Themenüberblick

Die Bandbreite des Lebens

Science-Fiction, Selfies, Katzen auf der einen Seite, der Nahost-Konflikt und die harte Lebensrealität im Kaukasus auf der anderen Seite: Die Romane dieser Saison geben die Bandbreite des Lebens wieder.

Superreich und tiefgekühlt

In seinem jüngsten Roman „Null K“ folgt der US-Romancier Don DeLillo seinen Protagonisten in eine zentralasiatische Wüste. An diesem Nicht-Ort hat sich der Multimilliardär Ross Lockhart gemeinsam mit anderen Oligarchen die Anlage „Convergence“ eingerichtet. Die dazugehörige Organisation versetzt finanzkräftige Zeitgenossen in Tiefkühlschlaf, bis die Wissenschaft Heilmittel für ihre Krankheiten gefunden hat. Ein gut abgehangener Gedanke, aber DeLillo führt ihn mit Meisterschaft aus. Im Grunde geht es um die Frage, welche Sorte Pyramide sich die Pharaonen der Gegenwart bauen würden.

Don DeLillo: Null K. Kiepenheuer & Witsch, 288 Seiten, 20,00 Euro.

Ewiger Winter in Ungarn

Viele ungarische Intellektuelle verlassen mit dem Erfolg ihr Land. Zu rau ist dort mittlerweile das politische Klima. Laszlo Darvasi blieb. Die vorliegende Novellensammlung wurde vom Wiener Übersetzer Heinrich Eisterer behutsam ins Deutsche übertragen. In knappen Sätzen entwerfen Darvasis Geschichten den ungarischen Alltag als düsteres Schlachtengemälde, in dessen zerklüfteten Landschaften sich die ohnehin schon Deformierten und Versehrten wie unter Zwang weiter verletzen. Keine Feelgood-Lektüre, eher ein Warnruf aus einer Gegend, der die Menschlichkeit abhanden kam.

Laszlo Darvasi: Wintermorgen. Novellen. Suhrkamp, 345 Seiten, 24,70 Euro.

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Neues von der grünen Insel

Der irische Autor Donal Ryan wurde für „Die Gesichter der Wahrheit“ (Originaltitel „The Spinning Heart“) mit dem Irish Book Award und dem Guardian First Book Award ausgezeichnet – jetzt gibt es Ryans zweiten Roman endlich auf Deutsch. 21 Menschen erzählen in ebenso vielen Kapiteln von ihrem Leben nach der Finanzkrise. Durch die verschiedenen Ich-Erzähler und den ständigen Perspektivenwechsel entsteht – stellvertretend für ein ganzes Land - das ungeheuer facettenreiche, komplexe und berührende Sittenbild eines kleinen Dorfes, das vom Wohlstand in die Hoffnungslosigkeit rutscht.

Donald Ryan: Die Gesichter der Wahrheit. Diogenes, 256 Seiten, 22,70 Euro.

Romeo und Julia im Kaukasus

Mit 25 gilt man im Kaukasus schon fast als alte Frau. Höchste Zeit, dass Patja, die aus Moskau in ihre Heimat zurückgekehrt ist, unter die Haube kommt. Doch der, den sie ehelichen soll, entspricht so gar nicht ihren Vorstellungen. Sie verliebt sich in den jungen Anwalt Marat, für den seine Eltern wiederum eine ganz andere Braut vorgesehen haben. Werden sich die beiden trotzdem kriegen? Alissa Ganijewa hat mit „Eine Liebe im Kaukasus“ eine zarte, rebellische Liebesgeschichte geschrieben, die mitten in einer postsowjetischen, von globalisierten Lebensformen geprägten Gesellschaft spielt.

Alissa Ganijewa: Eine Liebe im Kaukasus. Suhrkamp, 239 Seiten, 22,70 Euro.

Katzenbilder einmal anders

Die Katzen, die sein Leben begleitet haben, bilden den Rahmen für Peter Henischs Erinnerungen an seine Kindheit im Wien der Nachkriegszeit. Als Standpunkt wählt er den Blick aus den Fenstern, aus denen er die Welt um sich herum betrachtet hat. Mit „Suchbild mit Katze“ knüpft der Wiener Autor an seine Romane „Die kleine Figur meines Vaters“ und „Eine sehr kleine Frau“ an und überzeugt einmal mehr durch seinen heiter-melancholischen Stil, der unerwartet leichtfüßig daherkommt. Ein Lesevergnügen.

