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Dating-Apps für die Liebessuche

Die zur ProSiebenSat.1-Gruppe gehörende Parship Elite Group ist eine jener Adresse für Menschen, die sich binden wollen. Noch machen Dating-Apps dem Unternehmen wenig Konkurrenz, weil viele Nutzer auf das wissenschaftsbasierte „Matching“ vertrauen und App-User doch nur „das eine“ wollen. Neue Apps beginnen jedoch, sich zunehmend von der Suche nur über das Profilfoto zu entfernen.

Es ist noch gar nicht so lange her, dass User von Partnervermittlungs- und Singlebörsen sowie Social-Dating-Apps gerne in Schubladen gesteckt wurden. Während die mobile Dating-App Tinder beispielsweise meist als unseriöse „Sex-App“ abgestempelt wurde, galten Parship & Co. meist als Auffanglager der Einsamen und Unvermittelbaren.

Onlinepartnersuche nichts Außergewöhnliches mehr

Mittlerweile trifft die Onlinepartnersuche in Österreich auf soziale Akzeptanz. In der Vergangenheit noch als der „letzte Ausweg“ für „einsame Herzen“ stigmatisiert, spielt sich nun auch die Suche nach einem Partner, einem Flirt oder einer sexuellen Beziehung großteils im Internet ab.

Laut einer aktuellen Umfrage der Onlinepartnervermittlung Parship gaben 64 Prozent der 18- bis 69-Jährigen an, man lerne seinen Partner im Internet kennen. So findet gemäß der Umfrage inzwischen jeder vierte Österreicher seinen Partner im Netz.

Partnervermittlungsbörsen dominieren den Markt

Onlinepartnervermittlungen sind Spitzenreiter, neue Social-Dating-Apps mit unterschiedlichen Suchalgorithmen ließen jedoch nicht lange auf sich warten. Letztere gewinnen vor allem deshalb an Bedeutung, weil sie mobil genutzt werden können, häufig kostenlos sind und nur relativ wenig Aufwand bei der Anmeldung betrieben werden muss.

Trotzdem dominieren die kostenpflichtigen Partnerbörsen immer noch den Großteil des Geschäfts mit der Liebe. Die „Big Five“ sind C-Date, eDarling, die beiden mittlerweile zusammengehörenden ElitePartner und Parship, sowie LoveScout24 (ehemals FriendScout24).

Neue Wege für Parship

Obwohl Partnervermittlungsbörsen ihre Nutzer nicht signifikant an Dating-Apps verlieren, will die Parship Elite Group - eines der größten Online-Partnervermittlungsunternehmen im deutschsprachigen Raum - neue Wege gehen. Fünfzig Prozent und eine Aktie der einstweilig verschuldeten Parship Elite Group wurden von der Pro-Sieben-Sat.-1-Gruppe übernommen. Der TV-Konzern zielt darauf ab, unabhängiger von Einnahmen aus der Fernsehwerbung zu werden und sein digitales Geschäft weiter auszubauen.

Probleme durch intransparente Kündigungen

Intransparente Kündigungsmöglichkeiten haben die Börsen in der Vergangenheit häufig in Verruf gebracht, die Nutzerzahlen von Parship sind – laut eigenen Angaben – jedoch gleich geblieben.

Parship wurde zuletzt von der Verbraucherzentrale vor dem Landgericht Hamburg geklagt, weil Nutzern – trotz Einhaltung der zweiwöchigen Kündigungsfrist – 75 Prozent des für die gesamte Laufzeit des Vertrags vereinbarten Entgelts als Wertersatz in Rechnung gestellt wurden. Auch bei Lovescout24 gab es ähnliche Fälle – zusätzlich gab es auch Vorwürfe, dass sich dort viele Fakes und Scammer-Profile finden ließen.

Liebe und Wissenschaft

Trotzdem versprechen Elitepartner und Parship „Singles mit Niveau“ und Partnervorschläge basierend auf wissenschaftlichen Verfahren. „Über den Parship-Fragebogen wird anhand von rund 80 Fragen ein Profil der partnerschaftsrelevanten Persönlichkeitsmerkmale für jedes Mitglied erstellt“, sagt Caroline Erb, Parship-Psychologin.

Anschließend erfolgt auf Grundlage dieses Profils das „Matching“ besonders gut zueinander passender Partner, bei denen die Chance auf eine langfristige Partnerschaft am höchsten sei. Onlinedatingexperte Daniel Baltzer vom Informationsportal Singleboersen-vergleich.at. erklärt gegenüber ORF.at, dass diese explizit auf die Suche nach längerfristigen Beziehungen ausgerichtet und auch dementsprechend teuer sind.

