Mutmaßliche Dschihadisten erobern Stadt in Mali

Mutmaßliche Dschihadisten haben gestern im Zentrum von Mali die Kontrolle über die Ortschaft Boni übernommen. Die Extremisten hätten die Stadt überfallen und in Richtung mehrerer Regierungsgebäude geschossen, sagte ein Vertreter der örtlichen Regierung der Nachrichtenagentur AFP. Das Büro des Bürgermeisters der mehrere tausend Einwohner zählenden Stadt wurde abgebrannt.

Armee zog sich zurück

Die Armee habe sich daraufhin aus Boni in der Region Mopti zurückgezogen, sagte der Regierungsvertreter. Das Militär wollte sich offiziell nicht zu dem Vorfall äußern, ein Vertreter, der anonym bleiben wollte, bestätigte aber den Rückzug der Soldaten. Sie seien angewiesen worden, sich nach Douentza zurückzuziehen, das etwa 90 Kilometer von Boni entfernt liegt. „Das ist auch geschehen.“

Ein Bewohner von Boni sagte AFP, die Dschihadisten hätten „Allahu Akbar“ geschrien und das Haus des örtlichen Polizeichefs sowie das Rathaus angezündet. „Sie haben viel in die Luft gefeuert“, sagte er. Offenbar hatten sie demnach Komplizen in der Stadt. Die Armee habe Boni verlassen, sagte der Bewohner. Ein anderer berichtete von mehreren Dschihadistenflaggen in der Stadt.

Einordnung der Gruppe schwierig

Um wen es sich bei der bewaffneten Extremistengruppe handelte, blieb zunächst unklar. Der Norden des Landes war im Frühjahr 2012 in die Hände von Dschihadistengruppen gefallen. Französische Streitkräfte starteten Anfang 2013 eine Offensive und drängten die Islamisten zurück. Die Sicherheitslage bleibt aber angespannt, zuletzt gab es auch im Zentrum und im Süden von Mali immer wieder Angriffe.