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Promis lassen sich fürstlich entlohnen

Für Millionen und Abermillionen Internetuser ist es eine Selbstverständlichkeit, sobald sie in Sozialen Netzwerken unterwegs sind: Prominente wie der portugiesische Fußballer Cristiano Ronaldo oder das Reality-TV-Sternchen Kim Kardashian und ihre Familie posieren mal mehr, mal weniger natürlich mit einem Produkt und loben es dabei nicht selten in den höchsten Tönen.

Werbung im klassischen Sinne mag das nicht sein, dennoch lassen sich die Berühmtheiten für diese Form des Sponsorings fürstlich entlohnen. In welcher Höhe das geschieht, weisen sie freilich nicht aus. Das ist Verbraucherschutzverbänden im englischen Sprachraum ein Dorn im Auge, berichtet die „Financial Times“.

Ungekennzeichnetes Sponsoring unterbinden

Nachdem laut dem Finanzdienst Bloomberg die US-amerikanische Bundeshandelskommission (FTC) bereits Anfang August ein hartes Durchgreifen bei offensichtlich bezahlten Promipostings ankündigte, will die britische Behörde für Wettbewerb und Märkte (CMA) nun ebenfalls weitere Maßnahmen ergreifen, um die Praxis des ungekennzeichneten Sponsorings fürderhin zu unterbinden.

Sobald jemand für ein Produkt wirbt - sei es Haarshampoo, seien es Turnschuhe - und dafür bezahlt wird, soll das auf Instagram, Twitter, Facebook, YouTube oder Snapchat auch klar ersichtlich sein, und auch die Höhe des Geldbetrags soll bekanntgegeben werden. Die CMA hat in Großbritannien in einem ersten Schritt die Digital-Marketing-Agentur Social Chain gerügt. Sie soll die Öffentlichkeit auf den Social-Media-Plattformen mit ungekennzeichneter Werbung irregeführt haben.

Heuer bereits zweites Engreifen der CMA

Zusätzlich stellte die CMA nun in Summe 43 Personen und 15 Unternehmen, die in irgendeiner Form in Relation zu Social Chain stehen, Warnschreiben zu. Um welche Berühmtheiten und Firmen es sich dabei tatsächlich handelte, ist bis dato nicht bekannt. Es ist bereits das zweite Mal, dass die CMA heuer Maßnahmen gegen ungekennzeichnete Werbung ergreift, so die „Financial Times“.

Solid work👌

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Dass sich das Sponsoring für die Beteiligten im großen Stil rechnet, wird schnell klar - auch bei durch Soziale Netzwerke selbst berühmt gewordenen Personen. Laut „New York Times“ kann ein „Influencer“, also eine auf Social Media tätige und dabei besonders einflussreiche Person, bei einer Gefolgschaft von 50.000 bis 500.000 Usern dank Sponsorings um die 2.500 Dollar (2.240 Euro) pro Video auf YouTube verdienen.

187.000 Dollar für ein Posting auf YouTube

1.000 Dollar (898 Euro) für ein Posting auf Instagram oder Snapchat und 400 Dollar (360 Euro) für eines auf Twitter schlagen sich zu Buche. Das wird exponentiell mehr, umso mehr Personen man zu seiner Anhängerschaft zählt - dann kann man etwa mit 187.000 Dollar (167.900 Euro) für ein Posting auf YouTube bei drei bis sieben Millionen Anhängern rechnen.

Für auch im wahren Leben und somit abseits des Internets bekannte Persönlichkeiten wie Cristiano Ronaldo wird das Geschäft mit der Onlinepräsenz noch lukrativer. Dem Wirtschaftsmagazin „Forbes“ zufolge verdiente der Fußballer letztes Jahr 88 Millionen Dollar (79 Mio. Euro). Auch mit Hilfe seiner Onlineprofile wurde er so zum bestbezahlten Sportler weltweit.

300 Millionen Anhänger für die Kardashians

Das rechnet sich auch für Ronaldos Sponsoren. Über seine Promotion-Arbeit auf seinen Social-Media-Profilen verdienten diverse Unternehmen 176 Millionen Dollar an dem Portugiesen, der Sportartikelhersteller Nike alleine kam so zu 36 Millionen Dollar (32 Mio. Euro) im letzten Jahr.

Die US-amerikanische Nichtregierungsorganisation Truth In Advertising strich jüngst heraus, dass Kim Kardashian und ihre Schwestern, die ihre Prominenz neben Reality-TV ihren Auftritten in Sozialen Netzwerken verdanken, „ihr Verhältnis zu den von ihnen in ihren Postings beworbenen Unternehmen nicht eindeutig oder sichtbar offengelegt“ hätten. Die Rede war von über 100 Einträgen auf Instagram.

Ein kleiner Zusatz

Auf dem für das Teilen von Fotos und Videos bekannten Sozialen Netzwerk Instagram bringen es die fünf Schwestern auf 300 Million Anhänger. Die bezahlten Postings erreichen also Unmengen von potenziellen Konsumenten. Die Kritik dürfte aber Wirkung gezeigt haben. Laut „New York Times“ wurden die letzten, erneut ein Produkt anpreisenden Nachrichten nun mit einem kleinen Zusatz, dem Hashtag „#ad“ (die Abkürzung von „advertisement“, deutsch: „Werbung“), versehen.

Damit könnten sie Vorbildwirkung für andere, ebenfalls von Sponsoring profitierende Prominente haben. Denn nicht zuletzt durch die weite Verbreitung von Werbeblockern setzen immer mehr Werbende nahezu ausschließlich auf Soziale Netzwerke.

Junge lassen sich von Social Media inspirieren

Aus gutem Grund: Dem britischen Marktforschungsinstitut GlobalWebIndex (GWI) zufolge stießen im zweiten Quartal 2016 20 Prozent der 16- bis 24-Jährigen auf neue Marken und Produkte durch das Bewerben einer bekannten oder berühmten Persönlichkeit auf Instagram und Co. In der Gruppe der 45- bis 54-Jährigen waren das lediglich sieben Prozent.

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