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Aluminium, das neue Asbest?

Egal ob Roll-on, Spray oder Stick: Die meisten handelsüblichen Deos, sowohl für Männer als auch für Frauen, enthalten Aluminiumsalze. Seit einigen Jahren legen Studien nahe, dass die Verwendung solcher Deodorants krebsfördernd sein könnte. Die Unsicherheit der Konsumenten ist seither groß. Eine neue Schweizer Studie will nun den Nachweis für das hohe Risiko erbracht haben.

Aluminiumsalze in Deos sind genau für den Effekt verantwortlich, der auf der Packung meist beworben werden - indem sie die Poren verschließen, verhindern sie das Entstehen unschöner Schweißflecken unter den Achseln. Die von einer privaten Genfer Stiftung und der Genfer Krebsliga finanzierte und an der Clinique des Grangettes durchgeführte Studie erhärtet damit den bereits seit einigen Jahren von internationalen Forschern gehegten Verdacht über die mögliche Rolle von Aluminiumsalzen bei der Entstehung von Brustkrebs.

Biologe Stefano Madriota und Onkologe Andre-Pascal Sappino setzten für ihre Versuchsreihe, die im „International Journal of Cancer“ veröffentlicht wurde, die Brustzellen von Mäusen Aluminiumchlorid aus. Daraufhin wurde in den Brustzellen eine Reihe von Veränderungen festgestellt, die „für eine bösartige Entwicklung charakteristisch sind“. Weiter zeigte sich: Brustzellen, die der gleichen Aluminiumkonzentrationen wie menschliche Brustdrüsen ausgesetzt waren, bildeten bei den Mäusen aggressive Tumore, die breit streuen.

Umdenken von Industrie laut Studie stark verzögert

Die Anzeichen, dass Aluminium ursächlich für Krebs und andere Krankheiten verantwortlich sein könnte, verdichten sich damit zunehmend, so die Forscher. Sie vergleichen das mit der ehemaligen „Wunderfaser“ Asbest, die heute in vielen Ländern - darunter der gesamten EU - verboten ist.

„Die verheerenden Auswirkungen dieser kostengünstigen Substanz mit attraktiven Eigenschaften für die Industrie wurden jahrzehntelang bei den gängigen toxikologischen Screeningtests der Industrie nicht ermittelt,“ heißt es in der Studie.

Gesundheitsministerium warnt seit 2014

Das österreichische Gesundheitsministerium warnt bereits seit 2014 vor aluminiumhaltigen Deodorants. In einer damals veröffentlichten Studie hieß es, gebe es zwar kaum noch akute Aluminiumvergiftungen, wie sie früher etwa bei Dialysepatienten auftraten, man warne aber vor möglichen kumulativen Effekten.

Untersuchungen zeigten, „dass VerbraucherInnen durch Aluminiumverbindungen aus Kosmetika einer beträchtlichen Exposition ausgesetzt sein können und dass alleine bei regelmäßiger Verwendung von Antitranspirantien, Lippenstift oder Lipgloss zusätzlich zu den durch Lebensmittel und Trinkwasser aufgenommenen Aluminiummengen die von der EFSA (Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit, Anm.) festgelegte tolerierbare wöchentliche Aufnahmemenge von 1 mg Aluminium/kg Körpergewicht bereits um ein Vielfaches überschritten werden kann“.

Das Fazit der Studie besagt zwar, dass die gegen Aluminium zahlreich bestehenden Verdachtsmomente derzeit auf wissenschaftlicher Basis weder erhärtet noch widerlegt werden können. Ein präventiver Verzicht sei jedoch angeraten, da die Langzeiteffekte bisher nicht erfasst werden konnten. Seitdem lauten die Empfehlungen, dass man auf „aluminiumfreie Deodorants umsteigen“, oder „Deodorants und Antitranspirants mit aluminiumhaltigen Inhaltsstoffen nicht auf verletzter bzw. gereizter Haut oder unmittelbar nach einer Rasur aufbringen“.

„Es hat sich am Markt einiges getan“

An dieser Empfehlung habe sich nichts geändert, so Expertin Karin Gromann aus dem Ministerium gegenüber ORF.at. „Es hat sich am Markt einiges getan“, sagte sie auch, nachdem aufgrund der Warnung und der steigenden Bewusstseinsbildung viele Konsumenten nicht aluminiumhaltige Deos nachgefragt hätten. „Es gibt mittlerweile mehr Produkte ohne die bedenklichen Inhaltsstoffe.“ Tatsächlich zeigt ein Blick in die Regale der Super- und Drogeriemarktketten, dass nahezu alle Anbieter - von den Premiummarken bis zu den Eigenmarken der Diskonter - mit Produkten ohne Aluminiumchloriden vertreten sind.

Das Ministerium ist laut Gromann derzeit dabei, in einer Markterhebungsstudie das Käuferverhalten und die Angebotslage zu prüfen, um basierend auf diesen Informationen über die Notwendigkeit gesetzlicher Schritte entscheiden zu können. Auch in der EU sind Aluminiumsalze aktuell Thema. Am Mittwoch und Donnerstag berät der EU-Kommissionsausschuss für kosmetische Mittel, dem auch Gromann in Vertretung Österreichs beiwohnt, über neue Industriezahlen und wie diese zu bewerten sind.

Neue Auflagen auch für Laugengebäck

Ähnliche Wellen, wie die Warnung des Ministeriums vor den Deos, schlug voriges Jahr auch ein Test des Vereins für Konsumenteninformation (VKI), der ergab, dass Laugengebäck, das auf Aluminiumblechen gebacken wird, oftmals die zulässigen Grenzwerte um ein Vielfaches überschritten werden.

Als Reaktion darauf habe man im Lebensmittelbuch ein Maßnahmenpaket veröffentlicht, erklärte Aleksander Zilberszac, Leiter der Abteilung für neue Technologien und internationale Lebensmittelangelegenheiten im Gesundheitsministerium gegenüber ORF.at. Die Herstellung von Laugengebäck auf Aluminiumblechen ist seit 2016 nur mehr unter strengeren Auflagen gestattet, außerdem gelten neue zulässige Grenzwerte.

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