Peter Henisch: Suchbild mit Katze. Deuticke, 204 Seiten, 20,60 Euro.

Neuauflage eines „Unsittenromans“

Nachdem „Der heilige Skarabäus“ 1909 erstmals erschienen war, wurde das Buch schon bald als „Unsittenroman“ verdammt. Die damals bereits weithin bekannte Verfasserin Else Jerusalem warf darin einen schonungslosen Blick auf die Vergnügungssucht und das Laster des Großbürgertums im Wien des ausgehenden 19. Jahrhunderts. Jerusalem schrieb über das Leben der Prostituierten und entlarvte die liederliche Moral der Bourgeoisie. Heute mindestens so spannend zu lesen wie damals.

Else Jerusalem: Der heilige Skarabäus. DVB, 630 Seiten, 24,90 Euro.

Trügerische Idylle auf dem Land

Stadtleben, Landleben - wer das eine nicht hat, sehnt sich oftmals nach dem anderen. Was aber, wenn man erkennt, dass sich beide Lebenswelten im Innersten gar nicht unterscheiden? Die niederösterreichische Autorin Marlen Schachinger erzählt in „Martiniloben“ die Geschichte von Mona, die „ans Ende der Welt“ zieht, um dem Stress und der Heuchelei der Großstadt zu entfliehen. Dort merkt sie jedoch schnell, dass das ländliche Idyll trügt. Zum Martiniloben, dem großen ländlichen Saufgelage, gerät ihr neues Leben aus den Fugen.

Marlen Schachinger: Martiniloben. Septime, 504 Seiten, 24 Euro.

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Die Spelunke am Ende der Welt

Der in Graz lebende Kongolese Fiston Mwanza Mujila erzählt in seinem Debütroman die atemlose Geschichte zweier ungleicher Freunde, die sich nach Jahren an einem gottverlassenen Ort mitten in einer afrikanischen Großstadt wiedersehen. Das titelgebende „Tram 83“ ist eine Spelunke, wo Prostituierte, Taschenspieler, Transvestiten, Organhändler und Drogendealer aufeinandertreffen. Mitten unter ihnen der Schriftsteller Lucien und der Gauner Requiem, zwei verlorene Seelen, die ums nackte Überleben kämpfen.

Fiston Mwanza Mujila: Tram 83. Zsolnay, 208 Seiten, 20,60 Euro.

Foers fulminantes Comeback

Die Erde bebt, es tadelt der Rabbi, Eheleute ersetzen das Gebet durch rauschige Sexrituale, und Israel ist im Krieg mit seinen Nachbarn. Drunter macht es Jonathan Safran Foer in „Hier bin ich“ nicht - einem Familienroman, der von Situationskomik, den Marotten seiner Protagonisten und den vor Ironie triefenden Dialogen lebt. Es ist Foers erster Roman seit elf Jahren, in der Zwischenzeit hatte der 39-jährige New Yorker mit dem Sachbuch „Tiere essen“ die Debatte über Massentierhaltung gepusht, für HBO an einer Serie gearbeitet und seitenweise E-Mails mit Natalie Portman ausgetauscht. Die Erwartungen der Leserschaft waren nach der langen Wartezeit entsprechend hoch.

Jonathan Safran Foer: Hier bin ich. Kiepenheuer und Witsch, 688 Seiten, 26,80 Euro.

Frauenfreundschaft auf Italienisch

Elena Ferrante gilt als das große Phantom der Gegenwartsliteratur, denn keiner weiß, wer sich hinter diesem Pseudonym verbirgt. In ihrem neuen Roman (Teil eins von vier) „Meine geniale Freundin“ erzählt sie von der komplizierten Freundschaft zweier sehr unterschiedlicher italienischer Frauen, die sich von den 1950er Jahren bis ins Jahr 2010 erstreckt. Ferrante verschränkt die Geschichten von sieben Familien ineinander und erschafft unter Aufbietung zahlreicher Figuren ein Panorama neapolitanischer Zeitgeschichte. Fortsetzung folgt im Jänner.

