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Auch in Österreich spürbar

Das jüngste Erdbeben in Mittelitalien ist dem Zivilschutz zufolge mit einer Stärke von 6,5 das schwerste Beben in dem Land seit 1980 gewesen. Das sagte der Chef der Behörde, Fabrizio Curcio, bei einer Pressekonferenz am Sonntagmittag. Er bestätigte, dass es weiterhin keine Berichte über Todesopfer gebe, aber um die 20 Menschen verletzt wurden.

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Curcio sagte zudem, dass aktuell niemand gesucht werde. Das Epizentrum des neuen Erdbebens in Mittelitalien hat sich in der Kleinstadt Norcia in Umbrien befunden, dem Heimatort des heiligen Benedikt, der dort im Jahr 480 zur Welt kam. Die Basilika des heiligen Benedikt, Schutzpatron Europas, und die Kathedrale von Santa Maria Argentea stürzten ein. Lediglich Teile der Fassaden blieben erhalten.

15.000 Haushalte ohne Strom

Viele historische Gebäude in der betroffenen Region südöstlich von Perugia sind schwer beschädigt worden. Es kam zu Einstürzen in 40 Gemeinden der Provinz Macerata in der Region Marken. 15.000 Haushalte in der Region sind ohne Strom. Kontrollen wurden durchgeführt, um die Wasserqualität zu prüfen. Die Verkehrsprobleme seien erheblich, berichtete Zivilschutzchef Curcio.

Helfer mir bergen eine Frau aus den Trümmern

APA/AP/Fabrizio Troccoli

Eine Frau wird in Norcia von Rettungskräften in Sicherheit gebracht

Renzi: „Niemand wird allein gelassen“

Der italienische Premier Matteo Renzi versprach den vom neuen Erdbeben betroffenen Gemeinden Hilfe und einen raschen Wiederaufbau. Bei einer Pressekonferenz kündigte Renzi eine Ministerratsitzung am Montag an, bei der Maßnahmen für diese dritte Erdbebenkatastrophe innerhalb von zwei Monaten beschlossen werden sollen.

„Niemand wird allein gelassen. Wir werden alles wieder aufbauen: Häuser, Kirchen und Betriebe“, so Renzi. Seine Regierung sei bereit, mehr Ressourcen für den Wiederaufbau zur Verfügung zu stellen. Die Betroffenen sollen vorübergehend in Hotels an der Adria-Küste untergebracht werden.

Der Papst drückte beim Angelus-Gebet den Betroffenen sein Mitgefühl aus: „Ich bete für die Verletzten und die Familien, die große Schäden erlitten haben, sowie für die Mitglieder der Rettungseinheiten.“

„Arquata gibt es nicht mehr“

Das Beben löste in der Region Marken Panik aus. Menschen liefen auf die Straße, wie die Nachrichtenagentur ANSA berichtete. Dem Zivilschutz sind schwere Schäden gemeldet worden. „Es war ein sehr starker Erdstoß“, sagte Cesare Spuri vom Zivilschutz in den Marken. „Uns wurden Einstürze in Muccia, Tolentino (...) gemeldet, wir versuchen herauszufinden, ob es Menschen unter den Trümmern gibt.“

Der Bürgermeister der kleinen Gemeinde Ussita, Marco Rinaldi, sagte der Nachrichtenagentur ANSA: „Es ist alles eingestürzt.“ In dem Ort hatten bereits die Beben von vergangenem Mittwoch starke Schäden angerichtet. „Ich sehe eine Rauchsäule, es ist ein Desaster, ein Desaster! Ich habe im Auto geschlafen und die Hölle gesehen.“

Aleandro Petrucci, Bürgermeister der Ortschaft Arquata, die bereits am 24. August von einem schweren Erdbeben betroffen war, sagte, dass das ganze Dorf zerstört sei. „Arquata gibt es nicht mehr“, so Petrucci. Der italienische Ministerpräsident Matteo Renzi setzte sich mit dem Zivilschutz in Verbindung, der die Nothilfe in der betroffenen Region koordiniert.

Metrolinien in Rom gestoppt

Die neuen Erdstöße verursachten erhebliche Probleme auf der Via Salaria, der großen Konsularstraße, die Rom mit Umbrien und den Marken verbindet. In Rom wurden vorübergehend die zwei zentralen Metrolinien A und B gestoppt. Es gebe technische Überprüfungen nach dem Beben, war auf der Website der Verkehrsgesellschaft ATAC zu lesen. Den Angaben zufolge gab es auch Verzögerungen im Zugsverkehr.

In Amatrice in der Region Latium, das vom Erdbeben im August besonders stark betroffen war, stürzte der mittelalterliche Turm der dem heiligen Augustin geweihten Kirche ein. Der Turm, dessen Uhr um 3.36 Uhr - Zeitpunkt des verheerenden Bebens am 24. August - stehen geblieben war, galt als Wahrzeichen des zerstörten Amatrice. Er war beim Beben im Sommer noch erhalten geblieben - mehr dazu in religion.ORF.at.

In weiten Teilen Österreichs spürbar

Laut Zentralanstalt für Meteorologie und Geodynamik (ZAMG) wurden die Erschütterungen Meldungen aus der Bevölkerung zufolge auch in weiten Teilen Österreichs deutlich bis stark verspürt. Die Rückmeldungen stammen aus Kärnten, dem Inntal, dem Grazer Becken sowie bis hin nach Salzburg und ins Salzkammergut. Es wurde vor allem aus höheren Stockwerken über ein langsames Schwanken und das Schwingen hängender Gegenstände berichtet.

Zerstörtes Haus in Italien

APA/AP/Alessandra Tarantino

Die Kleinstadt Camerino in der Region Marken war erst am Mittwoch schwer beschädigt worden

298 Todesopfer im August

Erst am Mittwochabend hatten zwei starke Erdstöße die Region erschüttert, die bereits vor zwei Monaten von einem verheerenden Beben heimgesucht worden war. Ein Mann starb, allerdings an den Folgen eines Herzinfarktes. Es gab mehrere Verletzte, Tausende sind obdachlos. Seither hatte es immer wieder leichte und schwere Nachbeben gegeben.

Bei dem schweren Erdbeben Ende August kamen nach offiziellen Angaben 298 Menschen ums Leben, die meisten in dem Ort Amatrice. Die italienische Regierung schätzte die Erdbebenschäden zuletzt auf rund vier Milliarden Euro. Das Land wird häufig von Erdstößen heimgesucht, die immer wieder verheerende Folgen haben.

Mittelitalien ist eine derjenigen Regionen in Europa, die besonders häufig von schweren Erdstößen heimgesucht werden. Immer wieder trifft es die bergige Gegend in den Abruzzen. Grund für die Beben sind riesige Spannungen, die sich im Untergrund aufbauen. Denn der Adriatische Sporn - ein Anhängsel der Afrikanischen Platte - reibt sich hier an der Eurasischen Platte. Auch deshalb haben sich Italiens Mittelgebirge aufgefaltet.

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