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Zweischneidige Entwicklung

Nach dem bisherigen Wirtschaftswunder in Afrika stehen die Zeichen wieder auf Abschwung. Das rasante Anwachsen der Bevölkerung galt bis vor Kurzem als einer der großen Anreize, um etwa Investoren, darunter auch multinationale Konzerne anzuziehen, wie die „Financial Times“ („FT“) schreibt.

Doch das hat sich geändert. Trotz des im Vergleich immer noch großen Wirtschaftswachstums in Afrika geben sich jetzt Investoren abwartend. Laut den Prognosen soll sich die Bevölkerung bis ins Jahr 2050 ungefähr verdoppeln. Konzernchefs und Wirtschaftsexperten diskutierten laut das Potenzial einer jungen dynamischen immer größer werdenden Bevölkerungsschicht, die sich einen westlichen Lebensstil aneignen will - von der Kontoeröffnung bis hin zum Kauf des neuesten Smartphones.

Bevölkerung verdoppelt sich laut Prognose

Doch der langsame Preisverfall in einigen Bereichen und das langsam absackende Wachstum der Wirtschaft in den meisten Ländern Afrikas haben ein altes Thema wieder aufleben lassen, wie die „FT“ schreibt. Das Risiko, das mit einer anwachsenden jungen Bevölkerung assoziiert wird: eine Jugend ohne Arbeit, in Armut gefangen und frustriert. Die afrikanische Bevölkerung wächst laut „FT“ um rund 2,6 Prozent jährlich, während in anderen Teilen der Welt die Geburtenrate rückgängig ist.

Staaten schlecht gerüstet

Die Verdoppelung der Bevölkerung in den nächsten drei bis vier Jahrzehnten bedeute eine enorme Herausforderung für die generelle Produktivität, für die Nahrungsmittelproduktion und auch für die Bereiche Gesundheit und Bildung, wie Kevin Watkins, Chef von Save the Children in Großbritannien, der Zeitung sagte.

Die Staaten selbst sind seiner Ansicht nach auf das Bevölkerungswachstum nur unzureichend bis gar nicht vorbereitet. Auch würde zu wenig gegen das Anwachsen der Bevölkerung von staatlicher Seite getan. So mache sich bereits jetzt eine große Jungendarbeitslosigkeit breit. Afrika werde bis 2034 die weltweit größte Bevölkerung im arbeitsfähigen Alter haben, so die Unternehmensberatung McKinsey. Wenn es Arbeit gäbe, wäre diese meist nur in Teilzeit im informellen Bereich angesiedelt, so Watkins. Die hohe Arbeitslosigkeit schlägt sich in den Staaten auch finanziell negativ nieder.

Neue Arbeitsplätze als Grundlage

McKinsey schreibt Afrika noch ein großes Wachstum in vielen Wirtschaftsbereichen zu. Doch die afrikanischen Staaten müssten, um das kapitalisieren zu können, mit dem privaten Sektor - sprich mit den ausländischen Investoren - besser zusammenarbeiten, so die Empfehlung der international tätigen Unternehmensberater. Positiv hervorgehoben wurde auch die rasche Urbanisierung des Kontinents.

Doch vor allem das Schaffen neuer Arbeitsplätze ist für Afrika vordringlich, denn nur so kann die Konsumkultur vorangetrieben werden - ohne regelmäßiges Einkommen kein Einkaufen also. Laut McKinsey braucht es, um die Industrialisierung weiter voranzutreiben, allerdings auch die richtige Ausbildung für die jungen Menschen, denn nur mit ausgebildeten Arbeitskräften könne man Unternehmen anziehen. Dafür sei allerdings auch eine klare staatliche Politik notwendig.

Nigeria als Negativbeispiel

Als eines der größten Sorgenkinder gilt derzeit Nigeria. Es ist das bevölkerungsreichste Land in Afrika mit geschätzten 190 Millionen Menschen und spürt daher auch den Druck am meisten. Die öffentliche Infrastruktur, wie etwa Straßen, Gesundheitsversorgung und Schulen, steht vor dem Kollaps, wie die „FT“ schreibt. Dazu kommen politische Probleme. Das Land befindet sich im Dauerkampf gegen die radikalislamische Terrororganisation Boko Haram.

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