Elena Ferrante: Meine geniale Freundin. Suhrkamp, 422 Seiten, 20,70 Euro.

Eine Frau hängt in den Seilen

In ihrem zweiten Roman „FanniPold“ schildert die oberösterreichische Autorin Karin Peschka die Geschichte eines Absturzes im doppelten Sinn: Ihre Helden Fanni und Poldi sind aus dem Leben gefallen, und die unsanfte Landung in einer Tanne nach einem missglückten Fallschirmsprung ist nur eines ihrer Probleme. Eine sorgsam gearbeitete Geschichte über die Ödnis der Provinz, eine folgenreiche Lüge und die Zudringlichkeit von Ameisen, in der ein erfundener Tumor eine Hauptrolle spielt.

Karin Peschka: FanniPold. Otto Müller Verlag, 309 Seiten, 21 Euro.

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Hartlieb buchwandelt wieder durch Wien

Buchhändlerin und Bestsellerautorin Petra Hartlieb hat wieder einmal beides miteinander verbunden. In dem dünnen Buch mit dem wunderschönen Cover und dem Titel „Ein Winter in Wien“ erzählt sie eine kleine, unscheinbare Geschichte, die mit einer Buchhandlung zu tun hat. Denn Marie, die seit neuestem Kindermädchen im Hause Arthur Schnitzlers ist, verliebt sich in einen jungen Buchhändler. Die Konventionen der Zeit stehen den beiden zunächst im Weg. Literatur, Theater, das verschneite alte Wien und die Liebe: ein Buch für zwei Genussabende vor dem warmen Ofen. Aufgrund der einfachen Sprache und kurzen Sätze auch - aber nicht nur - für Teenager ein Gewinn.

Petra Hartlieb: Ein Winter in Wien. Kindler, 175 Seiten, 17,50 Euro.

Pauschalreise war gestern

Wer der Dezember-Kälte zumindest in Gedanken entfliehen möchte, wird mit Martin Amanshausers Geschichtensammlung „Typisch Welt“ seine Freude haben. In 111 Kapiteln reist der Wiener Autor in 77 Länder und bringt Erfahrungen mit, die nicht nur in praktischer Hinsicht nützlich sind. Egal ob Goa, Kuba, Monaco oder Kirgistan - immer wieder hat Amanshauser verblüffende Begegnungen, von denen er auf höchst vergnügliche Weise erzählt. „Martin Amanshauser ist der am weitesten gereiste Mensch, den ich kenne“, sagt Daniel Kehlmann.

Martin Amanshauer: Typisch Welt. Picus, 240 Seiten, 20,70 Euro.

Ein Pandabär am Puls der Zeit

Zigtausende Euro gehen jede Nacht durch Pias und Julians Hände – die beiden befüllen die Geldautomaten Wiens. Eines Tages fragen sie sich, wie groß die Summe für einen gemeinsamen Neuanfang in einem anderen Teil der Welt wohl sein müsste. Ein rasantes Abenteuer beginnt, in dem auch ein arrivierter Maler und ein kleiner Pandabär eine Rolle spielen. Clemens Berger fühlt in „Im Jahr des Panda“ der nervösen Gegenwart den Puls und geht der Frage nach, ob Geld glücklich macht. Vom schrillen Kunstbetrieb über kleinere Gaunereien bis zum Gesellschaftsumsturz – 670 Seiten, die überraschend kurzweilig sind.

Clemens Berger: Im Jahr des Panda. Luchterhand, 670 Seiten, 24,70 Euro.

Lebensbeichte eines Predigers

John Ames, Pastor in der Kleinstadt Gilead im Mittleren Westen der USA, liegt im Sterben. Er hat in fortgeschrittenem Alter die junge Lila geheiratet, die beiden haben einen kleinen Sohn. Im Bewusstsein, dass das Kind sich bald nur noch bruchstückhaft an ihn erinnern wird, schreibt der Prediger ihm einen langen Brief. Dieser Brief ist „Gilead“. Ames erzählt darin seine Geschichte und die seiner Familie, von Krieg und vom Kampf gegen die Sklaverei, von Liebe, Verlust und Glaubenskrisen. Eine herzzerreißende Geschichte, fabelhaft erzählt.

