Forschungsprojekt: NS-Altlasten im deutschen Kanzleramt

Die deutsche Regierung will die Geschichte des Kanzleramts auf NS-Altlasten hin untersuchen lassen. Das Projekt solle die „personelle Kontinuität und Diskontinuität zur Zeit vor 1945“ sowie die „Netzwerkbildung zwischen dem Kanzleramt, den Bundesministerien und Landesbehörden“ klären, heißt es in dem von der Regierung dazu veröffentlichten Ausschreibungstext.

Die deutsche Kulturstaatsministerin Monika Grütters (CDU) will für das Forschungsprogramm, das sich auch auf weitere Ministerien und Bundesbehörden bezieht, bis 2020 insgesamt vier Millionen Euro zur Verfügung stellen. Antragsberechtigt sind laut Ausschreibungstext Forscher oder Forschergruppen an Universitäten und außeruniversitären Forschungseinrichtungen sowie Einzelforscher, deren Vorhaben an solche Einrichtungen angebunden sind.

Nach Angaben der deutschen Regierung ist ein Viertel der Gesamtfördersumme „aufgrund der ressortübergreifenden Relevanz“ für die Erforschung der Geschichte des Kanzleramts reserviert. Diese solle zudem als eigener Programmteil ausgestaltet werden. Insgesamt ist das Programm aber bewusst ressortübergreifend angelegt, um „systemische Fragestellungen und Perspektiven zu ermöglichen, die nicht auf eine einzelne Institution begrenzt sind“.

Augenmerk auf Ex-Kanzleramtschef Globke

Laut dem Nachrichtenmagazin „Der Spiegel“ dürfte im Visier der Forscher besonders die Rolle des früheren Kanzleramtschefs Hans Globke stehen. Globke, der unter CDU-Kanzler Konrad Adenauer ab 1953 Kanzleramtschef war, war wegen des Vorwurfs von NS-Verstrickungen bereits während seiner Amtszeit umstritten, es gab gegen ihn auch strafrechtliche Ermittlungen.