Assad wirft USA „offene Aggression“ vor

Syriens Präsident Baschar al-Assad hat den Luftangriff der US-geführten Koalition auf syrische Truppen als „offene amerikanische Aggression“ kritisiert. Sie diene der Terrormiliz Islamischer Staat (IS), sagte er heute nach einem Treffen mit einem hochrangigen iranischen Vertreter in Damaskus.

Immer wenn Syrien Fortschritte im Kampf gegen den Terror erziele, wachse die Unterstützung der „feindlichen Staaten“ für terroristische Organisationen, erklärte Assad nach Angaben der staatlichen Nachrichtenagentur SANA. Bei dem Luftangriff der US-geführten Koalition auf syrische Truppen im Osten des Landes waren am Wochenende mehr als 60 Soldaten getötet worden. Die US-Regierung äußerte ihr Bedauern und sprach von einem Irrtum.

Russische Vorwürfe gegen USA

In der zusammenbrechenden Waffenruhe in Syrien macht das russische Militär den USA heftige Vorwürfe. Die USA hätten nicht eine der Vereinbarungen vom 9. September eingehalten, erklärte Generalleutnant Sergej Rudskoi vom russischen Generalstab in Moskau. Die amerikanische Seite habe keine Daten geliefert, wo die von ihr kontrollierten Oppositionsgruppen stünden.

Die USA hätten keinen Einfluss auf die Opposition, sagte Rudskoi der Agentur Interfax zufolge. Die gemäßigten Regierungsgegner trennten sich nicht von der terroristischen Fatah-al-Scham-Front (früher: Al-Nusra). Stattdessen rückten die Milizen enger zusammen und bereiteten Angriffe vor.

Hilfsgüter für notleidende Syrer in drei Rebellengebieten

Nach langem Warten erhalten notleidende Menschen in drei syrischen Rebellengebieten Hilfe von außen. Lastwagen mit Hilfsgütern seien auf dem Weg in die zentralsyrische Stadt Talbisa und den nordsyrischen Ort Orem al-Kubra, sagte der Sprecher der UNO-Nothilfeorganisation (OCHA), David Swanson. Es handle sich um gemeinsame Konvois mehrerer Hilfsorganisationen.

Die staatliche syrische Nachrichtenagentur SANA berichtete zudem, Lastwagen mit Hilfsgütern hätten den Ort Muadamija al-Scham südlich der Hauptstadt Damaskus erreicht. Dabei handelt es sich um einen Transport der Hilfsorganisation Syrischer Roter Halbmond.

Aleppo weiter abgeschnitten

40 Lastwagen mit UNO-Hilfsgütern an der Grenze zur Türkei müssten hingegen weiter warten, so Swanson. Sie sollen notleidende Menschen in den belagerten Rebellengebieten der nordsyrischen Großstadt Aleppo versorgen. UNO-Syrien-Vermittler Staffan de Mistura hatte in der vergangenen Woche erklärt, bisher hätten die Lastwagen von der syrischen Regierung kein grünes Licht bekommen.

Armee lässt Waffenruhe auslaufen

Die syrische Armee ließ unterdessen ihre einwöchige Waffenruhe aus. Eine Verlängerung des am 12. September ausgerufenen „Regimes der Ruhe“ lag heute nicht vor. Es war in Kraft getreten, nachdem sich die USA und Russland auf eine Feuerpause verständigt hatten. Die Regierung in Damaskus und die Rebellen haben einander in den vergangenen Tagen vorgeworfen, die Waffenruhe zu brechen.

Erdogan: Türkei will „Sicherheitszone“ in Nordsyrien

Die Türkei will nach Angaben von Präsident Recep Tayyip Erdogan bei ihrem Militäreinsatz in Syrien eine 5.000 Quadratkilometer große „Sicherheitszone“ schaffen.

Bisher hätten die türkischen Truppen im Kampf gegen den IS ein 900 Quadratkilometer großes Gebiet „von Terroristen gesäubert“, sagte Erdogan im türkischen Fernsehen. Nach der Eroberung von Dscharabulus und al-Rai würden die türkischen Soldaten nun Richtung al-Bab weiter südlich vorrücken.

Die Türkei hatte Ende August mit eigenen Soldaten in den Syrien-Konflikt eingegriffen. Die Offensive „Schutzschild Euphrat“ richtet sich neben dem IS auch gegen die mit der verbotenen Arbeiterpartei Kurdistans (PKK) verbündeten kurdischen Volksverteidigungseinheiten (YPG). Ankara will die YPG-Miliz daran hindern, weitere Gebiete an der türkischen Grenze unter ihre Kontrolle zu bringen.