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Wider das Establishment

Sie hätten ein ganzes Museum gefüllt. Hunderte Erinnerungsstücke der Sex Pistols sowie Unikate aus der wilden Punk-Ära der 70er Jahre hat John Corre über die Jahre gesammelt. Doch genau dort sollte der Punk nicht enden. „Punk hätte niemals nostalgisch werden dürfen“, sagte der Sohn der Designerin Vivienne Westwood und verbrannte seine Sammlung am Samstag auf der Themse.

„Punk ist tot“, mit diesem Satz leitete Corre die Zerstörungsaktion ein. Der Sohn des 2010 verstorbenen Sex-Pistols-Managers Malcolm McLaren hatte über die Jahre Hunderte Erinnerungsstücke an die wilde Zeit des Punk zusammengetragen. Die Bühnenoutfits, Schallplatten und seltene Probeaufnahmen waren laut dem Unternehmer mindestens fünf Millionen Britische Pfund (rund sechs Mio. Euro) wert. „Aber wer wird sie schlussendlich kaufen? Sie werden an irgendeiner Wand eines Bankers landen. Und das würde mich nicht glücklich machen.“

Brennde Punk-Figuren

APA/AFP/Neil Hall

Bei herrlichem Wetter wurde auf der Themse die Punk-Ära abgefackelt

Und auch der Tag der Aktion war nicht zufällig gewählt. Genau vor 40 Jahren veröffentlichten die Sex Pistols ihren Song „Anarchy in the UK“ (Anarchie in Großbritannien), der zur Hymne der Punkbewegung wurde. Sie machte vor allem durch schrille Outfits, knallharte Musik und Protest gegen das Establishment auf sich aufmerksam. Zahlreiche Veranstaltungen in London blicken derzeit auf die Bewegung zurück.

Aktion gegen die „Konformität“

Er müsse einfach gegen die Jubiläumsfeier protestieren, sagte er dem „Guardian“, sonst hätten alle nur erzählt, wie „cool“ alles damals gewesen sei, und Menschen, denen die Punkideen weiterhin wichtig seien, hätten sich verraten gefühlt. „Wir leben in einem Zeitalter der Konformität. Diese Klamotten zu verbrennen zeigt, dass wir uns dagegen stellen.“ Dass sogar die Queen ihren „Segen“ für die Konzerte, Ausstellungen, Filme und Diskussionen gegeben habe, sei das „Furchterregendste“, was er je gehört habe, so Corre.

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Rauch auf der Themse

Mit Flammenwerfern wird das Schiff mit den Punkerinnerungen an Bord angezündet.

Beim Buckingham Palace wies man den Vorwurf umgehend zurück. Man wisse nichts von einer offiziellen Unterstützung der Jubiläumsfeierlichkeiten durch die Queen. Im Musikmagazin „NME“ ruderte Corre dann zurück und räumte ein: „Ich sage nicht, dass die Queen persönlich was damit zu tun hat, das weiß ich nicht. Wenn ich von der Queen spreche, dann meine ich das Establishment.“

Scheiterhaufen auf der Themse

Unter den Punkfans war das Entsetzen groß, als sie von der Aktion erfuhren. Corre handle in pubertärer Zerstörungswut und Sucht nach Aufmerksamkeit. Er solle seine Andenkensammlung lieber zugunsten eines guten Zwecks verkaufen, anstatt sie zu verbrennen, riet eine Autorin in der Zeitung „The Guardian“. Aktivisten versuchten am Samstag, die Verbrennung zu verhindern. Doch Corre führte die Punkfans mit immer wieder neuen Ortsangaben in die Irre.

Unter besonderen Sicherheitsvorkehrungen setzte Corre Samstagnachmittag gemeinsam mit seiner Mutter Westwood ein Boot auf der Themse in Flammen. An Bord soll angeblich die Sex-Pistols-Kollektion gewesen sein. An der Bordwand war ein Plakat angebracht, auf dem „Auslöschung! Deine Zukunft“ stand.

EBay-Auktion floppte

Ob sich wirklich seine gesamte Sammlung in Rauch und Asche aufgelöst hat, wird sich noch zeigen. Berichten zufolge soll Corre in den letzten Tagen versucht haben, eine Testschallplatte auf eBay zu verkaufen. Weil die Gebote aber nicht wie erhofft eine Million Britische Pfund erreichten, verbrannte sie Corre Anfang der Woche schon einmal als Vorgeschmack auf die Aktion am Samstag. Sein Vater würde die Verbrennung unterstützen, glaubt Corre.

Corre war sein Leben lang glühender Fan der Sex Pistols, auch wenn ihn mit Sänger John Lydon alias Johnny Rotten keine Freundschaft verband. Gemeinsam mit seiner nunmehrigen Ex-Frau Serena Rees gründete er 1994 die Unterwäschefirma Agent Provocateur die er nach der Scheidung 2007 für 60 Millionen Pfund an eine Investorengruppe verkaufte.

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