Großbrand in Lager auf Lesbos: Tausende auf der Flucht

Wegen eines Feuers sind gestern Abend Tausende Menschen aus einem Flüchtlingslager auf der griechischen Insel Lesbos geflohen. „Zwischen 3.000 und 4.000“ Flüchtlinge hätten das Lager von Moria verlassen, sagte ein Polizeivertreter.

Brand in Flüchtlingslager auf Lesbos

APA/AP/Michael Schwarz

Rund 150 Minderjährige, die in dem Lager untergebracht waren, seien in eine Einrichtung für Kinder auf der Insel gebracht worden.

Starke Winde fachten das Feuer weiter an. Nach Polizeiangaben wurde es möglicherweise absichtlich gelegt. Moria gehört zu den größten Flüchtlingslagern des Landes. Schon in der Vergangenheit hatte es dort gebrannt, außerdem gab es immer wieder Zusammenstöße zwischen den Schutzsuchenden. Das Feuer konnte noch am Abend unter Kontrolle gebracht werden, verletzt wurde nach ersten Erkenntnissen niemand.

Gerüchte über Massenabschiebung

Der Nachrichtenagentur ANA zufolge waren die Spannungen in Moria schon tagsüber hoch, denn in dem Lager machte das Gerücht die Runde, dass auf der Grundlage des Flüchtlingsabkommens mit Ankara eine Massenabschiebung in die Türkei bevorstehe.

Der Polizei zufolge bekamen die Beamten die Lage aber zunächst wieder in den Griff. Auf den Olivenhainen nahe dem Lager gab es zwei weitere Brände, die aber gelöscht werden konnten. Am Abend brach das Feuer in dem Lager aus.

In Griechenland halten sich derzeit mehr als 60.000 Schutzsuchende auf, die meisten von ihnen wollen aber weiter in andere westeuropäische Staaten. Weil eine Reihe von osteuropäischen Ländern und Balkan-Staaten aber mittlerweile die Grenzen geschlossen haben, ist ein Weiterkommen nahezu unmöglich.

Immer wieder wegen prekärer Verhältnisse in der Kritik

Das Lager Moria gehört zu den größten des Landes. Menschenrechtsgruppen kritisierten in der Vergangenheit immer wieder die prekären Verhältnisse in den griechischen Aufnahmezentren, besonders auf Lesbos und anderen Ägäis-Inseln. So leben auf insgesamt fünf griechischen Inseln mehr als 13.000 Flüchtlinge, obwohl die Einrichtungen nur für knapp 8.000 Menschen ausgelegt sind.