Srebrenica-Völkermord: Kein Prozess gegen UNO-Soldaten

Der Völkermord im bosnischen Srebrenica wird keine strafrechtlichen Folgen für den damaligen UNO-Kommandanten Thom Karremans haben. Der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte (EGMR) hat keine Einwände dagegen, dass die niederländischen Behörden den Mann und zwei weitere Soldaten nicht angeklagt haben.

Die Menschenrechtskonvention gewähre kein Recht auf „private Rache“, hieß es heute in Straßburg auf die Beschwerde von Hinterbliebenen. Geklagt hatten Angehörige von drei Opfern. Im Juli 1995 hatten bosnisch-serbische Truppen in der UNO-Schutzzone Srebrenica 8.000 muslimische Buben und Männer ermordet.

Die niederländische Blauhelmeinheit hatte sich den Angreifern unter General Ratko Mladic zuvor kampflos ergeben. Die drei Opfer hatten auf der Militärbasis Zuflucht gesucht, waren jedoch weggeschickt worden.

Umstände umfassend aufgeklärt

Die Umstände des Völkermords sind nach Ansicht der Straßburger Richter so umfassend aufgeklärt worden, dass keine Unsicherheit mehr über das Ausmaß der Beteiligung der drei niederländischen Soldaten bestehe. Die Ermittlungen der nationalen Strafverfolger könnten folglich nicht als ineffektiv bezeichnet werden.

Auch stimme ihre Feststellung, dass den Soldaten das Ausmaß des drohenden Massakers nicht bewusst gewesen sei, mit den Untersuchungen des UNO-Kriegsverbrechertribunals in Den Haag überein. Dort wurden bisher 15 Angeklagte für schuldig befunden, drei von ihnen erhielten lebenslange Haftstrafen. Ein Urteil gegen den erst 2011 verhafteten Mladic wird für 2017 erwartet.

Opferanwältin macht Entscheidung „sehr traurig“

Aus Sicht der Opferanwältin Liesbeth Zegveld ist die Entscheidung für die Hinterbliebenen „sehr traurig“. Es bedeute das Ende ihrer Bemühungen um einen Strafprozess und sei ein schwerer Rückschlag für die UNO-Friedenseinsätze, sagte Zegveld der dpa in Amsterdam.