Marilynne Robinson: Gilead. S. Fischer, 320 Seiten, 20,60 Euro.

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Selten gelesene Giftigkeit

Muriel Axon ist zurück: Nach den keineswegs rätselhaften Sterbefällen in ihrer Familie verbrachte die umnachtete Muriel Jahre in der Psychiatrie. Nun ist sie auf freiem Fuß und entschlossen, alle zu bestrafen, von denen sie sich ungerecht behandelt glaubt, allen voran die Nachbarn. Der Mikrokosmos, den Mantel schon mit „Jeder Tag ist Muttertag“ und dann auch im nun auf Deutsch erschienenen „Im Vollbesitz des eigenen Wahns“ geschaffen hat, trieft vor selten gelesener Giftigkeit. Gleichzeitig unterhält man sich damit hervorragend, die Geschichte der Verstrickungen zweier Familien ist fesselnd und abstoßend zugleich.

Hilary Mantel: Im Vollbesitz des eigenen Wahns. Dumont, 288 Seiten, 23,70 Euro.

Vom Rad in den Raumanzug

Es ist der Morgen nach Halloween im Jahr 1988 in einem Vorort in den USA: Vier zwölfjährige Zeitungsmädchen liefern wie gewohnt den „Cleveland Preserver“ aus. Als der toughen Runde dabei von mysteriösen Unbekannten ein Walkie-Talkie gestohlen wird, radeln sie direkt in das Sci-Fi-Abenteuer ihres Lebens. Der bis dato nur auf Englisch erschienene Comic von Brian K. Vaughan („Saga“) und Zeichner Cliff Chiang („Wonder Woman“) trumpft mit reichlich Nostalgiecharme, Schmäh und Unterton auf. Nicht nur für junge Leser und Fans von „Stranger Things“ zu empfehlen.

Brian K. Vaughan, Cliff Chiang: Paper Girls Volume 1. Image Comics, 144 Seiten, 3,70 Euro (digital), 10,99 Euro (Print).

Geister und Zauberer in Marokko

Der junge Bankier Patrick Elff wurde wegen Betrugs verhaftet. Nachdem ihm die Flucht aus dem Düsseldorfer Polizeipräsidium gelungen ist, beginnt für ihn eine gefährliche Reise. Er flieht nach Marokko und mietet sich im Haus der Patronin Khadija ein. Diese ist Prostituierte und Kupplerin, Geldverleiherin, Zauberin und Prophetin. „Mogador“ ist Kriminalfall und Seelenreise zugleich, wo präzise Wirklichkeitsbeobachtung und ausschweifende Phantastik aufeinandertreffen, und Martin Mosebach ist ein begnadeter Erzähler, der mit eleganter Leichtigkeit über die arabische Welt schreibt.

Martin Mosebach: Mogador. Rowohlt, 368 Seiten, 23,60 Euro.

Ransmayr und das Wesen der Zeit

Für den deutschen Literaturkritiker Denis Scheck ist es das Buch des Jahres, die „Frankfurter Allgemeine Zeitung“ vergleicht es mit dem seinem Bestseller „Die letzte Welt“: Christoph Ransmayrs neuer Roman „Cox oder Der Lauf der Zeit“ führt ins China des 18. Jahrhunderts, wo der berühmte britische Uhrmacher und Automatenhersteller Alister Cox für den chinesischen Kaiser spezielle Zeitmessungsautomaten bauen soll - ein, wie sich herausstellt, gefährlicher Auftrag. Ransmayr inszeniert ihn temporeich und farbenprächtig – und verbindet ihn mit einer philosophischen Reflexion über das Wesen der Zeit.

Christoph Ransmayr: Cox oder Der Lauf der Zeit. S. Fischer, 304 Seiten, 22,70 Euro.

