwetters und der ruhigen See wieder mehr Flüchtlinge in der Hoffnung auf ein besseres Leben in Europa die gefährliche Überfahrt über das Mittelmeer. Die letzten Tage gehörten zu den intensivsten Rettungstagen der vergangenen Jahre.

Zahlreiche Babys und Kleinkinder

An den Einsätzen war eine Reihe von Schiffen der Küstenwache und der italienischen Marine beteiligt. Nach Angaben der katalanischen Organisation Proactiva Open Arms waren bis zu 700 Menschen auf einem einzigen Fischerboot zusammengepfercht. Einige von ihnen sprangen laut den Angaben mit Rettungswesten ins Meer und schwammen zu den Rettungsbooten. Laut Ärzte ohne Grenzen waren unter den Geretteten auch zahlreiche Babys und Kleinkinder.

Flüchtlinge vor der lybischen Küste

Reuters/Giorgos Moutafis

Schlepper setzen immer mehr Schutzsuchende in ein Boot

13.000 Bootsflüchtlinge in vier Tagen

Erst am Sonntag hatte Italien in dieser Region über 1.100 Flüchtlinge gerettet. Binnen vier Tagen trafen insgesamt rund 13.000 Bootsflüchtlinge ein. Die meisten stammen aus Westafrika und vom Horn von Afrika. Die derzeit hohe Zahl von Richtung Europa Flüchtenden lässt sich auch mit dem stabilen Sommerwetter erklären, aufgrund dessen viele die gefährliche Überfahrt wagen. Auch für Dienstag erwartet die Küstenwache überdurchschnittlich viele Einsätze.

Flüchtlinge vor der lybischen Küste

APTN

Einige Flüchtlinge sprangen mit Rettungsweste ins Meer

Die steigende Zahl an Flüchtlingen setzt das italienische Versorgungssystem zunehmend unter Druck. Allein am Mittwoch werden 1.273 Schutzbedürftige in Palermo erwartet. Italien versorgt derzeit bereits 130.000 Geflüchtete. Ein weiteres Schiff mit 720 Flüchtlingen und zwei Leichen an Bord wird ebenfalls am Mittwoch in der apulischen Hafenstadt Brindisi eintreffen. Laut der Internationalen Organisation für Migration (IOM) sind seit Jahresanfang 105.342 Migranten in Italien eingetroffen. 3.165 kamen bei der Reise über das Meer ums Leben, das sind 509 mehr als im gleichen Zeitraum 2015.

Weg über Mittelmeer gefährlicher geworden

IOM zufolge seien die Schlepper skrupelloser geworden. Sie schickten mehr Menschen auf Boote, die nicht seetüchtig seien. Zudem kämen mehr Migranten aus Ägypten, von wo aus die Überfahrt deutlich gefährlicher sei. Die Organisation kritisierte laut „Welt“, dass Europa zu wenig unternehme, um Verbleib und Identifizierung vermisster Migranten aufzuklären.

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