Syrische Truppen setzen Vormarsch in Aleppo fort

Vor der für heute angesetzten Dringlichkeitssitzung des UNO-Sicherheitsrats zu Syrien haben die Truppen von Staatschef Baschar al-Assad ihren Vormarsch in der syrischen Stadt Aleppo fortgesetzt. Nach den heftigen Luftangriffen auf Aleppo fordert indes die deutsche Kanzlerin Angela Merkel ein Ende der schweren Kämpfe in der nordsyrischen Stadt.

Die in Großbritannien ansässige oppositionsnahe Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte berichtete von Kämpfen in mehreren Stadtvierteln. Im südlichen Stadtteil Scheich Said habe die Armee einen Hügel eingenommen, doch die Rebellen hätten andere Teile des Stadtviertels zurückerobert. Die Angaben der Beobachtungsstelle, die sich auf Mitarbeiter an Ort und Stelle beruft, können von unabhängiger Seite nur schwer überprüft werden.

23 Angriffe auf Spitäler seit Juli

In dem von den Rebellen mit Raketen beschossenen westlichen Stadtteil Midan wurden vier Menschen getötet, wie das syrische Staatsfernsehen berichtete. Zugleich hätten Menschen den von den Rebellen gehaltenen Ostteil Aleppos über humanitäre Korridore verlassen. Die Zahl der Menschen im Osten Aleppos wird auf gut 250.000 geschätzt. In dem von der Regierung kontrollierten Westteil sollen sich etwa 1,2 Millionen Menschen befinden.

Die Hilfsorganisation Ärzte ohne Grenze (MSF) erklärte, seit Juli seien die acht verbliebenen Kliniken in Aleppos Rebellengebieten mindestens 23-mal angegriffen worden. Die Krankenhäuser würden von der großen Zahl an Verletzten erdrückt. „Die Menschen sterben sprichwörtlich auf dem Boden der Einrichtungen“, teilte MSF mit.

Kerry will Untersuchung auf Kriegsverbrechen

US-Außenminister John Kerry forderte eine Untersuchung der jüngsten Einsätze von Russland und der Armee Syriens auf mögliche Kriegsverbrechen. „Das sind Aktionen, die nach einer angemessenen Untersuchung auf Kriegsverbrechen schreien“, sagte Kerry in Washington. „Russland und das Regime schulden der Welt mehr als nur eine Erklärung, warum sie weiterhin Krankenhäuser, medizinische Einrichtungen, Frauen und Kinder angreifen“, sagte Kerry.

Russland ratifiziert Militärabkommen mit Syrien

Die Staatsduma in Moskau ratifizierte indes ein Abkommen über die unbefristete Stationierung von Kampfflugzeugen, Hubschraubern und Soldaten auf einem russischen Stützpunkt in Syrien. Für das Abkommen stimmten alle 446 anwesenden Abgeordneten. Die 2015 von Moskau und Damaskus auf den Weg gebrachte Vereinbarung sieht unter anderem Straffreiheit für russische Soldaten sowie freie Hand beim Transport von Munition und Waffen vor.