Jesiden-Aktivistin erhält Vaclav-Havel-Preis

Die vor der Dschihadistenmiliz Islamischer Staat (IS) aus dem Irak geflüchtete Jesidin Nadia Murad ist mit dem diesjährigen Vaclav-Havel-Preis des Europarats ausgezeichnet worden. Die Menschenrechtsaktivistin trage mit ihrem Engagement dazu bei, eine bessere Welt zu schaffen, sagte der Präsident der Versammlung, der spanische Christdemokrat Pedro Agramunt, heute bei der feierlichen Preisverleihung in Straßburg.

Die 23-Jährige gehört der religiösen Minderheit der Jesiden an, die von der IS als „Teufelsanbeter“ verfolgt werden. Sie forderte in ihrer Rede ein internationales Tribunal, das die Verbrechen der IS aufklären soll. Rund 12.000 Jesiden seien Opfer der Miliz geworden. Die Männer seien getötet worden, Frauen und Mädchen ab neun Jahren würden als Sexsklavinnen ausgebeutet. Die Jesiden seien heute Opfer eines Völkermordes, „doch die freie Welt reagiert nicht“.

Selbst „der Hölle“ entronnen

Bis jetzt sei kein einziger IS-Aktivist bestraft worden, unterstrich Murad. Es fehle am politischen Willen, den Jesiden und anderen ethnischen und religiösen Minderheiten zu Gerechtigkeit zu verhelfen. Den Preis widme sie allen vom IS verschleppten Frauen, sagte Murad weiter. Sie seien zu Sexsklavinnen reduziert worden und lebten „in einer Hölle“.

Murad war im August 2014 in ihrem Dorf im Nordirak von IS-Kämpfern entführt worden. Sie wurde nach Mossul gebracht und wiederholt vergewaltigt, bis ihr nach drei Monaten die Flucht nach Deutschland gelang. Seither macht sie auf das Schicksal der Jesiden aufmerksam. Der 2013 geschaffene und mit 60.000 Euro dotierte Havel-Preis ist nach dem 2011 verstorbenen tschechischen Staatspräsidenten und früheren Dissidenten Vaclav Havel benannt.