Debatte nach Hofer-Aussagen zu muslimischen Pflegekräften

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Für Verwunderung bei Hilfsorganisationen und Vertretern der Gesundheitsberufe hat eine Aussage von FPÖ-Präsidentschaftskandidat Norbert Hofer gesorgt. „Kennt ihr einen Muslim, der im Pflegebereich arbeitet, der bereit ist, unseren Senioren vielleicht die Windel zu wechseln? Ich kenne das nicht“, sagte Hofer bei einem Wahlkampfauftritt in Tirol, der bereits am 11. November stattfand.

NGOs wie Berufsverband wiesen die Darstellung zurück. Ursula Frohner vom Österreichischen Gesundheits- und Krankenpflegeverband sagte heute gegenüber der APA, die Angaben Hofers seien „nicht korrekt“. Denn alleine im Wiener Krankenanstaltenverbund würden Kollegen und Kolleginnen „aus 70 verschiedenen Nationen“ arbeiten - „natürlich mit dem dementsprechenden ethnischen Hintergrund“. Das sei auch wichtig, weil man aus diesem Bereich ebenso Patienten zu versorgen habe.

Keine offiziellen Zahlen

„Natürlich“ gebe es auch muslimische Kolleginnen - „auf Geburtenstationen, in der Kranken- und Altenpflege“, sagte Frohner auch gegenüber dem „Standard“. Sie verwies auch auf einen Tweet des Wiener Caritas-Generalsekretärs Klaus Schwertner, wonach alleine bei der Caritas der Erzdiözese Wien mehr als 130 Menschen mit muslimischem Glaubensbekenntnis tätig seien.

Schwertner präzisierte via Kurznachrichtendienst, dass diese Zahlen auf freiwillige Angaben von Mitarbeitern basieren - „es werden wahrscheinlich mehr sein“, twitterte er. Über offizielle Zahlen verfügt die Caritas nicht, da man über die Religionszugehörigkeit der Mitarbeiter keine Statistiken führt.

Auch die Bundesarbeitsgemeinschaft Freie Wohlfahrt (BAG) (in der die großen Trägerorganisationen Caritas, Diakonie, Hilfswerk, Rotes Kreuz und Volkshilfe zusammengeschlossen sind) wies Hofers Aussagen zurück. „In allen Organisationen der BAG sind im Pflegebereich Menschen mit unterschiedlichen religiösen Glaubensbekenntnissen beschäftigt, darunter selbstverständlich auch Muslime“, sagte der aktuelle Vorsitzende der BAG, Michael Opriesnig, in einem Statement gegenüber der APA.