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Die Stimme aus dem Uterus

„So, hier bin ich, kopfüber in einer Frau.“ Schon der erste Satz in Ian McEwans neuem Roman „Nussschale“ katapultiert einen mitten in ein ungewöhnliches Setting: Die Geschichte wird aus der Perspektive eines Fötus im Mutterleib erzählt. Das aufgeweckte und durchaus gebildete Baby steht zwei Wochen vor dem Geburtstermin und ist alles andere als zufrieden mit der Familie, in die es geboren wird. Mutter Trudy betrügt ihren Ehemann John mit dessen Bruder Claude, von dem man nicht weiß, ob er mehr an der Frau oder dem Haus seines Bruders interessiert ist. Mit einer intelligenten Portion Albernheit ist McEwan ein lesenswertes Stück Unterhaltungsliteratur gelungen.

Ian McEwan: Nussschale. Diogenes, 288 Seiten, 22,70 Euro.

Blut auf dem Asphalt

Mit „Hool“ hat der junge deutsche Autor Philipp Winkler ein bemerkenswertes Romandebüt vorgelegt. Das Buch ist aus Sicht der Hannoveraner Hooligan Heiko Kolbe geschrieben, entsprechend rau ist der Ton, was bei deutschen Kritikern nicht nur auf Zustimmung stieß. Die Schläger mit dem Ehrenkodex sind Kolbes Ersatzfamilie, bis einer nach dem anderen die Szene für Familie und Karriere verlässt. Kolbe, der sich zunehmend alleingelassen fühlt, reagiert auf seine Weise - die letzte, prestigeträchtige Konfrontation mit den Erzrivalen aus Braunschweig soll die Clique wieder zusammenschweißen.

Philipp Winkler: Hool. Aufbau Verlag, 310 Seiten, 19,95 Euro.

Alptraum im Sommer der Liebe

Die 14 Jahre alte Evie Boyd schließt sich im Sommer 1969 einer Hippie-Kommune an. Fasziniert von ihrer älteren Freundin Suzanne gerät die Jugendliche immer tiefer in die Fänge von Sektenführer Russell. Die US-amerikanische Autorin Emma Cline macht in ihrem Debütroman „The Girls“ Abhängigkeitsmuster auf meisterhafte Art und Weise sichtbar. Und so gehört „The Girls“ zu den besten Büchern, die 2016 erschienen sind.

Emma Cline: The Girls. Hanser, 352 Seiten, 22,70 Euro.

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ORF.at/Lukas Krummholz

Hommage an die Männer

Die Autorin und Schauspielerin Mary-Louise Parker hat Briefe an die Männer ihres Lebens geschrieben. In 32 Liebeserklärungen schreibt sie an ihren verstorbenen Vater, den sie schmerzlich vermisst, an ihren Großvater, den sie nie kennengelernt hat, an ihren Sohn, den sie abgöttisch liebt. Sie schreibt ehemaligen Liebhabern und den Wildfremden, die der Zufall manchmal zu Zeugen in unerwarteten Momenten macht. Da ist der Schauspiellehrer, der sie fast durchfallen lässt, der zukünftige Mann ihrer Tochter, der Krebskranke, mit dem sie eine kurze, innige Freundschaft schließt. „Die Männer meines Lebens“ ist ein warmherziges und kluges Buch voller Dankbarkeit.

Mary-Lousie Parker: Die Männer meines Lebens. S. Fischer, 288 Seiten, 20 Euro.

Vom absoluten Geschmackssinn

Ein elfjähriges Mädchen, das seltene Chilisorten im Kasten züchtet, wird zu einer Weltklasseköchin, für deren Dinner man vierstellige Beträge bezahlen muss. In „Die Geheimnisse der Küche des Mittleren Westens“ erzählt der kalifornische Autor J. Ryan Stradal die Lebensgeschichte von Eva, die über den absoluten Geschmackssinn verfügt. Aus der Perspektive der Menschen, die Evas Wege kreuzen, wird ein Netz gesponnen, dessen Fäden oft nur lose miteinander verbunden sind. Was dabei herauskommt, ist ein ungewöhnlicher Roman, der seine Leser fordert und bis zum Ende fesselt.

J. Ryan Stradal: Die Geheimnisse der Küche des Mittleren Westens. Diogenes, 432 Seiten, 24,67 Euro.

Johanna Grillmayer, Günter Hack, Simon Hadler, Sonia Neufeld, Philip Pfleger, alle ORF.at; Maya McKechneay, Paula Pfoser, für ORF.at

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