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Deshalb sei „hier die Bindungsmotivation der Suchenden naturgegeben am höchsten“, so der Experte. Bekannte Dating-Apps, bei denen der Fokus auf Dates gelegt wird, seien Zoosk, Lovoo, OKCupid, Once und Happn. Tinder gehöre ebenfalls in diese Kategorie, der Schwerpunkt verlagere sich hier jedoch auf „lockere Flirt- und Erotikkontakte“, so Baltzer weiter.

Wisch und weg

Mit über zehn Milliarden „Matches“ weltweit steht Tinder an der Spitze der Dating-Apps – sicherlich auch aufgrund seiner simplen Bedienung. Dort entscheidet nach einer kurzen Prüfung des Fotos lediglich eine Daumenbewegung. Ein „Wischer“ nach rechts vergibt ein „Gefällt mir“, jener nach links ein „Gefällt mir nicht“. Die Vergabe erfolgt anonym. Erst wenn beide (äußerlich) Gefallen aneinander finden, wird man in den gemeinsamen Chat befördert.

Noch einmal online begegnen

Andere Apps arbeiten mit ganz unterschiedlichen Algorithmen, um Menschen zusammenzubringen. Es wird meist nicht mit „psychologischem Matching“ gearbeitet, sondern geodatenbasiert. Man erhält Vorschläge von Personen, die sich eben gerade in der Nähe befinden.

Die App Happn wiederum lässt Menschen in unmittelbarer Umgebung einander ein zweites Mal begegnen – nämlich online. Sie ist für jene geeignet, die zu schüchtern waren, eine Person direkt anzusprechen, oder jene, die jemand Interessanten verpasst haben, weil sie vielleicht gerade auf ihr Handy gestarrt haben. Happn erreicht seit seiner Veröffentlichung 2014 nach gut einem Jahr bereits elf Millionen Nutzer weltweit.

Die Kraft der Stimme

Wer sich mehr traut, als nur Nachrichten zu tippen, könnte auf whispar einsteigen. Die vom Wiener Start-up-Unternehmer Florian Gutmann ins Leben gerufene App setzt auf die Kraft der Stimme. Via whispar können Partnersuchende Audionachrichten anhören und versenden sowie kostenlos und anonym mit anderen whispar-Usern telefonieren.

Candidate ist ebenfalls eine österreichische Erfindung und möchte sich von der oberflächlichen Begaffung von Fotos fast gänzlich lösen. Bei Candidate ist Kreativität gefragt, um sein potenzielles Date zu beeindrucken. Der User hat die Möglichkeit, fünf Fragen zu stellen, die von unterschiedlichen „Spielteilnehmern“ beantwortet werden – die „besten“ Antworten gewinnen und führen zum gemeinsamen Chat.

Nutzer ähnlich motiviert?

Die Studie „Nutzer von Tinder & Co: Normalität verdrängt Stigma“ der Webster University untersuchte die Motivation der Nutzer auf Dating-Apps und Partnerbörsen. Darin wird suggeriert, dass Tinder-User zwar tendenziell eher jünger seien als die Nutzer von Partnerbörsen, sie würden aber auf beiden Seiten mittlerweile aus allen Gesellschafts-, Bildungs- und Altersgruppen kommen.

Hinsichtlich der Beweggründe stellte sich heraus, dass die Motivation im Wesentlichen die gleiche sei. Untersucht wurden neben den Erwartungen der Nutzer auch deren soziale Einbindung, ihr Selbstwertgefühl und die sexuelle Einstellung, die kaum Unterschiede aufwiesen.

Lockeres Kennenlernen ohne Wissenschaft

Noch spielt sich die Suche nach einer längerfristigen Beziehung eher auf den Partnervermittlungsbörsen ab. Dass neue Apps versuchen, sich von dem oberflächlichen Durchgeblättere der Profilbilder zu entfernen, und damit auch schnell neue Nutzer generieren, zeigt auch, dass hier ein Umschwung stattfindet.

Dating-Apps sind zwar ungezwungener, lockerer und nicht mit der Wissenschaft „belastet“ - das muss jedoch nicht bedeuten, dass deren Klientel nicht ähnlich motiviert sein könnte wie die der Partnerbörsen. Die „mobile Generation“ möchte rasch und unkompliziert via Dating-App neue Menschen kennenlernen – und dabei sind auch sie häufig auf der Suche nach mehr als nur einem kurzen Flirt.

Yasmin Szaraniec, für ORF.at

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