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Unliebsame Belehrungen

„Mansplaining“ - vielen Frauen muss das Phänomen nicht erklärt werden, sie kennen es nur zu gut: Ein Mann hält einer Frau ungebeten einen belehrenden Vortrag. Dabei übersieht oder ignoriert er, dass sein weibliches Gegenüber mit dem Thema ohnehin bestens vertraut ist - ein großes Problem in der Arbeitswelt, findet die schwedische Gewerkschaft Unionen.

Sie richtete für diese Woche eine temporäre Hotline ein, an die sich „Mansplaining“-Opfer wenden können - weltweit eine Novität. 20 Beraterinnen aus Politik, Kultur und Wissenschaft nehmen die Anrufe entgegen und halten Tipps bereit, wie „Mansplaining“ wirksam zu kontern sei. Aber auch „Mansplainern“ solle geholfen werden, ihr Verhalten besser in den Griff zu bekommen.

Wenn Männer erklären

„Mansplaining“ ist eine Wortneuschöfpung aus den englischen Wörtern „man“ (Mann) und „explain“ (erklären). Ein Essay der US-Autorin Rebecca Solnit 2008 diente als Initialzündung für das Aufkommen des Begriffs.

„Männer überschätzen sich“

„Wir wollen Bewusstsein schaffen und eine Debatte starten in der Hoffnung, damit einen ersten Schritt zur Verhaltensänderung am Arbeitsplatz getan zu haben“, sagte Gewerkschaftssprecherin Jennie Zetterström am Mittwoch laut „New York Times“. Die Gewerkschaft beruft sich auf eine Studie der American Psychological Association, wonach Männer dazu tendierten, ihre Intelligenz zu überschätzen. Zudem sei ihre Selbstsicherheit größer als die von Frauen - vor allem, je älter ein Mann ist. Diesen Problemen wolle man am Arbeitsplatz entgegenwirken.

Ruf nach „Female Whining“-Hotline

Seit Bekanntwerden der Kampagne reißt die Debatte darüber in Sozialen Netzwerken nicht ab. Auf der Facebook-Seite von Unionen sorgte sie für einigen Wirbel. „Und da wundert man sich, dass Rechtspopulismus stärker wird. Ihr seid zurückgeblieben“, war da laut einem Bericht in der schwedischen Onlinezeitung The Local etwa zu lesen. Kritische Stimmen wiesen darauf hin, dass die Hotline zur generellen Polarisierung beitrage - wo jeder entweder Aggressor oder Opfer sei.

Andere drehten den Spieß um: „Wie würden denn Frauen reagieren, wenn Ihr ein Female Whining (weibliches Jammern, Anm.) einrichtet?“ Es sei nur fair, wenn sich auch Männer via Hotline über ihre Kolleginnen beschweren dürften.

Unglückliche Wortwahl?

Einige finden, dass der Begriff „Mansplaining“ irreführend sei und entfernt werden müsse, da das Phänomen nicht geschlechtsspezifisch sei. Andere begrüßen die „Mansplaining“-Hotline. „Eine gute Initiative. Wenn man die Kommentare beurteilt, sieht es ganz so aus, als würden sich viele Männer angesprochen fühlen“, heißt es in einem Kommentar.

In der Gewerkschaft Unionen herrsche unterdessen Freude über das Echo auf ihre Initiative, heißt es auf Facebook. Jeder profitiere, wenn Unterdrückungsmechanismen aufgezeigt und diskutiert würden. „‚Mansplaining‘ muss nicht immer absichtlich geschehen, und es muss auch nicht immer ein Mann sein, der einer Frau etwas erklärt. Männer machen es bei anderen Männern, aber auch Frauen wenden das an“, begegnet die schwedische Gewerkschaft der mehrfach geäußerten Kritik. Offen ist vorerst, wie viele Männer anrufen, um zu erklären, was die Aufgabe der Hotline sei.

Doris Manola, ORF.at

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