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Eselfrage als Staatsangelegenheit

Esel sind in China Mangelware. Deshalb importiert es die Tiere massenhaft aus Afrika - mit verheerenden Folgen. Denn dort explodieren die Preise und schwinden die Bestände. Als Lasttiere sind Esel in Afrika unentbehrlich. Einige Länder erklärten die Eselfrage sogar zur obersten Staatsangelegenheit.

Gelatine, die aus Eselshaut oder -knochen hergestellt wird, ist ein wichtiger Bestandteil eines der beliebtesten traditionellen Heilmittel Chinas. Angeblich hilft das unter dem Namen Ejiao bekannte Mittel gegen eine Reihe von Beschwerden - von Erkältungen über Schlaflosigkeit bis hin zu Hautfalten. Begehrt ist es in China außerdem als Potenzmittel.

Population schwindet rasant

Zudem wird Eselfleisch in chinesischen Küchen für Suppen, Eintöpfe und auch als Snack geschätzt. Wegen der hohen Nachfrage schrumpfte die Eselpopulation in China von elf Millionen Ende der 90er Jahre auf heute weniger als sechs Millionen – Jahr für Jahr soll sie um weitere 300.000 Exemplare zurückgehen. Um die Nachfrage trotzdem zu befriedigen, bediente sich China zuletzt zunehmend auf dem Weltmarkt.

Aus Eseln gewonnene Gelatine

Deadkid dk unter cc by-sa

Ejiao wird aus Eselgelatine hergestellt

Nachschub an Eseln kam vor allem aus Afrika. In Niger wurden heuer bereits 80.000 Esel an internationale Händler verkauft, 2015 waren es nicht einmal 27.000. Im Nachbarland Burkina Faso schnellte die Zahl in den ersten sechs Monaten auf 45.000 in die Höhe. In manchen Schlachthöfen habe ein derartiger Hochbetrieb geherrscht, dass sich Anwohner über blutverschmutztes Grundwasser beschwerten, berichten Medien.

Länder verbieten Eselexporte

Burkina Faso verhängte daher Anfang August ein Ausfuhrverbot für Esel, um eine „Ausrottung“ der Art zu verhindern, wie die Regierung erklärte. Auch in Niger nahm der Handel mit Eseln Ausmaße an, dass die Regierung befürchtete, das Land werde lahmgelegt, und die Notbremse zog. Seit Mitte September gilt auch hier ein Ausfuhrverbot.

Esel sind in beiden westafrikanischen Ländern weder Grundlage für Pharma- oder Kosmetikprodukte noch für Delikatessen, vielmehr dienen sie als Verkehrs- und Transportmittel. Der Exportboom ließ die Preise für Esel um ein Vielfaches steigen, sodass sich viele diese Tiere nicht mehr leisten konnten. Millionen Kleinbauern sahen sich in ihrer Existenz bedroht.

Sudanesische Mädchen transportieren Brennholz mit Eseln

APA/AFP/Cris Bouroncle

Esel dienen vielen Afrikanern als Lasttiere

Zudem verlegten sich viele Züchter auf die Eselzucht und stellten das Geschäft mit anderen Tieren wie Ziegen und Schafen ein. Damit schnellten aber auch die Preise für diese in unerschwingliche Höhe, sagt Emmanuel Igbinoba von der südafrikanischen Stellenbosch University. „In Niger und Burkina Faso hatten die gestiegenen Preise für Eselhaut und -fleisch inflationäre Auswirkungen auf andere Sparten“, erklärt Igbinoba, „und verursachten ein ökonomisches Ungleichgewicht.“

Fluch oder Segen?

Regierungen, die mit China Handel treiben, seien dazu verpflichtet, den Handel zu regulieren, damit es zu keiner Schieflage kommt und ganze Bevölkerungsschichten verarmen, sagt der Mitbegründer von China Africa Project, Eric Olander, gegenüber CNN. Allerdings sei fraglich, wie konsequent sich Ausfuhrverbote durchsetzen lassen, schreibt etwa die „Süddeutsche Zeitung“ und verweist auf das Beispiel des Schwarzmarkts mit dem - in China ebenso begehrten - afrikanischen Tierprodukt Elfenbein.

Denn die chinesische Mittelschicht wächst - und mit ihr die Nachfrage nach exotischen Produkten. Auf der Angebotsseite sei Afrika gefordert, damit sich der Fluch in einen Segen verwandle. Eselfarmen - mit entsprechenden Zucht- und Schlachtstandards - könnten eine wichtige Einnahmequelle sein, sagt Olander. Große Volkswirtschaften wie Kenia und Südafrika reagierten bereits auf den chinesischen Nachfrageboom.

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