Russland verlängert Waffenruhe in Aleppo erneut

Die Waffenruhe in der umkämpften syrischen Stadt Aleppo wird bis morgen Abend verlängert. Auf Bitten der UNO und anderer internationaler Organisationen werde die „humanitäre Kampfpause“ nochmals ausgeweitet, erklärte das russische Verteidigungsministerium heute.

Die syrischen Regierungstruppen und ihr Verbündeter Russland hatten ihre Angriffe tags davor für zunächst elf Stunden eingestellt und die Waffenruhe dann für den gleichen Zeitraum ausgeweitet. Die Feuerpause ist unter anderem dazu gedacht, Verletzte und Kranke aus Aleppo zu bringen.

Angriffe für Kommissar Kriegsverbrechen

Nach Einschätzung des UNO-Hochkommissars für Menschenrechte, Said Raad al-Hussein, sind die Bombenangriffe der syrischen und russischen Luftwaffe gegen den Ostteil Aleppos eindeutig Kriegsverbrechen. Gezielte Angriffe gegen Zivilisten würden zudem den Tatbestand von Verbrechen gegen die Menschlichkeit erfüllen, sagte Hussein in Genf bei einer Sondersitzung des UNO-Menschenrechtsrates zur Lage in Aleppo.

Auch die Aufständischen würden das humanitäre Völkerrecht verletzen, indem sie Wohngebiete im Westens Aleppos mit Granaten beschießen würden, sagte der UNO-Hochkommissar. Jedoch seien schwere Bombardierungen durch die Regierungstruppen und deren Verbündete für die weitaus meisten Toten unter der Zivilbevölkerung verantwortlich.

Belgische Luftangriffe? Russland protestiert

Russland bestellte unterdessen wegen angeblicher belgischer Luftangriffe auf ein syrisches Dorf den belgischen Botschafter in Moskau ein. Es sei unverständlich, wie Belgien diese Fakten leugnen könne, sagte Vizeaußenminister Wladimir Titow dem Botschafter Alex van Meeuwen.

Die Regierung in Brüssel hat mehrfach Vorwürfe zurückgewiesen, ihre Kampfflugzeuge vom Typ F-16 hätten in der Nacht auf Dienstag einen Ort bei Aleppo angegriffen und dabei Zivilisten getötet.

Angebliche Beweise des russischen Verteidigungsministeriums für eine belgische Beteiligung an dem Angriff seien gefälscht, schrieb Verteidigungsminister Steven Vandeput in einer Stellungnahme. Die russische Seite hatte dem belgischen Verteidigungsattache in Moskau gestern Karten mit den angeblichen Flugrouten der Jets über Syrien vorgelegt. Die Identifizierung der Flugzeuge über ihr Freund-Feind-Erkennungssystem sei aber falsch, sagte Vandeput dazu.

Aus Ärger über die Moskauer Vorwürfe hatte das belgische Außenministerium zuvor den russischen Botschafter in Brüssel einbestellt.