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Nach Nexus kommt Pixel

Bei einem auf „Made by Google“ getauften Event sind am Dienstag die neuen Hoffnungsträger des IT-Konzerns präsentiert worden. Darunter finden sich etwa ein bereits im Vorfeld bekannt gewordenes neues Smartphone, aber auch eine Reihe weiterer Produkte, mit denen sich der Platzhirsch in Sachen Software nun zunehmend auch im hart umkämpften Hardwaremarkt breitmachen will.

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Allein Googles neues Smartphone Pixel wird von Beobachtern als direkte Kampfansage gegen Apple und den bisherigen Partner Samsung gewertet, die bisher den Markt mit Mobiltelefonen dominieren. Der Internetkonzern stellte in San Francisco Geräte in zwei Größen vor. Nutzer bekommen auch Zugang zum neuen Google-Assistenten sowie unbegrenzten Speicherplatz auf Servern des Unternehmens für ihre Fotos und Videos. Die Kamera sei „die beste, die je in einem Smartphone verbaut wurde“, versprach Google.

Mit weiteren Produkten schielt Google laut „Washington Post“ aber auch auf weitere zukunftsträchtige Geschäftsfelder. Als Beispiele werden hier etwa Lautsprecherassistenten und Datenbrillen genannt, wo Amazon mit dem Echo und Facebook mit Oculus zu den Pionieren zählen.

Eigene Abteilung gegründet

Der aus Beobachtersicht naheliegende, aber nicht risikolose Schritt zeichnete sich zuletzt immer deutlicher ab. Bereits im April berichtete etwa das Onlineportal Redcode von der Gründung einer eigenen Google-Hardwareabteilung. In dieser seien seitdem Googles Hardware-Aktivitäten gebündelt, von den Nexus-Produkten und dem TV-Stick Chromecast über die etwas in Vergessenheit geratene Datenbrille Google Glass bis zu den Tablet-, Router- und experimentellen ATAP-Projekten.

Das Event „Made by Google“ markiert laut „Washington Post“ nun einen weiteren Schritt, mit dem der hochprofitable Softwarekonzern auf die sich wandelnde IT-Landschaft reagiert. Da der Markt zunehmend von mobiler und vernetzter Hardware dominiert wird, sei Googles Schritt laut Analysten naheliegend. Im Smartphonemarkt sei Google demnach zwar dank seines Betriebssystems Android „omnipräsent“ - um auf Wachstumskurs zu bleiben, sei es mit Software allein offenbar aber nicht mehr getan.

Google stellt neues Pixel phone vor

Reuters/Beck Diefenbach

Googles neues Handy Pixel

Nicht zuletzt dank Googles Smartphonebetriebssystem Android groß geworden, setze beispielsweise Samsung mittlerweile verstärkt auf ein selbst entwickeltes Betriebssystem. Sättigungserscheinungen werden der Zeitung zufolge zudem bei Googles Cash Cow, dem Suchmaschinen- und Werbegeschäft geortet. Als weitere Beispiele werden aber auch zunehmende Wettbewerbsbedenken genannt, mit denen Google etwa in der EU konfrontiert ist. Der Erfolg mit Android sei somit auch Googles Schwachpunkt, wie ein Analyst in diesem Zusammenhang laut „Washington Post“ sagte.

Schwieriges Terrain

Mit eigener Hardware lasse Google nun seine „traditionelle Komfortzone“ hinter sich. Der genannte Grund: Neben der Entwicklung, Produktion und dem Verkauf von immer neuen, markttauglichen Produkten birgt der Hardwaremarkt auch weitere Tücken, wie zuletzt etwa Samsungs Akkuprobleme beim Galaxy Note 7 zeigten.

Zudem blickt Google selbst bereits auf eine ernüchternde Erfahrung auf dem Smartphonemarkt zurück: Die 2011 um umgerechnet rund elf Milliarden Euro gekaufte Motorola-Handysparte wurde nach drei Jahren um den halben Preis wieder verkauft.

Google brachte bisher gemeinsam mit Herstellern wie LG oder HTC Telefone mit dem Markennamen „Nexus“ heraus, die die Vision des Konzerns für die jeweils aktuelle Version seines Betriebssystems Android umsetzen sollten. Die Geräte eroberten allerdings keine großen Marktanteile. Insgesamt laufen aber mehr als 80 Prozent der aktuell verkauften Smartphones mit Android.

Know-how von Motorola und Amazon

Motorola-Know-how ist bei Google auch weiter gefragt: Mit Rick Osterloh ist der einstige Chef des von Lenovo übernommenen Unternehmens für Googles Hardwareabteilung zuständig. Für die Entwicklung seiner Pixel-Smartphones konnte Google - wie erst unmittelbar vor deren Präsentation bekanntwurde - zudem den ehemaligen Hardwarechef von Amazon, David Foster gewinnen. Dieser war bei Amazon unter anderem für die Entwicklung der Kindle-Serie, aber auch des Amazon Echo verantwortlich.

Händler gaben zu Pixel Details preis

Details zum neuen Pixel-Smartphone gab es indes bereits vor dem offiziellen Google-Event: Händler aus Kanada und Großbritannien hatten zu früh Werbematerial veröffentlicht. Die Webseiten blieben am späten Sonntag zwar nur kurz online - aber lange genug für die Tech-Blogs, die sie entdeckten.

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