UNO: Assad nutzt Vakuum nach US-Wahl für Offensive

Der Syrien-Sondergesandte der UNO, Staffan de Mistura, ist überzeugt, dass der syrische Präsident Baschar al-Assad die Zeit bis zum Amtsantritt des neuen US-Präsidenten Donald Trump für eine zerstörerische Offensive nutzen will.

Regierung wolle Konflikt „schnell und militärisch“ gewinnen

Er habe bei seinem Besuch in Damaskus am vergangenen Wochenende den Eindruck gewonnen, „dass die Regierung im Moment sehr zuversichtlich ist, dass sie diesen Konflikt schnell und militärisch gewinnen kann“, sagte er heute.

Assad spekuliere wohl darauf, seine Gegner durch eine Eroberung von Ost-Aleppo völlig zu demoralisieren. Diese Strategie werde aber nicht aufgehen. Der syrische Außenminister Walid al-Muallim hatte am vergangenen Wochenende einen Vorschlag De Misturas für eine Waffenruhe in Aleppo abgelehnt.

Berichte über Giftgaseinsatz

Tatsächlich rücken die syrischen Truppen seit Tagen vor. Die Kämpfer von Machthaber Baschar al-Assad hätten fast ein Drittel des von Rebellen kontrollierten Bezirks Masakin Hanano im Norden der Enklave eingenommen, berichtete die oppositionsnahe Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte mit Sitz in Großbritannien.

Helfer retten eine Person aus Trümmern in Aleppo

APA/AFP/Thaer Mohammed

Die Beobachtungsstelle wirft der Regierung zudem vor, erneut Giftgas in Rebellengebieten eingesetzt zu haben. Bewohner bestätigten die Informationen. Angaben über Verletzte oder Getötete gab es zunächst nicht.

Lawrow wirft De Mistura Sabotage vor

Indes warf Russlands Außenminister Sergej Lawrow De Mistura vor, die Friedensgespräche für Syrien zu „sabotieren“. Die UNO sabotiere seit mehr als sechs Monaten „in der Person“ De Misturas die UNO-Resolution 2254, die innersyrische Verhandlungen „ohne Vorbedingungen“ vorsehe, sagte Lawrow im weißrussischen Minsk.

Die syrische Regierung und die „patriotische“ Opposition hätten deshalb keine andere Wahl, als „selbst die Initiative zu ergreifen und einen innersyrischen Dialog zu organisieren“.