Hofer will „Gegengewicht“ zu Deutschland und Frankreich

Wie das Nachrichtenmagazin „profil“ in seiner Montag erscheinenden Ausgabe berichtet, äußerte sich FPÖ-Kandidat Norbert Hofer in einem Gespräch mit dem dänischen Schriftsteller Carsten Jensen ungewohnt offen zur Rolle Österreichs in Europa. Das Interview wird am 4. Dezember in der schwedischen Tageszeitung „Dagens Nyheter“ erscheinen.

Suche nach „Verbündeten“ in Mittel- und Osteuropa

In dem Tonbandmitschnitt, der dem Magazin vorliegt, sagte Hofer: „Wir haben einerseits die großen Player Frankreich, Deutschland, früher die Briten und die Beneluxstaaten, die sehr stark sind. Ich suche Verbündete für ein neues Modell, das kann Ungarn sein, die Tschechische Republik, Rumänien, Serbien, Slowenien, Kroatien, also Länder mit einer ähnlichen Kultur.“ Man sei einmal in einer Monarchie gewesen und könne „vielleicht vor Ratssitzungen die Linie abstimmen, damit wir dort mehr Gewicht bekommen“. Ein Gegengewicht aufzubauen, betrachtet Hofer als seine „große Aufgabe, wenn ich diese Wahl gewinne“.

Tschechischer Ex-Präsident wirbt für Hofer

Passend dazu holte sich Hofer bereits Schützenhilfe aus Tschechien: Der ehemalige Präsident Vaclav Klaus referierte gestern Abend bei einem Symposion zum Thema „Massenmigration nach Europa“. Dabei herrschte Einigkeit zwischen dem Autor des Buchs „Völkerwanderung“, FPÖ-Chef Heinz-Christian Strache, Hofer und dem Publikum.

Vehementer EU-Kritiker

Das FPÖ-Bildungsinstitut sowie der Liberale Klub hatten gemeinsam zu der Zusammenkunft im Kursalon Hübner geladen, die bereits zu Beginn eher eine Mobilisierung der eigenen Anhängerschaft wurde. „Sehr geehrter Herr Präsident“, grüßte Klaus auch gleich zu Beginn Hofer. Der ehemalige tschechische Spitzenpolitiker war mit Plänen für eine Antieinwanderungsplattform in den Schlagzeilen und gilt als einer der schärfsten EU-Kritiker. Auch einen EU-Austritt Tschechiens, „Czexit“, schließt er nicht aus.

Dementsprechend goutiert wurde das Referat Klaus’ auch vom FPÖ-Publikum: Er warnte vor Massenmigration und deren „negativen Konsequenzen für die Zukunft der Gesellschaft“ und sah sogar bereits einen „Krieg in Europa“ toben - „bisher zum Glück nur ein Krieg der Ideen und Interpretationen“. Das freie Denken werde immer mehr unterdrückt, alles von einer politisch korrekten Elite, die nur beabsichtige, Fremde nach Europa zu schleusen. Nebenbei stellte Klaus noch den Klimawandel in Abrede.

Hofer ortet Versuche, ihn zu verhindern

Die freiheitliche Präsidentschaftshoffnung Hofer selbst gab sich wie gewohnt besonnener, hielt aber fest: „Ich verspreche Ihnen, dass ich in dieser Funktion unbeugsam sein werde.“ Allerdings ortet Hofer auch weiterhin großen Widerstand gegen ihn als möglichen Präsidenten. „Ich bin mir sicher, dass alles versucht wird, diesen Wahlsieg zu verhindern“, meinte er vor den jubelnden Anhängern. Aber: „Wir dürfen die Welt nicht den Marxisten, Kommunisten oder den Grünen überlassen.“