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„Unverhältnismäßig“ und „sehr aggressiv“

Seit Wochen laufen Angehörige des Sioux-Stammes zusammen mit Umweltschützern gegen ein umstrittenes Pipeline-Projekt im US-Bundesstaat North Dakota Sturm. Mit der Räumung der entlang der Trasse errichteten Protestcamps ist die Lage zuletzt aber deutlich eskaliert. Eine Ende des Protests ist dennoch nicht in Sicht: Ein Stammesführer rief am Freitag vielmehr dazu auf, den Kampf fortzusetzen.

Die Trasse der von der kanadischen Grenze durch mehrere US-Bundesstaaten nach Illinois verlaufenden und im Bau befindlichen 1.930 Kilometer langen Dakota Access Pipeline führt in North Dakota auch durch das Stammesgebiet der Standing Rock, wobei die Ölleitung dort auch den Missouri River überquert. Die Sioux befürchten, dass durch die Pipeline ihre Wasserversorgung gefährdet, aber auch Gräber ihrer Vorfahren zerstört werden.

Die US-Regierung hat den Betreiberkonzern schon zweimal aufgefordert, die Arbeiten freiwillig ruhen lassen. Gerichte genehmigten jedoch den Weiterbau der Pipeline. Vor zweieinhalb Wochen nahm das Unternehmen Energy Transfer Partners die Bauarbeiten wieder auf.

Proteste gegen Pipeline

Reuters/Morton County Sheriff's Office

Die Einsatzkräfte bringen sich in Stellung

Großaufgebot der Polizei

Am Donnerstag kam es nun zu den bisher schwersten Auseinandersetzungen zwischen einem Großaufgebot von rund 300 Polizisten und der sich weiter formierenden Protestbewegung. Die Einsatzkräfte setzten unter anderem Pfefferspray ein, um Protestcamps auf Straßen und Privatgrundstücken entlang der Pipeline-Route zu räumen. Nach mehr als fünf Stunden hatten die meisten der mehrere hundert Demonstranten die Protestcamps verlassen, wie die Polizei mitteilte.

Sicherheitskräfte bei Protesten gegen Pipeline

APA/AP/Mike McCleary

Medienberichten zufolge waren rund 300 Polizisten im Einsatz

Einige Demonstranten lieferten sich aber noch bis in die Nacht Auseinandersetzungen mit der Polizei. Sie warfen demnach Brandsätze auf die Beamten und legten Feuer. Noch am Freitag war der Highway 1806 durch ausgebrannte Lkws blockiert. Medienberichten zufolge seien bei den Ausschreitungen auch Schüsse abgefeuert worden. Ein Polizeivertreter dementierte gegenüber dem TV-Sender CBS aber den Einsatz von Schusswaffen. Vielmehr sei eine Frau festgenommen worden, der nun das Abfeuern von drei Schüssen vorgeworfen werde.

Proteste gegen Pipeline

APA/AP/Mike McCleary

Ausgebrannte Lkws auf dem Highway 1806

Mit Woodley-Festnahme in die Medien

Den CBS-Angaben zufolge war am Freitag der Großteil der von den Pipeline-Gegnern errichteten Zelte entfernt - über 140 Menschen wurden festgenommen. Die Polizei sei „sehr aggressiv“ vorgegangen, wie Vertreter von Umweltschutzorganisationen sagten. Kritisiert wurden zudem die drohenden Strafverfahren wegen Übergriffen gegen die Staatsgewalt, Beteiligung an Randalen und unbefugten Betretens von Privateigentum, die den Festgenommenen nun drohen.

Auch der Anführer des Sioux-Stammes Standing Rock, Dave Archambault, kritisierte die jüngste Eskalation scharf und warf der Polizei nach Angaben der Zeitung „Bismark Tribune“ vor, mit Gewalt gegen unschuldige Menschen vorgegangen zu sein. Archambault zufolge habe die Polizei aber nicht zum ersten Mal „unverhältnismäßig“ auf die Pipeline-Proteste reagiert.

Die von der Öffentlichkeit zunächst kaum beachtete Protestbewegung wird vielmehr von Anfang an von teils schweren Auseinandersetzungen mit den Behörden begleitet. Verstärkt ins Blickfeld rückte der Protest gegen die Dakota Access Pipeline schließlich aufgrund prominenter Unterstützung. Unter anderem dank des am 10. Oktober via Facebook live übertragenen Polizeieinsatzes sorgte dabei vor allem die Festnahme von Hollywood-Star Shailene Woodley für reichlich Schlagzeilen.

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