Böhmermanns Erdogan-„Schmähkritik“ vor Gericht

Das Landgericht der deutschen Stadt Hamburg setzt sich seit heute mit dem Gedicht „Schmähkritik“ des ZDF-Moderators Jan Böhmermann auseinander. Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan will erreichen, dass das gesamte Gedicht verboten wird.

Beide Parteien siegessicher

Die Vertreter beider Streitparteien gaben sich am ersten Verhandlungstag siegessicher. Böhmermanns Anwalt Christian Schertz sagte, er wolle notfalls durch alle Instanzen gehen. „Ich bin sicher, dass wir - jedenfalls in einer späteren Instanz - gewinnen werden.“

Erdogans Anwalt Michael-Hubertus von Sprenger erneuerte die Vorwürfe des türkischen Präsidenten. „Hier wird unter dem Deckmäntelchen der Kunst schwerste Beleidigung betrieben. Da gibt es keine Abwägung mehr, das ist unzulässig.“ Böhmermann habe Erdogan „als Prototyp des verlausten Türken“ darstellen wollen. „Das ist schlicht rassistisch.“ Das Urteil soll laut Richterin Simone Käfer erst am 10. Februar 2017 verkündet werden.

Einstweilige Verfügung im Mai

Im Mai hatte das Gericht bereits eine einstweilige Verfügung gegen Böhmermann erlassen - seitdem darf er den größeren Teil seines Gedichts nicht wiederholen. Der Moderator hatte es am 31. März in seiner Sendung „Neo Magazin Royale“ vorgetragen.

Die untersagten Passagen muss Erdogan dem Gericht zufolge wegen ihres schmähenden und ehrverletzenden Inhalts nicht hinnehmen. Darin hatte Böhmermann das türkische Staatsoberhaupt unter anderem mit Kinderpornografie und Sex mit Tieren in Verbindung gebracht. Erdogan klagt in Hamburg als Privatmann gegen Böhmermann.