Angeblich 10.000 Tote durch russische Luftangriffe in Syrien

Als Folge russischer Luftangriffe in Syrien sind Aktivisten zufolge fast 10.000 Menschen in einem Jahr ums Leben gekommen, unter ihnen rund 3.800 Zivilisten. Unter den Toten seien auch mehr als 900 Kinder, teilte die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte mit Sitz in Großbritannien heute mit. Russland hatte am 30. September 2015 militärisch in den syrischen Bürgerkrieg eingegriffen.

Russland unterstützt mit den Luftangriffen das Regime von Machthaber Baschar al-Assad. Die umkämpfte nordsyrische Großstadt Aleppo erlebte in den vergangenen Tagen die heftigsten Bombardierungen seit Beginn des Bürgerkrieges vor mehr als fünf Jahren. Die USA drohen Russland deswegen mit einem Abbruch der Kooperation in Syrien.

USA und Russland unversöhnlich

Im Syrien-Konflikt droht ein endgültiger Abbruch der Gespräche zwischen den USA und Russland. US-Außenminister John Kerry sagte gestern (Ortszeit), die USA befänden sich „an der Grenze zum Abbruch der Kooperation“ mit Russland in der Syrien-Frage. Moskau konterte, ein solcher Schritt würde einzig und allein den Terroristen nützen.

Obama und Merkel verurteilen Russlands Angriffe

US-Präsident Barack Obama und die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel verurteilten die Luftangriffe der syrischen und russischen Luftwaffe auf Aleppo aufs Schärfste. Sie seien sich darüber einig, dass es an Russland und dem syrischen Regime liege, die Kämpfe in dem Bürgerkriegsland zu beenden, teilte das Weiße Haus am Abend in Washington nach einem Telefonat von Obama und Merkel mit.

Russland kritisiert seinerseits die US-Haltung seit Tagen scharf. Das Außenministerium in Moskau wirft Washington unter anderem vor, mit der Syrien-Politik innenpolitische Ziele zu verfolgen. Unter anderem sei Washington nicht bereit, sich von terroristischen Gruppen unter den Rebellen zu distanzieren.

Auch UNO uneins

Trotz der Eskalation des Krieges mit schweren Angriffen auf die Großstadt Aleppo zeigte sich auch der UNO-Sicherheitsrat bei dem Thema erneut uneins. „Wir sind zu keinen Schlussfolgerungen gekommen“, sagte der neuseeländische UNO-Botschafter und derzeitige Ratsvorsitzende Gerard van Bohemen nach einer Sitzung des Gremiums.

Zuvor hatte UNO-Nothilfekoordinator Stephen O’Brien das Gremium in New York gewarnt, Aleppo erlebe derzeit eine humanitäre Katastrophe, „wie sie in Syrien noch nicht erlebt worden ist“.

Bunkerbrechende Bomben: Kinder „nirgendwo“ sicher

Die Organisation Save the Children beklagte, wegen der schweren Luftangriffe auch mit bunkerbrechenden Bomben seien Kinder in Aleppo nirgendwo mehr sicher. Durch den „grausamen Angriff“ auf die Metropole könnten fast 100.000 Kinder am Schulbesuch gehindert werden. Die Schulen im Ostteil sollten am Samstag eigentlich wieder öffnen, blieben nun aber geschlossen.

Die Organisation betreibt in Aleppo 13 Schulen, darunter acht, die unterirdisch und damit eigentlich angriffssicher gebaut sind. Der Einsatz bunkerbrechender Bomben lasse aber auch diese Schulen unsicher werden, so Save the Children. Die Bomben lassen mehrstöckige Gebäude zusammenfallen und zerstören selbst Keller. Damit gebe es praktisch keinen Ort in Aleppo mehr, an dem Kinder sicher seien, erklärte die Organisation.

Seit Tagen unter Beschuss

Aleppo hatte in den vergangenen Tagen die heftigsten Angriffe der syrischen und russischen Luftwaffe seit Beginn des Bürgerkriegs im Jahr 2011 erlebt. In den Rebellengebieten dort sind rund 250.000 Menschen eingeschlossen. Der russisch-amerikanische Austausch hatte vor allem nach einem Angriff auf einen UNO-Hilfskonvoi gelitten, für den die USA Russland zumindest mitverantwortlich machen.